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  • So., 18. Februar 2018, 11:46 Uhr
    Volker Gallé verteidigt als 1. Vorsitzender der Nibelungenliedgesellschaft die Festspiele und rechtfertigt die aktuellen Kostensteigerungen

    Nibelungenfestspiele auf „richtigem Kurs“

    Im Zusammenhang mit den Diskussionen um die Erhöhung des städtischen Zuschusses für die Nibelungenfestspiele hat jetzt die Nibelungenliedgesellschaft in einer Pressemitteilung vom 18. Februar dieses Jahres durch seinen Vorsitzender Volker Gallé die Bedeutung der Festspiele unterstrichen. Gallé ist seit 2004 auch Kulturkoordinator der Stadt Worms.

    Die Nibelungenliedgesellschaft wurde vor zwanzig Jahren bewusst im Vorfeld der Nibelungenfestspiele gegründet, erinnert Gallé. Ihre Aufgabe sei die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem hochmittelalterlichen Epos und seiner Rezeption bis in die Gegenwart, die Vermittlung dieser Inhalte an ein interessiertes Publikum sowie die Förderung des nibelungischen Kulturprofils in Worms und hier vor allem des Nibelungenmuseums und der Nibelungenfestspiele.

    Die erste Tagung im Herbst 1998 habe sich der Rezeption des Stoffs gewidmet und dabei vor allem den nationalistischen Missbrauch, auch vor Ort in Worms, aufgearbeitet, so der Vorsitzende.

    Dies sei bis heute ein wichtiges Thema bei zehn wissenschaftlichen Tagungen, die alle mit Tagungsbänden dokumentiert seien, und Dutzenden von Vorträgen, u.a. während der Festspiele, sowie bei vielen künstlerischen Vermittlungsprogrammen gewesen. Aber ebenso wichtig wie die „Beschäftigung mit der Rezeption, war immer auch die Vermittlung des Epos aus der Stauferzeit bis hin zu Sprachkursen in Mittelhochdeutsch“.

    Entwicklung zum Nationalepos eine „Schnapsidee“
    Dabei sei stets deutlich geworden, dass es eine Schnapsidee des deutschen Nationalismus war, ausgerechnet ein Epos, das zeigt, wie man es nicht machen soll und sich durch Gewalt und Verrat selbst in den Untergang bringt, zum Nationalepos machen zu wollen. Auch heute noch kann der Stoff der Gesellschaft den Spiegel vorhalten und warnen vor persönlichem und völkischem Größenwahn.

    „Das ist es, was alle Festspielinszenierungen seit 2002 in unterschiedlicher Weise versucht haben, sei es die erfolglose Rebellion von Kriemhild und Giselher bei Moritz Rinke, die aus Ohnmacht erwachsene Rachewut der Frauen in den Hebbelinszenierungen von Karin Beier oder die Beschreibung filmspezifischer Machtverhältnisse bei Albert Ostermaier“, unterstreicht Volker Gallé.

    Dass das Publikum und die Presse jede einzelne Inszenierung kontrovers debattiere, sei laut Gallé nicht nur erwünscht, sondern zeige die starke Wirkung der Festspielarbeit. Im Leitbild sei es beschlossene Sache, „den Stoff immer wieder neu zu bearbeiten. Und das ist auch genau das Programm der aktuellen künstlerischen Leitung“.

    Im 1997 vom Stadtrat beschlossenen Konzept für die Festspiele sei all das bereits vorgesehen gewesen. Als Budget wurden damals drei Millionen Euro (von DM umgerechnet auf Euro) geschätzt. Dass die Festspiele nach über fünfzehn Jahren mehr kosten, sei auf übliche Preissteigerungen (z.B. bei tariflichen Personalkosten) und auf gestiegene Anforderungen, u.a. im Schallschutz und bei der Sicherheit zurückzuführen, kontert Gallé die Kritik an der Kostensteigerung. Dem stehe gegenüber, dass knapp die Hälfte der Einnahmen (Landesförderung, Spenden, Sponsoren, Eintritt) ohne die Durchführung der Festspiele gar nicht nach Worms flössen. würden.

    Der anderen Hälfte, die von der Stadt finanziert werde, stünden zum Einen „Einnahmen in den kulturtouristisch relevanten Bereichen der städtischen Wirtschaft wie Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel und Kreativwirtschaft gegenüber“, zum Anderen ein „Mehrwert an bundesweitem Stadtmarketing durch die kostenfreie redaktionelle Berichterstattung“.

    Stadt entwickelt sich p„rofessionell und kompetent weiter“
    Die Stadt Worms entwickele so auf der Basis ihrer Kulturprofile (Nibelungen, Dom, Luther, SchUM) eine entscheidende Zukunftsoption, nämlich den Kulturtourismus, professionell und kompetent weiter, zeigt sich Volker Gallé sicher.

    Eine Entwicklungssperre für die Festspiele oder ein mehrjähriger Turnus oder aber gar ein Ende würde diesen erfolgreichen und anerkannten Prozess stoppen und der Stadt großen Schaden zufügen, steht für Gallé fest. Die Kultur- und Tourismuswirtschaft würde gegen Null gedreht, der von Außen kommende Anteil des Festspielbudgets (Landesförderung, Spenden, Sponsoren, Eintritte) könnte keineswegs für andere Aufgaben, z.B. im Bildungsbereich verwendet werden – sie würden einfach entfallen.

    Im Windschatten der Festspiele habe sich zudem die „kulturelle Bildung in Worms enorm entwickelt“, von Jugendtheatergruppen angefangen über die Jugendkunstakademie bis hin zur Vermittlungsarbeit der Museen.

    Die Nibelungenliedgesellschaft wirke hier vielerorts aktiv mit und arbeite auch immer wieder mit Schulen zusammen, so der 1. Vorsitzende. Insofern „unterstützt sie auch alle Bemühungen, die Wormser Schulen gut auszustatten“. Das aber müsse durch gemeinsame Anstrengungen von Stadt, Land und Bund im Bereich der Schulbildung geschehen und nicht auf Kosten der Kultur, schließt Volker Gallé.

    Alexandra Kamp bei den Nibelungen Festspielen im Jahr 2017.

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