
Der zunehmende Fachkräftemangel und die schleppend verlaufende Unternehmensnachfolge waren Themen des Antrittsbesuchs von Anja Obermann, neue Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Rheinhessen, bei Oberbürgermeister Michael Kissel. Anja Obermann hat im Mai die Nachfolge von Dr. Stefan Zimmer angetreten. Gemeinsam mit HWK-PräsidentRÜM-Projekt und Kreishandwerkerschaft-Geschäftsführerin Sabine Theis hatte sie sich im Wormser Rathaus zu einem Gespräch über künftige Aufgaben und Ziele des Handwerks eingefunden.
Der Fachkräftemangel habe inzwischen alle Handwerksbereiche erreicht, berichtete der HWK-Präsident. Oliver Stojijlkovic, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung (wfg), verwies in diesem Kontext auf eine Umfrage der wfg in den Betrieben, deren Ergebnis in der kommenden Woche präsentiert werden soll.
Das Handwerk kämpfe im Fachkräftebereich mit unterschiedlichen Problemen, erläuterte Anja Obermann. Zum einen fehle es gerade den kleinen Handwerksbetrieben an den nötigen Kapazitäten, um Akquise zu betreiben, zum anderen erreichten sie bestimmte Zielgruppen, etwa die Gymnasiasten, erst gar nicht. Darüber hinaus fehle den Jugendlichen die praktische Erfahrung mit den einzelnen Berufsbildern. „Es muss sichtbar werden, was das Handwerk macht“, ist sich deshalb Hans-Jörg Friese sicher.
Oberbürgermeister Kissel erinnerte an das RÜM-Projekt, das Regionale Übergangsmanagement, das Schülern den Übergang von Schule und Beruf erleichtern soll und das sich in Worms bewährt hat.
Das Problem des Fachkräftemangels habe sich bereits vor Jahren abgezeichnet. Damals hätten Betriebe die Qualität der Bewerber bemängelt, heute komme auch die Quantität hinzu, skizzierte der Stadtchef den Ist-Zustand.
Ein ebenso wichtiges Thema ist die immer häufiger ausbleibende Unternehmensnachfolge. Mehr als 200.000 Betriebe stehen bundesweit vor einer Betriebsübergabe – im Handwerksbereich seien 20 Prozent betroffen, berichtete der HWK-Präsident. „Immer weniger Menschen sind dazu bereit, den Aufwand, den ein eigener Betrieb mit sich bringt, zu betreiben“, weiß der OB. Resultat: Immer mehr Betriebe finden keinen Nachfolger.
Auch willige Existenzgründer hätten meist kein Interesse daran, einen Betrieb zu übernehmen, so Oliver Stojijlkovic. Ursächlich dafür sieht Anja Obermann die Angst davor, sich anfänglich verschulden zu müssen.
Ein weiteres Thema des Gesprächs war die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Viele Betriebe seien bereit, Flüchtlinge auszubilden, bräuchten jedoch eine Verbindlichkeit, unterstrich Anja Obermann. Kurzum: „Wer ausbildet, muss zunächst investieren. Der Ausbilder muss deshalb sicher sein, dass der Auszubildende ihm im Anschluss weiter erhalten bleibt“, erläuterte Hans-Jörg Friese. Zu diesem Thema wollen sich die Kammern und die Landkreise im August zu einem runden Tisch treffen. „Es ist wichtig, dass sich die Kammern so aktiv in das Thema einbringen“, machte OB Kissel deutlich.
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