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  • Sa., 19. März 2022, 14:37 Uhr
    MONSHEIM: Splittersiedlung am Rande des Naturschutzgebietes mit gravierenden Auswirkungen auf Natur und Landschaft

    NABU lehnt Baugebiet „Am Woog" ab

    Das Foto zeigt den Standort des Baugebietes „Am Woog“ von der Straße „An den Mühlen“ mit Blickrichtung Nord. Foto: NABU

    Monsheim hat sich verändert. In einer Gemeinde mit überwiegend ländlichem Charme sind an allen Ecken bauliche Entwicklungen vollzogen worden, die laut Naturschutzbund NABU gravierende Auswirkungen auf das Landschaftsbild haben. Die riesigen Logistikerhallen östlich des Ortes gehören nach Ansicht des Naturschutzverbandes genauso wie jene im Baugebiet Bockenheimer Weg eher in ein städtisches Industriegebiet als in das Pfrimmtal oder weithin sichtbar auf eine Anhöhe.


    Nun soll zwischen dem Naturschutzgebiet Sandgrube und dem Ortsrand von Kriegsheim ein Wohngebiet entwickelt werden. Der NABU lehnt diesen Standort in aller Deutlichkeit ab.


    „Wir wissen, dass die Planung durch ist“, so Vorsitzender Bösl in einem Pressestatement, „doch unsere Argumente wollen wir schon noch veröffentlichen“. Besonders negativ stuft der NABU die Lage des Wohngebietes in der freien Landschaft ein. Ohne jede Anbindung an bestehende Wohnbauflächen wird im Landschaftsraum zwischen Pfrimmaue und Lössriedel ein Wohnkomplex angesiedelt. Dabei komme den dortigen Flächen aus landschaftsökologischer Betrachtung andere Funktionen zu. Dies wird in sehr anschaulicher Art und Weise durch den aktuell vorliegenden Entwurf des Landschaftsplans dokumentiert. Dort ist auf der Karte „Ziele“ der „Schutz und die Aufwertung der Kulturlandschaft“ benannt. Mit einem Baugebiet ist dieses Ziel nicht erreichbar.


    Die im Verfahren vorgelegten Unterlagen, auf denen die örtliche Politik ihre Entscheidungen fußte, kamen nach Ansicht des Naturschutzverbandes zu unzutreffenden Aussagen und Schlussfolgerungen: So wurde die isolierte Lage des Gebietes ohne Anschluss an bestehende Bebauung als „städtebaulich geordnet“ bewertet. Das Vorhaben zeige jedoch tatsächlich den Charakter einer Splittersiedlung mit massiver Zerschneidung und Störung von Natur und Landschaft. „Die Einschätzung der Planer, dass das Gebiet aus landschaftsästhetischer Sicht nur eine „sehr geringe Qualität aufweise und daher als relativ unbedeutend“ einzustufen sei, wird von uns nicht geteilt“, so Bösl. Durch die Lage zwischen Pfrimmaue und Rheinhessischer Riedellandschaft ist der Raum aus landschaftsästhetischer Sicht besonders wertvoll und wird gerade deshalb von Spaziergängern häufig besucht.


    Der Landschaftsraum hat aus Sicht des NABU eine hohe Funktion für die wohnungsnahe Erholung Monsheimer und Kriegsheimer Bürger. Das Bauvorhaben greift mit den bereits verwirklichten Projekten schädigend in die Ziele des rheinhessischen Weintourismus ein. Großflächige Ansiedlung von Gewerbegebieten, unmaßstäbliche Hallenbauten mit massiver Fernwirkung sowie ungeordnete Landschaftszersplitterungen durch Neubaugebiete wie im vorliegenden Fall stehen den Zielen des Tourismus im Wonnegau diametral entgegen. Übrigens werden zugunsten einer Bebauung Wingerte gerodet.


    Nach Ansicht des NABU sind die Auswirkungen so massiv, dass der Verband im Verfahren die Durchführung ablehnte. „Sollte es dennoch zu einer Realisierung kommen, erscheint zumindest eine Streichung der nördlichen Bauplätze zwingend geboten“, so Bösl mit einer Minimalforderung. Zusätzlich wäre eine Staffelung der Geschossigkeit bzw. Anpassung der First- und Traufhöhen im Norden zur Verhinderung von Beschattung der bestehenden, außerhalb des Geltungsbereiches liegenden Gehölzstrukturen notwendig. Die Lichtauswirkungen auf die benachbarten Naturräume, unter anderem das Naturschutzgebiet, müsse durch geeignete Technik ausgeschlossen werden.


    Der NABU hat frühzeitig im Verfahren seine ablehnende Haltung gegen den Bebauungsplan „Am Woog“ vorgetragen. Dieser lag den Ortspolitikern vor, doch der Argumentation wurde nicht gefolgt. „Das ist im Prozess der Entscheidungsfindung so, doch die Befürworter des Baugebietes müssen die Meinung der Interessenvertreter für Natur- und Landschaftsschutz aushalten“, wirbt Bösl um Verständnis für die klare Position.

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