Sa., 07.02.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Di., 27. Januar 2026, 11:18 Uhr
    VERBAND DER HESSISCH-PFÄLZISCHEN ZUCKERRÜBENANBAUER e.V.: Schilf-Glasflügelzikade vermehrt sich auch an Wildkräutern und Dauerkulturen

    Neue Entdeckung verschärft Bedrohung

    Spätestens seit 2022 gilt die Schilf-Glasflügelzikade als Überträger der schwersten Pflanzenkrankheiten, die derzeit wichtige Nahrungspflanzen in Europa bedrohen.
    Foto: Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V.

    Aktuelle Forschungsergebnisse aus Worms belegen eine massive Erweiterung des Wirtspflanzenspektrums der Schilf-Glasflügelzikade. Erstmals wurden Wildkräuter, Unkräuter, Dauerkulturen und zusätzliche Kulturpflanzen als Träger sowohl des Insekts als auch der von ihm übertragenen bakteriellen Erreger identifiziert. Damit wird das bislang angenommene Bild eines begrenzt spezialisierten Schädlings grundlegend korrigiert. 

    Damit ist klar: Die Zikade kann sich in der Agrarlandschaft nahezu ungehindert vermehren – auch außerhalb klassischer Ackerfrüchte. Seit 35 Jahren ist die Schilf-Glasflügelzikade als Überträger bakterieller Krankheiten in Zuckerrüben bekannt. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse verschärfen diese Einschätzung erheblich. 

    Auch Spargel trägt den Erreger

    Neu ist nun auch der gesicherte Nachweis des Stolbur-verwandten Erregerstamms 16SrXII-P (P-Typ) des Erregers in Rhabarber und Spargel. In den nächsten Tagen erscheint die wissenschaftliche Studie dazu. Nach heutigem Kenntnisstand wird dieser Stamm in Deutschland ausschließlich durch die Schilf-Glasflügelzikade übertragen. Damit tragen die Pflanzen die Erreger über Jahre, und Zikaden können sich dort infizieren. Spargel zeigte bislang keine eindeutigen Schadbilder, trägt jedoch nachweislich den Erreger. Besonders alarmierend sind die Beobachtungen im Rhabarber: Dort kam es in Hotspot-Regionen zu massiven Ertragseinbußen, in Extremfällen sogar zum Umbrechen ganzer Anbauflächen. In einzelnen Regionen ist der Rhabarberanbau wirtschaftlich kaum noch möglich. 

    Erdbeeren ebenfalls gefährdet

    Zusätzliche Brisanz erhält die Situation durch eine Beobachtung: In einer Hotspot-Region wurde die Erdbeere als potenzieller Wirt beider Erreger identifiziert. Der wissenschaftliche Erregernachweis läuft derzeit. Erdbeeren sind somit ebenfalls gefährdet. Daneben wurde jeweils mindestens ein Erreger inzwischen auch vom Forschungsteam in Löwenzahn, Bingelkraut und Ackerkratzdistel nachgewiesen. An mehreren dieser Pflanzen fanden die Forscher sogar Larven der Zikade – ein klarer Beleg dafür, dass sich die Tiere dort erfolgreich vermehren. Die Larven können sich auch an einigen Leguminosen ernähren. 

    Deutschland steht bei der Verbreitung in Europa besonders im Fokus: Hier wurden die höchsten Insektenzahlen und die größten betroffenen Flächen Europas festgestellt. Von hier aus hat sich die Zikade mit einem neuen Erregerstamm bereits in Belgien, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Frankreich ausgebreitet. Die Entdeckung zeigt, dass auch Risiken im Pflanzen- und Bodenverkehr bestehen. 

    Es bleibt noch weniger Zeit

    „Wir haben es nicht mehr mit einem Spezialisten zu tun, sondern mit einem hoch anpassungsfähigen, polyphagen Insekt“, sagt Dr. Christian Lang, Leiter des Wormser Verbandes. „Das verändert die gesamte Risikobewertung.“ Helen Pfitzner, Koordinatorin der Forschungsprojekte, warnt eindringlich: „Wir stehen vor der größten systemischen Gefahr für den europäischen Acker- und Gemüsebau im kommenden Jahrzehnt. Unsere neuen Erkenntnisse zeigen: Uns bleibt noch weniger Zeit, als viele glauben.“ 

    Um Lösungen entwickeln zu können, haben sich zahlreiche Akteure zusammengeschlossen: Insgesamt wurden zwei große Forschungsverbünde beantragt – ein Konsortium mit 24 Institutionen auf europäischer Ebene sowie ein weiteres mit 21 Institutionen beim Bundesforschungsministerium. Ziel ist es, Forschung, Monitoring und Gegenstrategien schnell und koordiniert voranzubringen. 

    Getragen werden die Aktivitäten von den Zuckerrübenanbauern in Hessen und Rheinland-Pfalz, die sich durch die Schilf-Glasflügelzikade in ihrer Existenz bedroht sehen und seit Jahren den Schulterschluss mit anderen Anbaukulturen suchen. 

    Beitrag aus der Rubrik

    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige Rolladen Günter
    Anzeige AmtsblattAnzeige 20 Jahre Stadtmarketing WormsAnzeige Ticketshop
    Anzeige 26_06s Sunny Roofs 280x500 Rectangle KN24590_1