In der beliebten Reihe „Märchen unter dem Kronleuchter“, mit der der Wormser Märchen-und Sagenkreis im Runden Saal des Museums Heylshof stets ganz besondere Hörerlebnisse anbietet, wird gern und oft gelacht. Denn viele Volksmärchen zeichnen sich durch dralle Figuren aus und gehen auch drastischer Komik nicht aus dem Wege. Diesmal freilich hätte es nichts zum Lachen geben dürfen, stand doch das Wormser Haus-Epos auf dem Programm, das Nibelungenlied – kürzlich erst als „Gemetzel“ auf die Festspielbühne gebracht. Doch der Wormser Märchen-und Sagenkreis hatte Hartmut Keil als Gast eingeladen. Und der brillierte mit seiner ganz besonderen Form der „alten Mären“, diese nämlich in Mundart gebracht. Dadurch gab es viel zum Schmunzeln und so manches herzhafte Lachen.
Damit beantwortete Keils Nibelungenlesung eindeutig und höchst praktisch jene Frage, die eben auf dem Symposion der Nibelungenliedgesellschaft höchst theoretisch aufgeworfen worden war, „warum das Nationalepos nicht komisch sein darf“. Selbstverständlich darf das Nationalepos auch komisch sein. Nicht zuletzt, wenn durch die mundartliche Darstellung des Geschehens Hohlheiten und Posen aus sich heraus besonders deutlich werden.
Bei seiner Bearbeitung des umfangreichen Stoffs hat Hartmut Keil sicheres Gespür bewiesen und alles unterlassen, was zu einer Verstrickung in die Fülle des Geschehens hätte führen können. So konnte er sein Publikum angemessen durch die Fährnisse geleiten, die der Dichter seinen Helden zumutet. Dabei bewies er wieder einmal, dass er sich der Mundart nicht nur souverän zu bedienen weiß, sondern diese auch überzeugend zu Gehör bringen kann. So las er seine Texte mit Können, Charme und gelegentlichem Augenzwinkern und durfte sich zu Recht über spontanen und herzlichen Schlussapplaus freuen. Seine literarische Vielfalt hatte er vorher schon auch durch einige Beispiele aus „Max und Moritz“ und dem „Struwwelpeter“ unter Beweis stellen können.
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