Di., 29.09.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Di., 21. März 2017, 23:53 Uhr
    Zum heutigen „Tag der Kriminalitätsopfer“ war der NK im Gespräch mit Jürgen Hecker, ehrenamtlich aktiv beim WEISSEN RING e. V.

    Opfern in Notlagen wirksam Hilfe leisten

    Gerade Fälle von häuslicher Gewalt beschäftigen die Mitarbeiter des WEISSEN RINGES e.V.Foto: Fotolia.com/silentalex88


    VON ROBERT LEHR | „Sehr erfüllend” sei diese ehrenamtliche Arbeit, fasst Jürgen Hecker knapp und zufrieden seine ersten beiden Jahre für den WEISSEN RING e. V. zusammen. 2014 wurde der agile Pensionär aus Saulheim auf den Opferhilfeverein aufmerksam, da dieser – auch gerade heute am „Tag der Kriminalitätsopfer“ – auf der Suche nach weiteren Helfern war. So groß ist der Bedarf an Menschen, die bereit sind, anderen Menschen wirksam zur Seite zu stehen, wurden diese Opfer eines Verbrechens.

    100 Fälle in 2 Jahren!
    Nach zwei obligatorischen Ausbildungen und freiwilligen Seminaren war Jürgen Hecker in bereits rd. 100 Fällen tätig und ist heute fester Bestandteil im achtköpfigen Team des WEISSEN RINGES e. V., Außenstelle Worms und Landkreis Worms-Alzey. Seit rd. 2 Jahren wird diese vom ehemaligen Polizeibeamten Peter Höding geleitet. 

    Gerade zum heutigen „Tag der Kriminalitätsopfer“ möchte dieser erneut das Interesse an der wichtigen Arbeit seiner Organisation wecken. 1976 in Mainz als „Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e.V.“ gegründet, kann dieser sich heute bundesweit auf ein Netzwerk von ca. 3.200 ehrenamtlichen, ausgebildeten Opferhelfern wie Jürgen Hecker in 420 Außenstellen stützen. 

    Der WEISSE RING hat über 100.000 Förderer und gilt als sachkundiger und anerkannter Ansprechpartner für Politik, Justiz, Verwaltung, Wissenschaft und Medien in allen Fragen der Opferhilfe. Seine Finanzierung setzt sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, testamentarischen Zuwendungen sowie Geldbußen zusammen, die von Gerichten und Staatsanwälten verhängt werden.

    Jürgen Hecker freut sich schon auf neue Kollegen. Neben der eigentlichen Arbeit gibt es monatliche Treffen des WEISSEN RINGES, bei denen anfallende Fälle und Probleme diskutiert werden und man sich gegenseitig wertvolle Tipps geben kann. Foto: Robert Lehr


    Eine befriedigende Herausforderung 
    Jürgen Hecker beschreibt sich selbst als sehr aktiven Mensch, der schon während seines Arbeitslebens bei der Bahn auch darüberhinaus tätig war. Von daher hat es der heute 74-Jährige als Herausforderung empfunden, sich auch in einem so sensiblen Bereich wie der Opferhilfe zu engagieren.

    Dabei gebe es ganz verschiedene Arten von Fällen, mit denen man konfrontiert werde, weiß Hecker zu berichten. Am unproblematischsten seien solche, wo der Schaden in erster Linie ein materieller sei. Gebe es einen Diebstahl, wie den eines Portemonnaies, und es bestehe eine soziale Notwendigkeit, könne der WEISSE RING hier über eine einmalige finanzielle Nothilfe schnell und unbürokratisch einspringen.

    Werde er allerdings mit den Opfern häuslicher und/oder sexueller Gewalt sowie reiner Körperverletzung konfrontiert, wiege die emotionale Seite ungleich schwerer. Da es für die Hilfe des WEISSEN RINGES keine Voraussetzung sei, zuvor eine Straftat zur Anzeige gebracht zu haben, werde Hecker auch mit Fällen konfrontiert, wo die Sachlage komplex und die Opfer entsprechend traumatisiert sein können. Absolute Verschwiegenheit sei dabei unabdingbar.

