Zur Aufnahme von Menschen aus den Krisen- und Kriegsgebieten werden neue Standorte geprüft: Salamandergelände, Liebenauer Feld, Carl-Villinger-Straße und Objekte in den Stadtteilen
Dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen in Worms geplant
An der Carl-Villinger-Straße gegenüber des Schwimmclubs Poseidons könnten eventuell kleine Häuser für Flüchtlinge entstehen. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Worms hat am Mittwochnachmittag getagt. Eines der wichtigen Themen war die Unterbringung der Flüchtlinge, jener Menschen, die vor die Krieg, Elend, Verfolgung und Hunger auf der Welt fliehen und in Deutschland ein sichere Bleibe suchen. Oberbürgermeister Michael Kissel informierte nach der Sitzung die Vertreter der Presse. Dabei nannte er zunächst ein paar Fakten. So seien der Stadt Worms im Jahr 2012 insgesamt 57 Asylsuchende vom Land zugewiesen worden. Im Jahr 2013 waren es 89 Flüchtlinge, im Jahr 2014 bereits 206 und mit Stand Mai seien es 2015 schon 206 Asylsuchende gewesen. Bis Ende des Jahres rechne die Stadt für 2015 mit insgesamt 400 bis 480 Zuweisungen.
Bestehende Einrichtungen erschöpft
Der Stadtchef führte weiter aus, dass mittlerweile alle vorhandenen Unterbringungsmöglichkeiten komplett ausgelastet seien, dazu gehöre auch die Gemeinschaftsunterkunft für rund 60 Personen auf dem Motorpoolgelände in der Bensheimer Straße. Daher sei es notwendig, weitere Wohnungen bzw. Gebäude anzumieten oder zu bauen. Insgesamt fehlten der Stadt zurzeit rund 230 Plätze, wenn man von etwa 200 - 280 Flüchtlingen ausgehe, die bis Jahresende noch nach Worms kommen werden.
Salamandergelände
Ein Flüchtlingsheim mit einer Kapazität von 100 bis 130 Personen soll auf dem Salamandergelände in Containerbauweise entstehen, ähnlich wie bereits eines auf dem Motorpool an der Bensheimer Straße gebaut wurde. Das Salamandergelände ist jenes Areal am Kirschgartenweg, auf dem früher die Heylsche Lederfabrik beheimatet war. Das neue Gebäude soll entweder als reine Männerunterkunft genutzt werden oder als zweite, denkbare Variante, nur für Frauen und Familien zur Verfügung stehen. Zurzeit wären beide Optionen möglich. Für den Bau habe der Stadtrat auf einer der letzten Sitzungen bereits zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Oberbürgermeister Michael Kissel merkte an, dass das Salamandergelände das letzte freie Gewerbegebiet der Stadt sei und er es gerne zur Ansiedlung von Firmen genutzt hätte, aber die Stadt habe kaum noch eigenes Gelände, auf dem rasch ein Flüchtlingsheim errichtet werden könne. Und der Ankauf eines anderen Areal würde Zeit und Geld kosten. Daher wolle man die Unterkunft auf dem Salamandergelände möglichst rasch realisieren.
Liebenauer Feld
Auf dem Liebenauer Feld wird nach Aussage von Michael Kissel ein Wohnobjekt von einer Privatperson angemietet, in dem rund 30 bis 32 Flüchtlinge, alles Familien und Frauen, untergebracht werden könnten.
Der Oberbürgermeister betonte hierbei, dass es das Ziel der Stadt sei, die Flüchtlinge über das gesamte Stadtgebiet zu verteilen, sodass es zu keinen Konzentrationen komme. Daher sollten keine weiteren Asylsuchenden zusätzlich zu Motorpool und Salamandergelände im Norden und im Süden der Kernstadt untergebracht werden. Vielmehr seien nun auch die Stadtteile, also die Vororte, gefordert, Flüchtlinge aufzunehmen, ähnlich wie Rheindürkheim dies in vorbildlicher Weise tue, Flüchtlinge aufzunehmen.
Carl-Villinger-Straße und Pfeddersheim
In Pfeddersheim soll ein Objekt mit vier Wohneinheiten auf drei Etagen gekauft werden. Hier sollen Frauen und Familien einziehen.
Geprüft werde zurzeit auch, so OB Kissel, ob im Westend, an der Carl-Villinger-Straße, gegenüber des Schwimmclubs Poseidon, auf einem leer stehenden, städtischen Gelände bis zu zehn kleinere Häuser entstehen könnten. Diese könnten zunächst für Flüchtlinge und in einem späteren Stadium als eine Art Sozialwohnungen genutzt werden. Die Option an der Carl-Villinger-Starße sei momentan aber noch in der Untersuchungsphase. Es gebe auch noch andere Flächen, deren Verfügbarkeit und Tauglichkeit im Fokus stehe.
"Es kommen Menschen"
Zum Abschluss des Pressegesprächs betonte der Stadtchef, dass weitere Einwohnerversammlungen und andere Arten der Bürgerinformation geplant seien, um den Bewohnern der Stadt die Situation zu erklären und sie für Unterstützung und Mithilfe zu gewinnen. "Wir sollten auch immer bedenken, es kommen Menschen. Und niemand verlässt gerne seine Heimat", sagte Michael Kissel mit Blick auf das Elend und das Leid, das hinter den Menschen liegt, die nach Worms kommen.
Ein Dank von Michael Kissel ging an die Mitarbeiter der Verwaltung, die seit Monaten "am Anschlag" arbeiten, um die Flüchtlinge in der Nibelungenstadt aufzunehmen und ihnen menschenwürdige Unterkünfte bieten zu können.
Dezentrale Lösung
Wobei jedem bewusst sein sollte, dass die Flüchtlingssituation aufgrund der Kriege und Krisen wohl noch Jahre auf hohem Niveau Bestand haben wird. In der Aussprache im Haupt- und Finanzausschuss ging es auch nicht darum, ob Worms Flüchtlinge aufnimmt oder nicht, denn darüber hat die Kommunalpolitik nicht zu entschieden. Dies ist im Grundgesetz geregelt und kann, wenn überhaupt, nur auf Bundesebene beeinflusst werden. Im städtischen Ausschuss ging es vielmehr darum, wie man die Aufnahme gestaltet und wo die Flüchtlinge untergebracht werden. Und hier streben die Mitglieder des Ausschusses eine dezentrale Lösung an, bei der alle Stadteile möglichst gleich in die Verantwortung genommen werden.