Mo., 22. April 2013, 07:17 Uhr
Landfrauen hatten zu Mundartlesung nach Bermersheim eingeladen
Nach den Herzen der Zuschauer
Das Telefon klingelt und schon weiß die Vereinsvorsitzende, das kann nur eine Absage für den morgigen Ausflug sein. Heftiges Nicken im Zuschauerraum. Neues Telefonklingen, die nächste Absage und totales Unverständnis für den Hinweis, dass frau trotzdem zahlen oder für Ersatz sorgen soll. Wiedererkennendes Gelächter und begeisterter Applaus für die pointierte Darstellung der Gruppe um Gisela Größ-Ahr von den fast 100 Besuchern der Mundartlesung im Bermersheimer Bürgerhaus.
Offenbar war auch die dritte Mundartlesung schriftstellender Landfrauen aus dem Landkreis Alzey-Worms, zu der die Kreisvorsitzende Hannelore Reinheimer begrüßte, so recht nach dem Herzen der nicht nur weiblichen Zuschauer. Roswitha Wünsche-Heiden hatte die Texte nach Themengruppen sortiert und gab jeweils eine kurze Einleitung in Versform.
So ging es im ersten Abschnitt um das Leben in Rheinhessen. Vergangenes und Aktuelles, häufig im Vergleich miteinander machten die Autorinnen an Orten und Gegenständen fest und ließen sich von „Scheierdoor“, „Wertshausdisch“, „Hausdierschlissel“ oder „Schinkestick“ inspirieren. Beim Thema „Jahreszeiten“ war der Garten Dreh- und Angelpunkt der überwiegend lyrischen Texte.
Ob Vögelgezwitscher, Igel, Stare , Obst- und andere Bäume, sie alle haben ihre besondere Bedeutung für das Gartenjahr und auch für Wingerts ungewöhnliches, „kurzes Glück“ auf dem Acker, das sie anschaulich schilderte. Als Dialog ließ Geeb-Grode humorvoll „Nochberliches iwwer de Gardezaun“ verlauten. Zugleich anschaulich und lehrreich war der Sketch der Flörsheim-Dalsheimer Landfrauen, die augenzwinkernd „Rewe zum Lewe“ erweckten.
Von „Kinnersorje“ im Allgemeinen, der „Mamme“ und was sie so alles macht, dem Herz der Großmutter, in dem auch Hund, Katze und Aquarium des Enkelchens Platz haben, das weise Schweigen der Großmutter bei der Moralpredigt des Sohnes an ihren Enkel, sowie zwei Liebesgeschichten mit überraschendem Ende schlossen sich an, ehe es noch „Nochdenkliches fer uff de Haamwech“ gab. Sei es eine erlebte Enttäuschung, die Sache mit dem kostenpflichtig erworbenen Selbstwertgefühl, der Umgang mit der Schlaflosigkeit, unerklärliche Stimmungen - was die Autorinnen dazu zu sagen hatten, war allemal bedenkenswert, insbesondere was Böhm den vorwiegend älteren Zuhörern über die Zeit „Vor Sunneunnergang“ zu sagen hatte.
Für die Pause hatten die Bermersheimer Landfrauen „ebbes zum Munkele und e Gläsje Woi“ vorbereitet. Als Zugabe las Reinheimer noch eine Erzählung der verstorbenen Autorin Elsbeth Bossert.
Mitwirkende: Inge Balasus (Alzey), Hannelore Böhm (Hamm), Gisela Bohn (Gundersheim, Ursula Geeb-Grode (Biebelnheim), Gisela Größ-Ahr (Partenheim), Hedi Knab (Pfeddersheim), Maritta Reinhardt (Wonsheim), Hannelore Rerinheimer (Pfeddersheim), Rosemarie Wechsler (Flörsheim-Dalsheim), Hannelore Wingert (Partenheim), Roswitha Wünsche-Heiden (Erbes-Büdesheim)