Stichwahl am 18. November erforderlich / Kessel (CDU) deutlich vor Kissel (SPD) / Kissel knapp vor Englert (Unabhängiger Kandidat)/ Grünewald (DIE GRÜNEN) auf Platz 4, dann Artelt (FDP) und Gräff (LINKE) / Geringe Wahlbeteiligung
OB-Wahl in Worms: Adolf Kessel Sieger des Abends
VON STEFFEN HEUMANN Nach der Auszählung der 76 Stimmbezirke und Briefwähler lagen am Sonntagabend kurz nach 19 Uhr die Fakten mit dem vorläufigen Wahlergebnis auf dem Tisch. Es kommt, wie vielfach prognostiziert, am 18. November zu einer Stichwahl zwischen Adolf Kessel (CDU) und Michael Kissel (SPD). An sich keine Überraschung. Der Blick auf die Zahlen gibt jedoch Aufschluss über die Dramatik am Wahlabend.
Amtsinhaber Michael Kissel erzielte nur 21,9 Prozent der Stimmen, während Adolf Kessel mit 30,7 Prozent einen mehr als deutlichen Etappensieg erringen konnte. Damit scheint ein Machtwechsel im Rathaus in greifbarer Nähe. Kissel steht mit dem Rücken zur Wand und konnte den Einzug in die Stichwahl gegen Peter Englert (20,5 Prozent) als unabhängigen Kandidaten nur um ganze 421 Stimmen behaupten. Allerdings verwies der „politische Grünschnabel“ Englert sogar Richard Grünewald auf die Plätze.
Der Bewerber von Bündnis90/DieGrünen, der durchaus mit dem Erreichen der Stichwahl kokettierte, konnte nur 5.483 Stimmen (18,9 Prozent) auf sich vereinen. Ricarda Artelt, einzige Bewerberin um den Chefposten, spielte für die Liberalen 6,6 Prozent, das sind 1.915 Stimmen, ein. Ein Achtungserfolg für die Nicht-Wormserin. Mit 388 Wahlstimmen und einem Anteil von 1,3 Prozent, musste sich Georg Gräff, Die Linke, begnügen, der zwar Sympathiepunkte einstreichen darf, aber nicht an seinen Vorgänger im OB-Wahlkampf 2011, Sebastian Knopf (941 Stimmen/2,8 Prozent) rankam.
Interesse an OB-Wahl rückläufig
Trotz der Bedeutung, schien die OB-Wahl bei den 64.037 Wahlberechtigten in Worms nur von geringem Interesse zu sein. Nur 29.226 Wahlscheine wurden abgegeben, davon waren 28.954 Stimmen (inklusive Briefwähler) gültig. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 45,6 Prozent, während 2011 noch 54,9 Prozent der Wahlberechtigten vom Gang zur Urne Gebrauch gemacht hatten. Sofern der Wähler nicht mobilisiert werden kann, dürfte sich bei der Stichwahl am 18. November ein noch geringeres Wahlinteresse einstellen.
Für den in Worms wohnhaften Politikwissenschaftler Professor Karl-Rudolf Korte wirft die Wahlbeteiligung Fragen auf, da die Wahlen, wie nicht zuletzt in Hessen, einem anderen Trend aufgezeigt hätten. Wahlleiter Hans-Joachim Kosubek zeigte sich ebenfalls enttäuscht von dem Echo, dass die Wahl bei den Bürgern gefunden hat. „Scheinbar interessieren sich immer weniger Menschen für kommunale Politik“, schlussfolgerte Kosubek, der mit Ausnahme der Ergebnisse von einem „Wahlabend ohne besondere Vorkommnisse sprach“.
Reaktionen der Kandidaten „Ich werfe die Flinte nicht ins Korn“, zeigte sich Michael Kissel sichtlich betroffen vom Ausgang der Wahl. „Ein ernüchterndes Ergebnis, dass ich demütig zur Kenntnis nehme“, so OB Kissel über sein schlechtes Abschneiden. Er müsse jetzt bis zur Stichwahl noch eine Schippe drauflegen, werde aber mit ganzer Überzeugungskraft für den Erfolg kämpfen. Adolf Kessel habe ein respektables Resultat erzielt und Peter Englert die OB-Wahl aufgemischt, erklärte Kissel. Auch die Grünen lägen voll im Trend, betonte Michael Kissel, der in der verbleibenden Zeit bis zur Stichwahl zeigen möchte, dass er sowohl für jüngere Wähler als auch für Grüne-Stammwähler Perspektiven bieten könne. Auf den Merkel-Effekt angesprochen, verneinte Michael Kissel, dass sich ein solcher in Worms ausgewirkt habe, allerdings wisse er wohl, dass er sich in über 15 Amtsjahren nicht nur Freunde gemacht habe. Dieses Signal, habe er aber durchaus verstanden.
Wahlleiter Hans-Joachim Kosubek bei der Verkündigung des vorläufigen amtlichen Endergebnisses. Foto: Robert Lehr