Ausstellung von Briefmarkensammlern und Stadtarchiv noch bis 9. Juli im Raschihaus
„O schöne Stunden, wenn die Feldpost naht“
Authentische Zeitzeugnisse aus privatem Besitz und Stadtarchiv zeigt die Ausstellung „Feldpost im 1. Weltkrieg“ noch bis 9. Juli im Raschihaus. Zur Eröffnung sprachen Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek, Dr. Gerold Bönnen (Bild) und Markus Holzmann vom Briefmarkensammlerverein Worms e.V. Foto: Regina Urbach
VON REGINA URBACH Sehr persönlich präsentiert sich die Ausstellung „Feldpost im 1. Weltkrieg“ nach den vielen Veranstaltungen zu den Weltkriegen der letzten Monate. Existenzielle menschliche Hoffnung und Verzweiflung gerinnen auf den Postkarten zu dürren Zweizeilern, oft in krassem Gegensatz zum Propagandamotiv der Rückseite. Neben zum Teil bekannten Abbildungen wie der „Verprügelung“ Europas durch einen deutschen Pickelhaubenträger („Nur nicht drängeln, es kommen alle noch dran“) waren auch brav zuhause wartende Ehefrauen oder von Kindern umschwärmte Soldaten beliebte Motive.
Umso ernüchternder dann die Soldatenbotschaften. „Schenkeldurchschuss“, heißt es da zackig, oder „lebt alle wohl”. Aus manchen der transkribierten Texte will fast hervorbrechen, was in ihnen NICHT gesagt wird. Vieles oder gar nichts kann man sich etwa denken, wenn es aus der Heimat heißt: „Hier alles beim Alten“ oder „Seit dem 17. keine Nachricht von Dir. Denke, dass es Dir noch immer gut geht, was ich auch von mir und den gesamten Familien mitteilen kann.“
Aus dem Lazarett kommen Sätze wie „bald geht es mit dem Schreiben auch wieder besser“, aber auch „Lieber Freund, meine letzte Karte schätze ich in Deinem Besitz …“. Auch Karten von Ludwig von Heyl, Vater von Elisabeth Klee, und Rudi Stephan enthielt die Sammlung, ebenso französischsprachige und andere aus dem Kriegsgefangenenlager Pfiffligheim.
Zu den liebevoll aufbereiteten und gut sortierten Karten des Briefmarkensammlervereins aus dem Besitz von Emil Graf und Markus Holzmann gesellte auch das Stadtarchiv eine im letzten Jahr erworbene Sammlung. Die Zusammenarbeit privater Initiativen mit der Stadt lobte zur Eröffnung Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek ausdrücklich. Für den Verein strich Markus Holzmann die Bedeutung der Feldpost als authentische Quelle hervor.
Stadtarchivleiter Dr. Gerold Bönnen lud die interessierten, teils sehr bewegten Gäste zu Gesprächen bei einem kleinen Umtrunk ein und stand für Fragen zur Verfügung. Während der Wormser Kulturnacht ist übrigens die Deutsche Post mit einer Sonderpostfiliale und einem Sonderstempel von 19 bis 22 Uhr im Stadtarchiv vor Ort. Der Briefmarkenverein Worms bietet dazu einen passenden Plusbrief an (Informationen bei Ernst Holzmann, briefmarken-worms@t-online.de oder bei stadtarchiv@worms.de. Die Ausstellung ist noch bis 9. Juli zu den Öffnungszeiten des Raschihauses zu sehen.