Riedbahnsperrung: Als Vorsitzender des Zweckverbandes ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd sieht Landrat Dr. Fritz Brechtel das Verhalten der DB kritisch
„Nicht wirklich zufriedenstellend“
Ein S-Bahn-Zug im Ludwigshafener Hauptbahnhof. Foto: Fritz Engbarth
Als „nicht wirklich zufriedenstellend“ bewertet der Vorsitzende des Zweckverbandes ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd, Landrat Dr. Fritz Brechtel die Antwort der Deutschen Bahn auf sein Schreiben vom 14. November zum eklatanten Personalmangel in der Pfalz. Neben wenigen, in Teilen nachvollziehbaren Hinweisen auf die konkrete Situation am prekären Wochenende Ende Oktober, als in Ludwigshafen an der wichtigsten Schnittstelle im pfälzischen Bahnverkehr kaum ein Zug fahren konnte und einer expliziten Entschuldigung für diese Situation, antworte die Deutsche Bahn im Wesentlichen mit allgemeinen Ausführungen zur Ausbildungssituation in der Eisenbahnbranche. „Das muss man uns nicht erklären, diese Zusammenhänge sind uns bekannt“, kommentiert Dr. Brechtel.
Bemühen erkennbar
Es sei, so der Verbandsvorsteher, durchaus das Bemühen erkennbar, den Personalbestand deutlich aufzustocken. Wie die DB mitteilt, würden für die bis an den Hochrhein reichende Region „bundesweit die meisten Einstellungen geplant und umgesetzt“, so die DB wörtlich. Sie sei „sicher, dass diese Maßnahmen die Situation u.a auch in den Stellwerken in Ludwigshafen und Neustadt/Weinstraße entspannen werden“.
Und hier setzt die Kritik des ZÖPNV an: „Wir haben Ludwigshafen und das für die Pfalz und Rheinhessen so zentrale Stellwerk in Neustadt nicht einfach erwähnt, sondern explizit auf die dortigen Nöte hingewiesen. Wir haben gefragt nach den Versprechen, die uns gemacht wurden, als die Funktionen der personalintensiven Altstellwerke in Speyer, Germersheim und Wörth auf das nun für diese drei Bahnhöfe zuständige zentrale elektronische Stellwerk übergangen sind. Es gab die klare Zusicherung, dass ein Teil der freiwerdenden Personale z.B. nach Ludwigshafen umgesetzt werden. Leider ist die Deutsche Bahn mit keinem Wort darauf eingegangen.“
Personalmisere überwinden
„Aus zahlreichen Gesprächen mit den regional verantwortlichen Leitern bei DB Regio und DB Netz haben wir die vielfältigen Bemühungen erfahren, um das Arbeitsumfeld zu verbessern. Das Image des Berufsbildes Eisenbahnerin und Eisenbahner leidet auch unter der schlechten Qualität. Dies betrifft das Arbeitsumfeld wie die Räumlichkeiten, aber auch das kollegiale Miteinander. Hierauf geht die DB in ihrem Antwortschreiben leider nicht ein: Aber aus unseren jüngsten Gesprächen mit den regional Verantwortlichen wissen wir, dass die Probleme erkannt sind und echte Verbesserungen angestrebt werden. Wir als Aufgabenträger im SPNV wollen dazu beitragen, dass sich junge Menschen für die Bahn interessieren und sich für das Fahren von Zügen und das Arbeit in den Stellwerken begeistern können“, macht der Verbandsvorsteher deutlich.
Personalengpass bei Riedbahnsperrung vermeiden
Auch die besondere Situation bei der Riedbahnsperrung und den damit nötigen Umleitungen hatte Dr. Brechtel in seinem Schreiben angesprochen. „Zumindest in diesem Punkt scheint es bei der DB angekommen zu sein, dass es einen erneuten Ausfall von Ludwigshafen in 2024 nicht geben darf“, so die Einschätzung des Landrats. Die DB teilt mit, dass man der „adäquaten Personalbesetzung der Stellwerke im Zuge der Riedbahnsanierung größte Aufmerksamkeit“ widme. Sie habe die Schichtplanung für die Umleiterstrecken mit Zielrichtung Qualität und Robustheit gestaltet, die Urlaubs- und Ausbildungsplanung entsprechend angepasst, nutze an anderer Stelle freiwerdende Kapazitäten und habe schließlich Neueinstellungen im Jahr 2023 so ausgerichtet, dass ausreichend Kapazitäten nachwachsen, erläutert sie ihre Vorsorge. „In Summe gehen wir also davon aus, gut auf die außerordentlich anspruchsvolle Situation während der Riedbahnsperrung vorbereitet zu sein“, teilt das Bundesunternehmen in seiner Antwort wörtlich mit.
Nahverkehrsangebote werden eingeschränkt
„Ab dem 2. Januar gilt es: Die Nahverkehrsangebote werden eingeschränkt, der Rhein-Neckar-Raum ist von Norden her drei Wochen lang nur über Darmstadt und Worms – Ludwigshafen erreichbar. Die Besetzung der Stellwerke von Ludwigshafen und Mannheim, aber auch der weiteren Bahnhöfe bis nach Mainz wie zum Beispiel von Frankenthal und Worms auf der rheinland-pfälzischen Seite muss beim DB-Vorstand im Fokus sein. Wir hoffen, diese Botschaft ist bei Dr. Lutz angekommen“, macht Dr. Fritz Brechtel seine Erwartung abschließend deutlich.