Ein altehrwürdiger Tabernakel, der beim Einrichten der Bücherei im Gundheimer Pfarrhaus im Wege stand, ist nun das neue Schmuckstück im örtlichen Heimatmuseum.
Der „Tabernakel“ ist ein kunstvoll gestaltetes Gehäuse, das im Altarraum zur Aufbewahrung der Hostien für die Kommunionfeier und bei der Krankenseelsorge einer Pfarrgemeinde verwendet wird. Es ist traditionell meist der wertvollste, kunsthistorischste Gegenstand eines Gotteshauses.
Der betreffende Tabernakel wurde nun nach Absprache mit dem Pfarrseelsorger, Bernd Eichler, dem Leiter der Pfarrgruppe Wonnegau von Ernst Schader, dem Leiter der Männergruppe, und Diakon Peter Schreiber aus dem Pfarrhaus in das gegenüberliegende Heimatmuseum gebracht.
Der wertvolle Tabernakel stammt wohl aus der Kirche, die nach dem verheerenden Brand im August des Jahres 1896 völlig zerstört wurde. Damals gab es in Gundheim noch keine Freiwillige Feuerwehr, die erst sechs Jahre später gegründet wurde. Der Rettungsversuch mit Wassereimern blieb erfolglos. Lediglich einige Heiligenfiguren und der Tabernakel mit wertvollen Holzschnitzereien konnten unter dem Einsatz mutiger Bürger bei Todesgefahr aus den Flammen gerettet werden.
Die damalige Kirche wurde nach den Wirren der Bauernkriege (um 1525) und den wechselhaften Umbrüchen der Reformation im 16. Jahrhundert unter der Regentschaft der Adelsfamilie der Freiherren von Greifenklau in den Jahren von 1731 bis 1734 für das 400 Seelendorf „Guntheim“ errichtet. Es war das vierte Gotteshaus auf dem Gundheimer Kirchhügel, das dem Heiligen Laurentius als Kirchenpatron zugeschrieben wurde. Ein großer, schlichter Renaissancebau mit einer prächtigen, barocken Innenausstattung.
Der „überlebende“ Tabernakel wurde von einer unbekannten Holzschnitzerwerkstatt anfangs des 17. Jahrhunderts angefertigt und fand am vergangenen Freitag, zum Festtag der Heiligen Apostelin Maria aus Magdala (Maria Magdalena), einen ehrwürdigen Platz im Gundheimer Museum. Nach Aussage des Museumsleiters Peter Schreiber stellt dieses sakrale, liturgische Kunstwerk nun den wertvollsten Schatz der ausgestellten Objekte dar.