    Dabei lägen die Verbrechen oft schon Jahre oder Jahrzehnte zurück. So z. B. wenn ein Missbrauch in der Kindheit erst im Erwachsenenalter verarbeitet oder angezeigt wird. In solchen Fällen sei ganz besondere Sensibilität von Nöten, weiß der Opferhelfer, aber in diesen Fällen pflege der WEISSE RING eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei, den Sozial- oder Jugendämtern. Diese schwierigen Fälle nähmen allerdings auch einen großen Teil seiner Arbeit ein.

    Damit bestätigt er die offiziellen Daten des WEISSEN RINGES Rheinland-Pfalz, die im Jahr 2015 zu 35 Prozent mit Opfern einer Körperletzung und zu 28 Prozent mit denen von Sexualdelikten beschäftigt waren. 

    Dem folgten mit weitem Abstand Diebstahl, Stalking oder auch Straftaten gegen die persönliche Freiheit, Raub und Betrug. Zwei Prozent aber machten auch die Folgen von Tötungsdelikten aus.

    Eine Herausforderung, die sich aus der Arbeit mit Kriminalitätsopfern ergebe, liege auch in der Tatsache, dass diese höchst unterschiedlich sein könnten, so Hecker. „Etwa mit einer arbeitslosen, alleinerziehenden Mutter muss ich anders sprechen als mit einem Hochschulprofessor“, führt er als fiktives Beispiel an. Wobei er unterstreicht, dass seine Fälle das gesamte gesellschaftliche Spektrum abdeckten. Entsprechend groß aber seien die Schwierigkeiten, gerade den Opfern aus bildungsfernen Schichten bestimmte strafrechtliche oder bürokratische Grundlagen zu vermitteln. 

    Neben dem offenen Ohr für die Nöte der Kriminalitätsopfer gehöre auch deren Umgang oder Begleitung zu Ämtern und Behörden, zu Auftritten als Zeugen oder Hilfe bei der Vermittlung professioneller Hilfe. Natürlich werde man bei der Arbeit nur allzu oft „mit den Schattenseiten und den Abgründen des Lebens konfrontiert“, gibt der Ehrenamtler zu. 

    Allerdings könne man an dieser Auseinandersetzung persönlich auch wachsen, weswegen Jürgen Hecker sich auch so zufrieden mit dieser Arbeit zeigt. Er könne ganz gewiss nicht alles an der heimischen Haustüre abstreifen, habe allerdings einen gelasseneren Umgang mit dem Leid seiner Mitmenschen gelernt. Seine thailändische Gattin habe als Buddhistin in dieser Hinsicht einen nicht zu unterschätzenden positiven Einfluss auf ihn gehabt.

    „Wer Interesse am Umgang mit Menschen hat, vor allem am Beistand in schwierigen Lebenssituationen, der sollte sich beim WEISSEN RING über eine Mitarbeit informieren“, empfiehlt Jürgen Hecker. Einfühlungsvermögen und Mobilität seien Voraussetzungen, wobei man für die Fahrkosten eine Entschädigung erhalte. Fachliche Kompetenz erwerbe man durch Schulungen, Seminare und Vorträge – vor allem aber durch die Hilfe selbst.

    ––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

    Häufig fehlt der Blick dafür, was Opfer brauchen


    Der WEISSE RING e.V. fordert mit Opfern in Kontakt stehende Berufsgruppen dazu auf, sich mehr als bisher in deren Lage hineinzuversetzen / Neue Helfer sind willkommen

    Wer beruflich mit Kriminalitätsopfern zu tun hat, muss sich besser in deren Situation hineinversetzen können. Dies fordert der WEISSE RING am heutigen Tag der Kriminalitätsopfer. „Ob Anwälte, Richter oder Mitarbeiter von Behörden: Viele, die in ihrem Berufsleben mit Kriminalitätsopfern zu tun haben, gehen zu wenig auf deren Anliegen und Wünsche ein, da sie sich nicht hinreichend in deren Lage hineinversetzen können“, kritisiert Peter Höding, Leiter der Außenstelle des Weissen Rings für die Stadt Worms und den Landkreis Alzey-Worms. 

