Do., 20. September 2018, 14:12 Uhr
Beauftragter für Naturschutz für Osthofen und Westhofen
Natur, Landschaft und Artenschutz
Er ist schon seit Juni im Amt, der neue Naturschutzbeauftragte für die Stadt Osthofen und die Gemeinde Westhofen, Matthias Bösl, der manchen als Vorsitzender des NABU Worms-Wonnegau bekannt ist. Er wurde kürzlich von der unteren Naturschutzbehörde Alzey für diese Funktion berufen. Dort ist er bereits als Mitglied des Beirates für Naturschutz tätig.
Bei den Naturschutzbeauftragten soll es sich laut § 29 des Landesnaturschutzgesetzes um geeignete Personen handeln, die – so zeigt die Erfahrung - in der Regel Aktive der Naturschutzverbände sind. Ihre Aufgabe ist die Beobachtung von Natur und Landschaft und das Informieren der Behörde über Veränderungen in der Landschaft. Das sind in aller Regel die illegalen Beseitigungen von Bäumen, Müllablagerungen, Eingriffe anderer Art wie Aufschüttungen, Grabenbeseitigungen, Beeinträchtigungen von Landschaftsbestandteilen usw. Die Unterbreitung von Schutz- und Pflegevorschlägen sind ebenfalls wichtige Aufgaben. Des Weiteren sollen die Beauftragten Verständnis für Natur und Landschaft wecken.
„Klar ist auch“, so Bösl, „dass Naturschutzbeauftragte nicht für zivilrechtliche Auseinandersetzungen zum Beispiel über die Art der Gartenpflege oder überhängende Äste zuständig sind, deren Ursache ein Nachbarschaftsstreit ist“.
Bösl bringt mit seinen 53 Lebensjahren und der Tätigkeit im Natur- und Artenschutz seit seiner Jugend genügend Erfahrung mit. Als er vor mehr als 25 Jahren noch in Worms wohnhaft war, übte er das Amt schon einmal in der Gemarkung Herrnsheim aus. „Sehr zum Leidwesen mancher Umweltsünder, denen ich draußen auf den Fersen war und plötzlich aus dem Gebüsch raustrat“, so Bösl mit einem Schmunzeln. In dieser Zeit entwickelte er ein Auge für Veränderungen in der Landschaft und für Verstöße gegen die Umwelt. Dabei war ihm von vornherein klar, dass seine Meldungen von Verstößen an die zuständigen Behörden von den Verursachern als Anzeigen im förmlichen Sinn angesehen wurden. „So war das von mir auch gemeint und gewollt“, so Bösl, „es kann doch nicht sein, dass Kommunen Parkverstöße intensiv verfolgen, in der freien Landschaft aber vieles ungesühnt bleibt!“
Bösl möchte in Osthofen und Westhofen einen möglichst optimalen Zustand für Natur und Artenschutz erreichen. Das treibt ihn an. „Jede und jeder kann seinen Beitrag leisten, egal ob in der Politik, in der Verwaltung, durch die Interessenverbände oder durch den Bürger“, motiviert Bösl. Er hofft vor allem auf die Bewohner der beiden Orte, die nach seinem Empfinden wegen des Artensterbens aufgeschreckt sind und mehr im Naturschutz rund ums Haus tun möchten. „Auch denjenigen, die steinerne Gärten angelegt haben, war vielleicht nicht bewusst, dass es auch anders gehen kann“ empfiehlt Bösl Nachsicht. Doch in naturfernen Gärten Nistkästen für Vögel aufhängen oder Insektenhotels anbringen hat keinen Sinn: „Von was sollen die Tiere leben?“, fragt Bösl, „das ist wie wenn man uns Menschen dauerhaft im Hotel einbucht aber das Restaurant geschlossen hat“. Schaue man in manche Gärten, sehe es wenig naturnah aus. Kahle kurzgeschorene Rasenflächen, die mit viel Aufwand bewässert werden, seien häufig anzutreffen. Steht mal im hintersten Eckchen des Gartens ein Bäumchen, handelt es sich dabei meist um nicht heimischen Kirschlorbeer. „Damit können die Tiere nichts anfangen“, merkt Bösl an, „raus damit und ein heimisches Gehölz setzen! Das ist angewandter Naturschutz.“
In den Gemeinden entdeckt man gerade das Thema Insektensterben. „Gemeinden haben ein nicht zu unterschätzendes Potential an örtlichen Grünflächen“, so Bösl, „warum da häufig mit dem Rasenmäher drübergefahren und die heimischen Wildblumen weggemäht werden, erschließt sich mir nicht“. Schnell könnte man kostengünstig mehr für die Natur tun.