Mo., 16. Juni 2014, 11:32 Uhr
Dem Schlaf auf der Spur im einzigen zertifiziertem Kinderschlaflabor in Rheinland-Pfalz
Nächtliche Detektivarbeit
Am Samstag, dem 21. Juni ist der Tag des Schlafs, der auf die Bedeutung des Schlafs für die menschliche Gesundheit aufmerksam machen soll. Ein ausgeglichener Schlafrhythmus ist dabei insbesondere für Kinder enorm wichtig.
Umso erschreckender ist, dass rund 21 bis 37 Prozent aller Kinder von Schlafstörungen betroffen sind. Besonders häufig leiden die kleinen Menschen unter Problemen mit dem Einschlafen oder wachen während der Nacht auf. Dauerhaft anhaltende Schlafstörungen können nicht nur die Gesundheit und Entwicklung eines Kindes massiv beeinträchtigen, sondern auch zu einer starken Belastung für die ganze Familie werden. Umso wichtiger ist es, die genauen Ursachen für die Schlafbeschwerden ausfindig zu machen.
Dies geschieht in ganz speziell eingerichteten Schlafambulanzen und Schlaflaboren für Kinder. Eines davon befindet sich in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin das Klinikums Worms. Übrigens das einzige Kinderschlaflabor in Rheinland-Pfalz, das durch die Gesellschaft für Schlafmedizin zertifiziert ist.
Zu Gast im Kinderschlaflabor
Im Schlaflabor des Klinikums werden jährlich rund 260 Kinder und Jugendliche behandelt. „Zu uns kommen Kinder, die beispielsweise aufgrund einer Verlegung der Atemwege mit nächtlichen Atemstörungen zu kämpfen haben. Andere Kinder wiederum haben Probleme nachts im Schlaf zu bleiben und wachen immer wieder auf“, erklärt Dr. Frank Stemberg, Leiter des Schlaflabors am Klinikum Worms.
Auch Frühgeborene mit Atemstörungen werden im Schlaflabor überwacht. „So können wir überprüfen, ob die Atmung der Säuglinge mittlerweile stabil geworden ist, oder eine weitere Monitorüberwachung des Frühgeborenen nötig ist“, berichtet Dr. Stemberg weiter. Seltener hingegen sind Fälle bei denen Fehlbildungen oder neurologische Störungen den Schlaf der Kinder negativ beeinflussen. Vereinzelt untersucht und behandelt Dr. Stemberg auch Kinder mit Narkolepsie, was im Volksmund als „Schlafkrankheit“ bezeichnet wird.
Während des Aufenthalts im Schlaflabor werden die jungen Patienten an Monitore angeschlossen und die gesamte Nacht überwacht. Neben einem EKG und EEG (Messung der Gehirnströme) werden auch die Atembewegungen und der Atemfluss des Kindes gemessen. Zudem sind Beine, Kinn und Augen mit Elektroden versehen, um Muskelspannungen- und Bewegungen zu erfassen. Gleichzeitig werden die Augenbewegungen des Kindes gemessen, da schnelle Augenbewegungen anzeigen, wann sich der Schläfer in der REM-Phase (sogenannter Traumschlaf) befindet.
Ein Ergebnis, das manchmal überrascht
Die Diagnosen, die sich anhand der Messungen im Schlaflabor ergeben, sind so vielfältig wie die Symptome, unter denen die Kinder leiden. Insbesondere bei älteren Kindern sind es oft die Mandeln oder Polypen, die Atembeschwerden verursachen und den nächtlichen Schlaf auf diese Art und Weise stören.
„Bei Kindern, die nicht per OP von ihren Atembeschwerden befreit werden können, helfen Geräte zur Beatmung weiter. Besondere Überraschungen gibt es übrigens gerade bei Patienten, die unter Durchschlafproblemen leiden. Im Schlaflabor stellt sich oft heraus, dass diese Kinder deutlich mehr schlafen, als sie selbst oder die Eltern annehmen“, schildert Dr. Stemberg.
Neben dem eigentlichen Schlaflabor bietet die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin noch eine ambulante Sprechstunde im Bereich der Schlafmedizin, in der abgeklärt wird, ob eine Untersuchung im Schlaflabor notwendig ist, oder andere Untersuchungen bzw. Behandlungen zielführender sind.