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Sa., 31. Oktober 2020, 07:53 Uhr
RHEINDÜRKHEIM: Ehemalige Dressur-Olympiasiegerin bringt sich mit Ehemann Andreas im Vorstand der SG Altrhein ein
Neues Steckenpferd für Nicole Uphoff-Selke
Der neue Vorstand der SG Altrhein wird durch die Eheleute Nicole Uphoff-Selke und Andreas Selke (Mitte) verstärkt. Die beiden Neu-Wormser bringen sich aktiv in ihrer Wahlheimat ein.
VON VERA BEIERSDÖRFER | „Ein Teil meines Hochzeitsgeschenks von Andreas war tatsächlich eine Dauerkarte vom BVB“, schmunzelt die viermalige Olympiasiegerin sowie mehrfache Deutsche-, Europa- und Welt-Meisterin im Dressurreiten Nicole Uphoff-Selke während des Gesprächs mit dem NK. Während Andreas´ Herz schon immer leidenschaftlich für das runde Leder schlug, war Nicole vor der Beziehung eher ein Fußball-Muffel.
Als wir anfingen miteinander auszugehen, so Nicole, bat mich Andreas Mutter: „Schätzchen, mach dem Andreas doch eine Freude und fahr mit ihm zum Spiel nach Dortmund". Die Begeisterung der Reiterin hielt sich in Grenzen, doch ihm zuliebe willigte sie schließlich ein.
„Und was soll ich sagen, kaum hatte ich das Westfalenstadion betreten, wurde ich vom Fußballfieber angesteckt. So oft wie möglich fahren wir zu Heimspielen nach Dortmund und genießen die Stadion-Atmosphäre. Ich kann mir ein Leben ohne Fußball mittlerweile beinahe genauso wenig vorstellen, wie ein Leben ohne Pferde!“
In der neuen Heimat eingebracht
Im Rheinland, Westfalen und Niedersachsen engagiert sich Nicole Uphoff-Selke bereits im zehnten Jahr für die Nachwuchsförderung im Reitsport. Da sie seit Januar 2018 mit ihrer Familie im Wormser Stadtteil Rheindürkheim lebt, war es für sie ein logischer Schritt, sich nun auch hier für junge Talente einzusetzen.
„Wir lieben unser neues Zuhause, wir fühlen uns in Rheinhessen pudelwohl und haben den Umzug nicht eine Sekunde lang bereut. Daher habe ich dieses Jahr erstmals im Rahmen der EQUIVA-Jugendförderung vier Stipendien für Rheinland-Pfalz, Hessen, das Saarland und Luxemburg vergeben“.
Auch abseits vom Dressurreiten bringt sich die Wahl-Wormserin ein und leitete 2019 das Krippenspiel der evangelischen Kirche in Rheindürkheim. „Leider können wir dies aufgrund der aktuellen Corona-Situation nicht wiederholen“, bedauert die zweifache Mutter und hofft auf ein Ende der Pandemie.
Da Fußball das verbindende Glied aller vier Selkes ist, stand schon vor dem Umzug fest, dass Philip und Patrick einem Verein beitreten möchten. Die Wahl war schnell getroffen, beide Sprösslinge kicken seither bei der SG Altrhein.
Wenn Nicole am Wochenende Reitunterricht gibt, lässt sie sich per Live-Ticker über den aktuellen Spielstand der SG Altrhein informieren.
Drei Vereine halten zusammen
„Die SG ist so eine tolle Truppe“, schwärmt Andreas Selke von dem Verein, dem er zunächst zwei Jahre als Trainer beigetreten war und seit der vergangenen Wahl als 1. Vorsitzender die Treue hält. „Als wir 2018 nach Rheindürkheim kamen, wurden wir herzlich aufgenommen. Auch durch den Fußballverein war das Einleben hier ein Leichtes. Offenheit und Zusammenhalt sind die Dinge, die wir an den Menschen hier unglaublich schätzen. Hier bekommt uns keiner mehr weg!“, begeistern sich die Eheleute für das Wormser Umland.
