
VON FLORIAN HELFERT Mit Hochdruck und Erfolg haben die Macher der Nibelungen-Festspiele daran gearbeitet, die Uraufführung des Luther-Stückes mit umsichtigen Maßnahmen und einem umfassenden Hygienekonzept möglich zu machen.
Jetzt geht es mit großen Schritten voran: Seit heute probt das Ensemble das neue Stück des Autoren und Büchnerpreisträgers Lukas Bärfuss. „Dafür haben wir sehr, sehr hartnäckig gearbeitet“, berichtete Petra Simon als Künstlerische und Technische Betriebsdirektorin im Gespräch mit dem Nibelungen Kurier vor der ersten Leseprobe. In der Corona-Pandemie unterbrochene Lieferketten oder auch Fragen der Hygiene forderten die Verantwortlichen enorm heraus. „Endlich geht es los“, freut sich Simon über ein ganz besonderes Jahr in der Geschichte der Nibelungen-Festspiele.
„Kultur taut auf“, ist auch Bühnendarstellerin Iringó Réti froh, dass die Kulturbranche nach einer schwierigen Zeit wieder an Fahrt aufnimmt. „Wenn ich an die Geräuschkulisse des Publikums vor unseren Auftritten unter freiem Himmel denke, bin ich heute schon gerührt“, erzählt die zweite Gesprächspartnerin des Nibelungen Kuriers. Und dass sie hoffe, sobald wie möglich das jüdische Erbe der Nibelungenstadt erkunden zu können. In der Probenzeit gelte es jedoch vorerst, das Luther-Stück gemeinsam mit Regisseurin Ildikó Gáspár und Autor Lukas Bärfuss zu verinnerlichen.
Zwischen Machtintrige und Religionskampf
Das Stück „Luther“ inszeniert Bühnenregisseurin Ildikó Gáspár als hochspannende Staatsaffäre zwischen Machtintrige und Religionskampf. Luther selbst steht nicht als Heldenfigur auf der Bühne. Es geht vielmehr darum, wie seine Thesen aufgenommen werden und wie sie andere plötzlich zum Handeln zwingen. „Trotz des historischen Hintergrundes ist es ein sehr modernes Stück“, schwärmt Petra Simon. Ensemblemitglied Iringó Réti pflichtet ihr bei.
„Heute wie damals“, weiß Réti, „spielt Macht eine große Rolle“. Wie trickreich und rücksichtslos Macht von Populisten und Potentaten angestrebt oder genutzt werde, sorge sie als Beobachterin des politischen Weltgeschehens. Mit politischen Dynamiken kennt sich auch die Regisseurin des Luther-Stückes aus – in ihrem Heimatland Ungarn spürt sie derzeit den Einfluss von Staatsmacht bis in ihre Arbeit hinein.
Luther wird so auch ein Stück über Europa, über Gedankenfreiheit, Ohnmacht und Widerstand. Und über uns selbst.