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  • Mo., 14. November 2016, 17:58 Uhr
    Themen, aber auch Verskonstruktionen: Wormser Philosophieprofessor Richard Wisser als veritabler Dichter

    Nur die Sprache kann schweigen

    Seit ein paar Jahren bringt Wolfgang Hager in seinem Verlag die „ZEITschrift“ heraus, ein stets mit Interesse erwartetes, höchst ambitioniertes Periodikum, in dem regelmäßig auch Richard Wisser das Wort ergreift. Hier kann man den Wormser Philosophieprofessor einmal von einer ganz anderen Seite erleben, als veritablen Dichter nämlich. Da er die Arbeit mit freien Rhythmen ebenso beherrscht wie die mit dem gebundenen Reim, versucht er immer wieder auch die Aussage seiner Texte nicht nur durch den Inhalt, sondern auch von der Form her zu präzisieren. Das beginnt diesmal schon mit dem ersten Text, der den bezeichnenden Titel trägt: „Wartende sind wir“.  Und es ist nur konsequent, wenn der Dichter eine doppeldeutige Warnung an das Ende seiner Kollektion stellt: „Keinen Sinn missachten“

    Dazwischen das volle Programm.  An Themen, aber auch an Verskonstruktionen. Für den Leser aber immer wieder von besonderem Interesse das rückhaltlose, von keinerlei Verzierung verstellte Fragen: „Im Zeitlosen gibt es kein Enden, und offen zu ihm ist das Tor. Wer nachdenkt, beginnt sich zu fragen, weswegen dies alles, warum? Und zwingt er sich Antwort zu wagen, er steht vor der Wand, reichlich dumm. Vielleicht wird, wer umkehrt es richten,  es gibt so viel Gutes zu tun, im Kleinen, im Großen zu schlichten, bevor wir im Frieden selbst ruhn.“

    Hier werden die Leser mitnichten ins Ungeheure oder gar Titanische verwiesen, wie es der Idealismus einst getan. Nein, hier ist die Alltagssituation, die bestanden werden will, deren Bestehen letztlich über das Gelingen einer Existenz entscheidet. So einfach die Fragen manchmal auch einher kommen, stets geht es Wisser um Sprache und Sinn. „Verspricht sich die Frage?“ fragt er. Tut sie natürlich nicht. Aber nur, wenn man so konsequent an ihr bleibt, wie Richard Wisser. INFO: Richard Wisser: „Besinnliche Aspekte in Gedichten“ in „Das letzte Wort“, „ZEITschrift“ 2016, Wolfgang Hager Verlag, A-8852 Stolzalpe 70, ISBN 978-3-903111-14-1.

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