
Die Wirtschaft in Rheinhessen kommt nicht aus der Durststrecke. In der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen für den Frühsommer 2026 erreicht der Konjunkturklimaindex – der zentrale Stimmungsindikator – mit 81 Punkten einen neuen Tiefstand. Er liegt damit deutlich unter der Wachstumsschwelle von 100 Punkten.
Unternehmen bewerten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate schlechter; zudem gehen die Investitionspläne weiter zurück. Als größte Risiken nennen die Betriebe vor allem die Energie- und Rohstoffpreise sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die volatile weltpolitische Lage und die wirtschaftlichen Folgen des Nahostkriegs.
„Unsere Unternehmen senden sehr starke Warnsignale - konkrete Impulse und Lösungen müssen jetzt endlich kommen”, sagt IHK-Präsident Dr. Marcus Walden. „Immer mehr Betriebe verschieben Investitionen, weil Energiepreise und politische Rahmenbedingungen bislang wenig planbar sind. Die neue Landesregierung kann ganz schnell für Verlässlichkeit sorgen: Bürokratie abbauen, Genehmigungen beschleunigen und die Energiekosten am Standort spürbar entlasten.“
IHK-Hauptgeschäftsführerin Karina Szwede sieht die Unsicherheit als Bremsklotz quer durch die Wirtschaft: „Ob Exportgeschäft in der Industrie oder Handel vor Ort – die Unruhe an den Märkten sorgt für Zurückhaltung. Entscheidend ist jetzt Tempo: Die neue Landesregierung muss in den ersten 100 Tagen sichtbare Schritte auf den Weg bringen, damit Investitionen wieder anspringen.“
Ihre aktuelle Geschäftslage bewerten 23 Prozent der befragten Betriebe als gut, 45 Prozent als befriedigend und 32 Prozent als schlecht. Deutlich pessimistischer blicken die Unternehmen auf die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate: Nur elf Prozent gehen von einer positiven Entwicklung aus, 50 Prozent erwarten eine gleichbleibende Geschäftslage und 39 Prozent befürchten einen Rückgang.
Die Herausforderungen für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen sind gestiegen. Auf Platz eins der größten Geschäftsrisiken liegen mit 68 Prozent die Energie- und Rohstoffpreise, gefolgt von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (64 Prozent). Zum Risiko werden zunehmend auch die Arbeitskosten (59 Prozent), die Inlandsnachfrage (56 Prozent) und die Finanzierung (15 Prozent, von niedrigem Niveau kommend). Der Fachkräftemangel liegt nur noch auf Platz fünf der größten Geschäftsrisiken (38 Prozent).
Bei der repräsentativen IHK-Konjunkturumfrage zum Frühsommer 2026 wurden insgesamt 717 Unternehmen aller Größen und Branchen in Rheinhessen befragt. Der vollständige Konjunkturbericht ist abrufbar unter www.ihk.de/rheinhessen/konjunktur