Wie hat sich Worms in den letzten Jahren wirtschaftlich entwickelt? Die Antwort auf diese Frage fällt Oberbürgermeister Michael Kissel leicht: "Die Stadt Worms hat von ihren günstigen Standortbedingungen, der guten Anbindung an regionale Verkehrswege und der Lage zwischen den Metropolen Rhein-Neckar und Rhein-Mainz profitiert. Wir haben unsere Möglichkeiten optimal genutzt", so OB Kissel.
Die gute Anbindung der Stadt über Straße, Schiene, Wasser und Luft bezeichnet Kissel als wichtigen Standortfaktor. Mit der Fertigstellung der zweiten Wormser Rheinbrücke und der Entstehung einer durchgehenden Parallelstraße zur Entlastung der B9 im Industriegebiet findet eine kontinuierliche Optimierung der Verkehrsinfrastruktur statt.
"Die vorausschauende Planung der 80er und 90er Jahre mit der Entwicklung von Industrie- und Gewerbeflächen hat sich bezahlt gemacht", erklärt Michael Kissel mit Blick auf den wirtschaftlichen Verlauf der letzten Jahre. Derzeit sind 7.230 Gewerbebetriebe gemeldet - von Einzelfirmen, kleinen und mittelständischen Unternehmen bis hin zum Konzern. Die Zahl der Betriebe ist derweil gestiegen: Vor fünf Jahren waren es 6.811 Anmeldungen, vor zehn Jahren gab es 6.373 Anmeldungen. Im Jahr 2013 verzeichnete die Stadt 763 Abmeldungen und 995 Anmeldungen.
Worms verfügt über ausgewogenen Branchenmix
Was OB Kissel dabei besonders wichtig ist: Worms verfügt über einen ausgewogenen Branchenmix. Übertragen auf die fünf Kategorien der Wirtschaftszweige des Statistischen Landesamtes RLP, verteilt sich die Beschäftigtenanzahl auf vier Kategorien in nahezu gleichen Mengen. Im Jahre 2012 sind im produzierenden Gewerbe ca. 26 Prozent, in der Erbringung von öffentlichen und privaten Dienstleistungen 24,29 Prozent sowie 21,63 Prozent in Unternehmensdienstleistungen und im Handel, Verkehr und Gastgewerbe weitere 27,82 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten tätig. Die Land- und Forstwirtschaft und Fischerei stellt mit 0,64 Prozent den geringsten Anteil dar.
"Im Juni 2013 waren am Arbeitsort Worms 30.468 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Dies ist der höchste Wert in der Stadtgeschichte", hebt Oberbürgermeister Michael Kissel die positive Entwicklung hervor. In den Jahren 1999 bis 2006 stagnierte die Beschäftigtenzahl konstant bei ca. 26.000. "Von 2007 bis 2012 waren deutliche Steigerungen messbar. Im Zeitraum von 2007 bis 2012 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 15,9 Prozent, insgesamt sind knapp 4.200 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden. Dies entspricht einem jährlichen Wachstum von ca. 700 Arbeitsplätzen. Im Vergleich zu den nahe gelegenen Mittel- und Oberzentren weist Worms eine überdurchschnittliche hohe Entwicklungsdynamik auf", führt OB Kissel das positive Ergebnis auf eine aktive Wirtschaftsförderung und eine vorausschauende Standortpolitik zurück.
Zuwachs im Dienstleistungssektor Während des Anstiegs der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung innerhalb der letzten fünf Jahre ist deren Anteil im produzierenden Gewerbe um 7,65 Prozent zurückgegangen. In der Erbringung von Unternehmensdienstleistungen ist hingegen ein Zuwachs von 6,48 Prozent zu verzeichnen. Die höchsten Zuwächse an sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung wurden demnach bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (u. a. Logistik) und im Gesundheitswesen erzielt. Die höchsten Rückgänge sind bei Verkehr und Lagerei (u. a. Landverkehr und Transport in Rohrfernleitungen, Schifffahrt, Luftfahrt, Lagerei, Post-, Kurier- und Expressdienste) und dem verarbeitenden Gewerbe (Produktion) festzustellen.
Die fünf größten privaten Arbeitgeber in Worms sind die Logistikfirmen "FIEGE Logistik Stiftung & Co. KG" und "Trans Service Team GmbH" sowie die Chemiewerke "Evonik Industries AG"), "Grace GmbH & Co.KG" und "RENOLIT SE". Mit knapp 5.000 Beschäftigten stellen diese Firmen insgesamt mehr als 16 Prozent der gesamten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (alle Angaben in ca. gem. vorliegendem Datenbestand).
Standort Worms beeinträchtigt
Das gescheiterte Projekt am "Hohen Stein" hat sich auf die Zahl der bestehenden Betriebe (naturgemäß) noch nicht ausgewirkt. Das Gelände sollte mittelfristig bei Bedarf erschlossen werden und dann der Stadt etwa ab 2020 die Option eröffnen, expansionswillige Wormser Betriebe am Standort zu halten und neue, interessante Unternehmen hinzuzugewinnen. "Die Auswirkungen des Scheiterns dieses Projektes werden sich erst in den nächsten Jahrzehnten zeigen", erklärt Michael Kissel und sieht die Konkurrenz- und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Worms in der Region absehbar beeinträchtigt.
Daher gelte es jetzt, das noch vorhandene Standortpotenzial optimal zu nutzen und auszuschöpfen, so der Oberbürgermeister. Aufgrund ihrer wirtschaftsgeografisch günstigen Lage inmitten der Metropolregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar und der ausgezeichneten Verkehrsanbindung habe Worms nach wie vor eine hohe Anziehungskraft für Unternehmen. Dazu zähle nicht nur die A 61 und die Möglichkeit, mit der vierspurig ausgebauten Rheinbrücke die A 6 zu erreichen, sondern auch die Möglichkeit, über die Bahnlinie hinaus auch den Rhein als Transportmedium zu nutzen. "Um die Attraktivität für Gewerbebetriebe darüber hinaus zu erhalten und zu steigern, setzen wir zum einen auf die weichen Standortfaktoren. Dazu zählt Kissel das hervorragende kulturelle Angebot, eine wohnortnah ausgebaute Infrastruktur, die attraktiven Freizeitmöglichkeiten für Beschäftigte, die ihren Wohnsitz in Worms haben, eine hervorragende medizinische Versorgung sowie ein Bildungsangebot von Kinderkrippen über alle Schularten bis zur Hochschule. Zum anderen arbeite die Wirtschaftsförderung der Stadt derzeit an einem Konzept, das durch Intensivierung örtlicher und regionaler Netzwerke verstärkt Flächen aus privater Hand aktiviert und für angesiedelte Unternehmen Synergien schafft. Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass etwa 80 Prozent der wirtschaftlichen Entwicklung einer Kommune aus Bestandsunternehmen generiert wird", erklärt OB Michael Kissel abschließend.