    „Das muss sich dringend ändern.“ Oft sei es nicht nur das Verbrechen selbst, an dessen Folgen Opfer körperlich und psychisch jahrelang leiden. Auch mangelnde Sensibilität derer, die beispielsweise im Verlauf eines Strafverfahrens mit Opfern in Kontakt kommen, sorge für zusätzliche Belastung. „Häufig fehlt der Blick dafür, was Opfer brauchen und was ihnen beim Verarbeiten der Tat hilft“. 

    Der WEISSE RING fordert aus- und weiterbildende Einrichtungen der entsprechenden Berufsgruppen auf, die Perspektive von Kriminalitätsopfern fest in ihre Lehrpläne zu integrieren. „Es geht darum, das richtige Bewusstsein für die Situation von Opfern zu schaffen und so zu einem sensibleren Umgang mit ihnen beizutragen“, so Höding. Der WEISSE RING gibt seine über 40-jährige Expertise in Sachen Opferhilfe und Opferrechte bereits an Externe weiter. So bietet die WEISSE RING Akademie für Berufsgruppen, die mit Opfern in Kontakt treten, spezielle Seminare und Schulungen an: zum Beispiel Seminare für Anwälte oder Polizisten zum Opferentschädigungsgesetz oder zur psychosozialen Prozessbegleitung. 

    Professionelle Aus- und Weiterbildung
    Auch in der professionellen Aus- und Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter steht die Vermittlung der Opferperspektive beim WEISSEN RING an oberster Stelle. Opferhelfer durchlaufen unter anderem Seminare, in denen Inhalte zu den Themen Opferrechte in- und außerhalb von Strafverfahren vermittelt werden. Auch das Thema Psychotraumatologie nimmt einen hohen Stellenwert ein, um den richtigen Umgang mit traumatisierten Opfern zu erlernen. Ebenfalls wichtig ist das Thema Kommunikation, um in der Beratung und im direkten Kontakt mit Opfern den richtigen Ton zu treffen und die Balance zwischen Nähe und Distanz zu wahren. „Opfer brauchen Profis“, sagt Höding. „Nach diesem Prinzip arbeitet der WEISSE RING seit über 40 Jahren.“

    Insgesamt rund 3.200 ehrenamtliche Mitarbeiter sind in bundesweit 420 Außenstellen für den WEISSEN RING im Einsatz. In unserer Außenstelle sind es neun Mitarbeiter. Sie leisten unter anderem Trost und Beistand, hören geduldig zu und begleiten bei Behördengängen. Darüber hinaus vermitteln sie materielle Hilfen oder nehmen ihre Lotsenfunktion wahr, um im Hilfenetzwerk des WEISSEN RINGS weiterzuvermitteln. Opferhilfe-Profis werden gebraucht: Aus diesem Grund sucht die Außenstelle für die Stadt Worms und den Landkreis Alzey-Worms auch weiterhin neue Mitarbeiter, die die Arbeit des WEISSEN RINGS vor Ort unterstützen wollen. „Wir freuen uns über jeden, der ein Ehrenamt übernehmen und sich in diese Gesellschaft einbringen will.“ Interessierte seien herzlich willkommen. Auch gerade junge Menschen könnten aus der Übernahme eines Ehrenamtes praktischen Nutzen und persönlichen Mehrwert ziehen. „Viele betrachten es als gute Investition in die Zukunft“. 

    Wer Interesse an einem Ehrenamt beim WEISSEN RING hat, kann sich bei Peter Höding, Leiter der Außenstelle des WEISSEN RINGS für die Stadt Worms und den Landkreis Alzey-Worms unter Telefon 0151/512786-04 oder E-Mail: weisser-ring.az-wo@hoeding.net melden.

     

    Beitrag aus der Rubrik

    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige AmtsblattAnzeige Tip SüdhessenAnzeige das Wormser
    Anzeige TicketshopAnzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige 3 Füller 1