Mi., 21. Juni 2023, 14:22 Uhr
WORMS: Am 30. Juni endet die Frist der Nachfragebündelung für den Glasfaserausbau der Stadtteile
Nicht den Anschluss verpassen!
Den dringend benötigten Arzt nicht erreichen können, an Meetings nicht mehr teilnehmen können, weiter sterbender Einzelhandel, immer mehr Leerstände: So könnte die nähere Zukunft für Worms aussehen, wenn es der Stadt jetzt nicht gelingt, den Glasfaserausbau umzusetzen. Denn, und da liegen die meisten Prognosen recht nah beieinander: Den Gang zum Arzt wird es in der Zukunft immer seltener geben – stattdessen bieten zahlreiche Ärzte bereits heute Online-Beratungen bzw. -Sprechstunden an. Auch viele „elektronische Helfer“ (Notfallknopf etc.) in der Pflege nutzen das Internet und spielen bei älteren oder mobil eingeschränkten Menschen eine immer größere Rolle.
Die Kommunikation wird ohnehin immer weiter digitalisiert – die Pandemie war hier lediglich ein „Beschleuniger“. Dass (internationale) Meetings zunehmend digital stattfinden, ist längst Realität geworden – auch in der Post-Covid-Zeit. Und auch ältere Menschen haben den digitalen Austausch mit Kindern und Enkelkindern, speziell wenn sie weiter weg leben, längst zu schätzen gelernt. Sollte Worms der Anschluss an das Glasfasernetz nicht gelingen, wird dies Konsequenzen für die gesamte Stadt haben, denn jüngere Menschen ziehen eher dorthin, wo sie eine gute, moderne Infrastruktur vorfinden. Gerade in jungen Familien spielt das Internet eine nicht zu unterschätzende Rolle. Neben den üblichen Geräten wie PC, Laptop, Tablet und Smartphone sind auch die meisten TV-Geräte mit dem Internet verbunden. Doch nicht nur bei der Freizeitgestaltung spielt die Technik eine wesentliche Rolle, sondern eben auch beim Arbeiten und Lernen. Der Wegzug bzw. mangelnde Zuzug jüngerer Menschen wiederum wirkt sich natürlich auch auf den gesamten Einzelhandel aus, der auf Kundschaft angewiesen ist. Hier geht es jedoch nicht nur um die ohnehin angeschlagenen Händler in der Innenstadt, sondern eben auch um Dienstleister, die uns derzeit noch selbstverständlich erscheinen, nämlich Bäcker, Lieferdienste, Optiker etc.
Worms deutlich abgeschlagen
Fakt ist: Im Hinblick auf das Thema Glasfaser ist Worms momentan deutlich abgeschlagen. Derzeit verfügen 58,2 Prozent aller Haushalte in Rheinland-Pfalz über einen Glasfaseranschluss. In Worms sind es lediglich 0,2 Prozent. Im Umland, etwa im Landkreis Alzey-Worms, wird der Glasfaserausbau derzeit forciert. Die Stadt Worms, die gleich zu zwei Metropolregionen gehört (Rhein-Main und Rhein-Neckar) kann künftig nicht konkurrenzfähig mit anderen Kommunen bleiben, wenn es in Sachen Glasfaser nicht vorangeht.
Warum diese etwas dystopische Perspektive? Im Moment bietet sich den Wormser Stadtteilen die große Möglichkeit, an das Glasfasernetz angeschlossen zu werden und somit die Standortattraktivität zu steigern. Doch am Ende könnte das Vorhaben an der Nachfrage scheitern. 33 Prozent sind erforderlich, damit der Anbieter sein Vorhaben tatsächlich umsetzen kann; Stand heute kann dieser Wert nur in wenigen Stadtteilen erreicht werden. Die Nachfragebündelung läuft noch bis 30. Juni. Vor diesem Hintergrund erscheint es unrealistisch, dass in den nächsten Jahren ein anderer Anbieter Interesse bekundet. Interessierte Bürger müssten sich somit auf eigene Kosten einen Glasfaseranschluss legen lassen.
Auch wer mit der Geschwindigkeit seines Internetanschlusses aktuell noch zufrieden ist, sollte die zukünftige Entwicklung mitbedenken. Seit den Einschränkungen der Corona-Pandemie sind 95 Prozent der Deutschen im Internet. Mit den Teilnehmern steigt der Bandbreitenbedarf (die Menge an Daten, die über das Netzwerk, z.B. das Internet, in einer bestimmten Zeitspanne übertragen werden können). Statista, das renommierte Statistikportal, erhebt diese Daten. In Deutschland stieg das Datenvolumen im Zeitraum eines Jahres (2020 auf 2021) um 40 Prozent. Einer Berechnung zufolge wird die Bandbreitennachfrage bei Privatkunden bereits im Jahre 2027, also in nur vier Jahren, im Durchschnitt bei 844 Mbit/s liegen. Solche Werte lassen sich nur durch einen Glasfaseranschluss erreichen.
Ein Glasfaseranschluss lohnt sich für Immobilieneigentümer deshalb eigentlich immer, trägt er doch in der heutigen Zeit nicht unwesentlich zu einer Wertsteigerung bei.