Auch Nicole ist als Beisitzerin Teil des neuen Vorstandes der SG Altrhein. Die Spielgemeinschaft besteht aus den Vereinen TSV Rhenania Rheindürkheim, FC Germania Eich und SV Rheingold Hamm. In sechs Jugend-Mannschaften werden momentan über 100 Spieler von 16 Trainern mit dem Ziel aufgebaut, sie später in den Aktivenmannschaften der drei Heimatvereine einzusetzen.
Verbundenheit und Freundschaft
„Der neue Vorstand hat sich vorgenommen, von der G- bis zur A-Jugend für jeden Jahrgang eine Mannschaft zu stellen“, erklärt der 2. Vorsitzende Stephan Egetenmeir. Da die SG derzeit keine B-Jugend hat, wurden die Spieler der A-Jugend zugeführt.
Dafür gab es wider Erwarten durchweg positives Feedback von den Jungs. „Auch unser Sohn Patrick kommt wieder mit einem Lächeln vom Platz. Nachdem er in der alten Heimat schlechte Erfahrungen mit ein paar Trainern gemacht hatte, ist er jetzt absolut begeistert vom Dreier-Gespann Mathias Lorentz, Daniel Bless und Christopher Röder“, freut sich Nicole Uphoff-Selke.
„Es ist überhaupt toll zu sehen, dass unsere Kinder und Jugendlichen eine solche Verbundenheit zu ihren Heimmannschaften haben“, ergänzt Schriftführer Stefan Bechtel. Lokal-Patriotismus und langjährige Freundschaften sind die meist genannten Motivationen der jungen Fußballer, sich für die SG Altrhein zu entscheiden. Für die Eltern ist der Zusammenhalt der Jungs und Mädchen ebenfalls wichtig.
„Darüber hinaus ist es super, dass die Kids mit dem Rad, zu Fuß oder auch mal in Fahrgemeinschaften das Training in der Nähe erreichen können. Das fördert die Selbstständigkeit meines Sohnes und ich bin froh, nicht immer `Mama-Taxi´ spielen zu müssen“, verdeutlicht eine Mutter.
Neue und alte Pläne
„Der neue Vorstand ist heiß darauf, etwas zu bewegen“, erläutert Andreas und verweist direkt auf die neu gestaltete Homepage www.sgaltrhein.com. Wieder ins Angebot genommen werden sollen Trainingscamps – natürlich mit Blick auf die aktuelle Entwicklung der coronabedingten Einschränkungen. „Außerdem würden wir, sobald es diese wieder gibt, erneut an der Kaufland-Einpack-Aktion teilnehmen.
Dank der Organisation von Joscha Jost hatten die Jungs der B- und C-Jugend dabei riesigen Spaß. Zudem hat es die Sozial-Kompetenz der Jugendlichen gestärkt und ganz nebenbei die Mannschaftskassen aufgebessert“, so der 1. Vorsitzende.
„Ein weiteres Vorhaben ist, unsere bereits lizensierten Trainer weiterzubilden und die ehrenamtlichen Teamchefs zu fördern, die Zertifizierung zu erwerben“, unterstreicht Bechtel. Auch nach dem Generationenwechsel muss nicht auf den Erfahrungsschatz der altverdienten Ehemaligen verzichtet werden.
„Unser großer Dank gilt daher allen vorherigen Vorstandsmitgliedern rund um den damaligen Vorsitzenden Frank Hoffmann. Es ist toll, wie ihr uns unterstütz. So hat beispielsweise die jahrzehntelange Kassenwartin Doris Lovell angeboten, ihre Nachfolgerinnen Alexandra Steppuhn und Michaela Egetenmeir bei Fragen und Anliegen jederzeit zu unterstützen“, schildert Nicole.
So oft es ihr Beruf zulässt, steht die Ausnahmesportlerin am Spielfeldrand und feuert gemeinsam mit den anderen Eltern die heimische Elf an. „Bin ich am Wochenende eingebunden, ist ein häufiger Blick auf den Live-Ticker unerlässlich – das sind meine Reitschülerinnen bereits gewöhnt. Ich fiebere von überall mit der SG Altrhein mit!“