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  • Sa., 03. Februar 2018, 08:31 Uhr
    Nach rund zehn Jahren des Stillstandes rückt eine Realisierung einer Station in Worms-Pfiffligheim in greifbare Nähe

    Neuer Schwung bei Bahn-Haltepunkt Worms-West

    Am Poseidon-Parkplatz an der Carl-Villinger-Straße fahren die Züge in Richtung Monsheim noch achtlos vorbei. Aber schon bald könnte exakt dort der Haltepunkt Worms-West sein. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Vor rund zehn Jahren wurde der Bau von drei zusätzlichen Eisenbahn-Haltepunkten in Worms diskutiert. Dies waren die beiden S-Bahn-Stationen Worms-Süd am Salamandergelände und Worms-Nord am Gallborn sowie der Bahn-Haltepunkt Worms-West in Pfiffligheim bzw. dem Westend. Keine der drei Stationen wurde realisiert. Während Worms-Nord nie über die Ideenphase hinauskam, da aufgrund des engen Zeittaktes zwischen Worms und Mainz ein weiterer Stopp der Züge von der Bahn als nicht machbar erachtet wurde, waren Worms-Süd und Worms-West zum Greifen nah. Aus Kostengründen sprach sich der Stadtrat im Jahr 2011 aber gegen Worms-Süd und Worms-West aus. Die Stationen wurden aber nicht endgültig beerdigt, sondern der Rat ließ das Hintertürchen offen, dass es zu einem späteren Zeitpunkt mit der Realisierung eventuell klappten könne. Während die S-Bahn-Station Worms-Süd weiter auf Eis liegt, steht der Eisenbahn-Haltepunkt Worms-West plötzlich wieder im Fokus. Der Grund dafür ist die vom Land und Bund geförderte „Stationsoffensive“. Hierbei wurden landesweit in einer ersten groben Prüfung rund 100 mögliche Stationen auf deren Machbarkeit hin ins Auge gefasst. 25 dieser neuen Haltepunkte wurden als sinnvoll erachtet, darunter auch Worms-West. Nach Aussage von Oberbürgermeister Michael Kissel verhandelt die Stadt momentan über die Modalitäten. Wenn die baurechtlichen Hürden und die Finanzierung geregelt sind, so der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Süd (ZSPNV Süd) in einer Pressemitteilung, könnten die neuen Stationen in den kommenden Jahren realisiert werden. Letztmals fand im Herbst 2017 ein Gesprächskreis zwischen Verantwortlichen der Bahn und der Stadt Worms statt. Wenn alles gut läuft, könnte die Vertragsunterzeichnung noch 2018 erfolgen.

    Wohin in Pfiffligheim?

    Die Frage stellt sich jetzt, wohin der Bahnhaltepunkt Worms-West genau soll? Der entscheidende Knackpunkt ist hier, wo ist der Bedarf bzw. das Fahrgastpotential am größten. Wenn man berücksichtigt, dass Passagiere bereit sind, maximal 1.000 Meter zu einer Haltestelle zu laufen, kommen natürlich in erster Linie die rund 3.300 Bewohner von Pfiffligheim in Betracht. Darüber hinaus wäre Worms-West auch für Bürger aus Leiselheim (2.000 Einwohner) oder Hochheim (3.600 Einwohner) interessant, insoweit sie mit dem Rad an die Station fahren. Auch Bewohner des Wormser Westends, des Musikerviertels oder des Brauereiviertels sind hier zu nennen. Eher abwegig ist hingegen die Überlegung, dass Studenten der Hochschule, Künstler der Lucie-Kölsch Musikschule oder Jugendliche des Eleonoren-Gymnasiums den Haltepunkt Worms-West nutzen, denn zu den genannten Bildungseinrichtungen ist es vom Wormser Hauptbahnhof fast genauso weit wie von Worms-West aus. Und warum sollte jemand anstatt vom Hauptbahnhof direkt ins Elo zu laufen noch einmal Umsteigen und nach Worms-West fahren, wenn dies keine Zeitersparnis bringt? Prinzipiell ist es auch so, dass Worms-West weniger für Bürger interessant ist, die in die Innenstadt wollen, sondern eher für Pendler und Reisende gedacht ist, die am Hauptbahnhof umsteigen und Richtung Mainz oder Mannheim wollen.

    Im Zentrum von Pfiffligheim

    Am zweckmäßigsten wäre bei all diese Überlegungen natürlich ein Haltepunkt im Zentrum von Pfiffligheim, etwa am Ende der Droste-Hülshoff-Straße oder der Brunnerstraße. Diesbezüglich gab es vor rund zehn Jahren auch Begehungen und Analysen, die vier mögliche Standorte für Worms-West prüften. Dies waren die Carl-Villinger-, die Brunner-, die Georg-Löwel- und die Droste-Hülshoff-Straße. Trotz der ungünstigeren Lage, was das Potential betraf, entschied sich die Politik für die Carl-Villinger-Straße direkt am Schwimmbad Poseidon. Die Hauptgründe dafür waren wohl, auch wenn dies nur wenige so offen sagen, die Proteste der Anwohner der drei betroffenen Straßen in Pfiffligheim. Die Anwohner befürchteten Lärm und mehr Verkehr in ihrem beschaulichen Wohngebiet. Warum hier nicht der Vorteil gesehen wird, dass man als Anwohner einen schnellen Bahnanschluss direkt vor der Haustür hat, erschließt sich dem Beobachter nicht unbedingt.

    Votum für Carl-Villinger-Straße

    Der Ortsvorsteher von Pfiffligheim, Ernst-Dieter Neidig (SPD), sagte gegenüber dem Nibelungen Kurier, er begrüße eine Bahnstation Worms-West, der Standort solle aber, wie beschlossen, in der Carl-Villinger-Straße sein. Im Gespräch erinnerte er an die Bürgerproteste gegen einen Standort etwa an der Droste-Hülshoff- oder der Brunnerstraße. Zudem führte Ernst-Dieter Neidig aus, dass der Bahnübergang an der Carl-Villinger-Straße vor der Schließung stand, er mit dem Argument, er diene zukünftig auch als Übergang für den Bahnhaltepunkt Worms-West, gerettet werden konnte. Auch Oberbürgermeister Michael Kissel (SPD) sprach sich gegenüber dem NK für den Standort Carl-Villinger-Straße aus, da die alternativ geprüften Standorte in Pfiffligheim durch zu enge Straßen erschlossen werden müssten. Der Wormser SPD-Vorsitzende Jens Guth sagte, dass die Genossen den Standort Droste-Hülshoff-Straße klar ablehnten, da ein Haltepunkt die Wohnqualität in der dortigen Straße mindere. Der CDU-Vorsitzende Adolf Kessel bezeichnete Worms-West als sinnvolle Alternative zum Individualverkehr. Richard Grünewald von den Grünen sieht in Worms-West einen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende in Worms. Da aber nur solche Standorte ein Chance auf Realisierung hätten, für die bereits Vorprüfungen erfolgt sind und die eine gewisse „Planungsreife“ haben, solle der Standort in der Carl-Villinger-Straße rasch realisiert werden, denn ein Umplanen auf einen anderen Standort könnte dazu führen, dass der Haltepunkt ganz gestrichen wird.

    Die Kreise zeigen das Fahrgastpotential der einzelnen Stationen. Der rote Kreis zeigt jenes für eine Haltepunkt in der Brunnerstraße, der grüne jenes für die Carl-Villinger-Straße. Bis maximal 1.000 Meter sind nach Untersuchungen die Menschen bereit, zu einer Station zu laufen. Grafik: Blum

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