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  • So., 06. Oktober 2013, 13:13 Uhr
    Vortrag und Diskussion mit Dr. Helga Rau vom Zentrum Ökumen

    Öko-faire Ernährung im Weltcafé

    „Was hat mein Ernährungs- und Konsumverhalten mit den Ländern im Süden zu tun?“ Dieser Frage ging das Weltcafé im Kanal 70 in Zusammenarbeit mit dem International Student Office (ISO) der Fachhochschule Worms nach. Gleich sieben Faktoren des deutschen Konsumverhaltens, die sich auf die Ernährungssituation auf der südlichen Erdhalbkugel auswirken, nannte die Referentin Dr. Helga Rau.

    Ganz aktuell startete sie mit dem Faktor „Fleischkonsum“. Der soeben erschienene „Fleischatlas“ zeigt, dass die Deutschen im Durchschnitt rund 70 kg Fleisch pro Kopf und Jahr verbrauchen. Um diese Nachfrage zu erfüllen, ist die Massentierhaltung unvermeidbar. Diese wiederum bedeutet, dass die Tiere ganz eng gehalten werden und dadurch viel Stress entwickeln. Um diese Tiere zu füttern, werden riesige Mengen an Getreide, Wasser und Boden benötigt – Ressourcen, die beispielsweise in Lateinamerika der Lebensmittelherstellung für die Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung stehen.

    Die Ernährungswissenschaftlerin, die mehrere Jahre in Afrika gearbeitet hat, wies zweitens auf die Überfischung der Meere hin. „Fisch hat bei uns sehr an Beliebtheit gewonnen, entsprechend ist der Konsum gestiegen. Große Fangflotten lassen Küstenfischer arbeitslos werden, den lokalen Märkten fehlt ein Nahrungsmittel mehr.“

    Als weitere Faktoren nannte sie den Klimawandel und Kleidungsverbrauch.

    „Essen im Eimer“ bezieht sich auf die große Menge an Nahrungsmitteln, die jährlich weggeworfen werden. Schließlich zeigte sie am konkreten Beispiel „Salat mit Hühnerbruststreifen“, wie unfaire Bedingungen im Welthandel die Hühnerfleischproduktion und Lebensmittelsicherheit in Westafrika stören, wenn dort europäische Reste viel billiger als die heimische Produktion angeboten werden. An dieser Stelle konnte sie aber auch auf einen Erfolg hinweisen: zumindest in Kamerun dürfen europäische Hähnchenreste nicht mehr importiert werden.

    Lösungsvorschläge für die südlichen Länder liegen etwa in Investitionen in kleinbäuerliche Betriebe und Bildung von Frauen. Auch hier konnte die Beauftragte für Entwicklung und kirchliche Partnerschaft mit Afrika vom Zentrum Ökumene in Frankfurt auf Erfolge verweisen.

    Aufgeschlossen und interessiert diskutierten die Teilnehmenden mit Dr. Rau, wie das hiesige, eigene Konsumverhalten verändert und verträglicher werden könnte. Leitfragen waren: Was brauche ich? Und was will ich? Dem entspricht die Entscheidung zum Verzicht auf Überflüssiges. Auf regionale und saisonale Ernährung zielen die Fragen nach dem wo und wann des Kaufs. Bei der Frage „Was kostet es?“ auch die Auswirkungen der Kaufentscheidung auf andere zu bedenken bedeutet, global zu denken und lokal zu handeln.

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