Do., 24.09.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Fr., 26. Juni 2015, 17:11 Uhr
    Mitgliederversammlung von »Unser Hochstift braucht Freunde« diskutierte die Zukunft des Krankenhauses

    Noch zwei, drei Jahre, dann ist Schluss

    Mitgliederversammlung. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Der Förderverein „Unser Hochstift braucht Freunde“ hatte für Donnerstagabend zu seiner Mitgliederversammlung eingeladen. Von den insgesamt 228 Mitgliedern waren 47 in dem Saal des Wormser Traditionshauses erschienen. Neben einigen protokollarischen Dingen ging es im Schwerpunkt um die Zukunft der Wormser Einrichtung. Die 1. Vorsitzende des Vereins, Kathrin Anklam-Trapp, schilderte dazu die aktuelle Sachlage. So habe sich der Verein vor einem Jahr aus Sorge um die Zukunft des Hauses gegründet. Nach der Ablehnung der Fusion mit dem Klinikum durch das Bundeskartellamt im Jahr 2012 stand das Hochstift vor dem Aus. Für die weitere Fortführung hätte der Konzern große Investitionssummen in die Hand nehmen müssen. Agaplesion habe jedoch nicht mal einen Förderantrag an das Land gestellt, um Zuschüsse zu erhalten. Die Unruhe unter den Mitarbeitern sei immer größer geworden.

    Keine Alternative

    Oberbürgermeister Michael Kissel schilderte die Situation am Donnerstag mit noch drastischeren Worten. So sei das Hochstift bereits 2011 in eine finanzielle Schieflage geraten, wie so viele kleine „Häuser“ in Deutschland. Nach 2012 sei die Situation noch schlimmer geworden. Bei einem Umsatz von 15 Millionen Euro im Jahr würde das Hochstift einen jährlichen Verlust von rund zwei Millionen Euro aufweisen. Darüber hinaus hätte der Agaplesion Konzern rund 30 Millionen Euro in die Bausubstanz investieren müssen. Aber weder der Träger, noch das Land waren dazu bereit, so der Stadtchef. Die Verantwortlichen des Agaplesions hätten daher das Gespräch mit ihm, Oberbürgermeister Michael Kissel, gesucht und eindeutig erklärt: „Wenn das Klinikum das Hochstift nicht übernimmt, wird es geschlossen.“ Das Klinikum habe die Übernahme dann unter drei Voraussetzung geprüft: 1) Die medizinische Versorgung von Worms sichern, 2) Die Arbeitsplätze der Hochstift-Mitarbeiter erhalten und 3) Die Wirtschaftlichkeit des Klinikums gewährleisten. Schließlich habe das Klinikum, dessen Aufsichtsratsvorsitzender er ist, der Übernahme zugestimmt. Nachdem das Kartellamt ebenfalls grünes Licht gab, wurde das Hochstift im April 2014 vom Klinikum übernommen. Was bedeutet, auch fast alle 300 Arbeitsplätze konnten erhalten werden und damit medizinisches Fachpersonal an Worms gebunden werden. Das Klinikum hatte bis zum April 2015 einen Personalbestand von 1.500 Beschäftigten.

    Wie geht es weiter?

    Die große Frage am Donnerstagabend war nun, wie geht es mit dem Hochstift weiter? Eines dürfte klar sein, ein Klinikum an zwei Standorten, also auf der Herrnsheimer Höhe und im Hochstift wird es langfristig nicht geben. Dies machte auch OB Kissel am Donnerstag deutlich. Dazu seien Doppelstrukturen zu teuer. Sukzessive werde daher die Verlagerung der Abteilungen des Hochstiftes mit zurzeit noch 140 Betten ins Klinikum erfolgen, wo momentan 555 Betten vorhanden sind. Zumal auf der Herrnsheimer Höhe gerade ein Mutter-Kind-Zentrum für 30 Millionen Euro gebaut werde, das noch einmal 170 Betten haben wird. Die Inbetriebnahme erster Abteilungen des Mutter-Kind-Zentrums ist für Sommer 2016 geplant. Das Hochstift wird also noch rund zwei oder drei Jahre als Krankenhaus dienen, dann ist am Willy-Brand-Ring endgültig Schluss. Doch was kommt dann? Kathrin Anklam-Trapp stellte dazu einige Gedankenmodelle vor. So sei ein Hospiz vorstellbar, genauso wie ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), ähnlich wie das Ärztehaus im Liebenauer Feld. Auch eine Tagespflegeeinrichtung, ein Diagnostik-Zentrum oder eine Reha-Station sei vorstellbar. Kathrin Anklam-Trapp werde für solch ein Objekt kämpfen. Ob sich diese Vorstellungen allerdings realisieren lassen, bleibt abzuwarten. Alles hängt hier natürlich von der Finanzierbarkeit ab. So kann es auch leicht passieren, dass in einigen Jahren auf dem Areal des Hochstiftes etwas ganz anderes entsteht. Nach einem Abriss der Gebäude könnte hier zum Beispiel ein großes Hotel entstehen oder die Fläche für Wohnhäuser genutzt werden, denn eines ist klar, es handelt sich um ein innerstädtisches Filetstück, es muss nur ein Investor auf den Plan treten, dann kann alles schneller gehen als gedacht.

    Wehmut

    Es herrscht nun natürlich Wehmut über das Ende des Hochstifts, aber die Entwicklung ist unaufhaltsam und war aus wirtschaftlichen Gründen wohl auch nicht anders machbar. Was aus dem Verein „Unser Hochstift braucht Freunde“ langfristig werden wird, ist offen. „Noch werden wir gebraucht“, so Katrin Anklam-Trapp abschließend.

    Beitrag aus der Rubrik

    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige Tip SüdhessenAnzeige das Wormser
    Anzeige TicketshopAnzeige GABOAnzeige Amtsblatt