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  • Mo., 08. September 2014, 11:47 Uhr
    Vernissage „ornamental structures“ im Wormser Kunstverein

    Ornamente zum Leben erweckt

    Margret Eicher sieht in Tim eine Figur, die immer für das Gute kämpft. Gott hingegen zeigt sich beispielhaft in Tiepolos Gemälde des antiken Sonnengottes Helios auf dem Sonnenwagen. „Wo ist Gott?“ hat sie ihre riesige Installation auf Plane betitelt. Foto: Regina Urbach. Weitere Fotos in der Galerie.


    VON REGINA URBACH „Ornamente sind in der Kunst wieder ein Trend“, begründete Gastkuratorin Dr. Lida von Mengden anlässlich der Vernissage zu „ornamental structures“ die Themenwahl der neuen Ausstellung im Kunstverein.

    Zwölf Künstler verschiedener Nationalitäten kamen mit ihren Werken in dieser bereits in Saarbrücken, Pforzheim und Herne/ Bochum gezeigten Ausstellung in den weißen, niedrigen Räumen erstaunlich harmonisch zur Geltung: Im Außenbereich eine überdimensionale Plane mit einem Helios-/Tim&Struppi-Druck („Wo ist Gott?“) von Margret Eicher.

    Innen entzückte Sakir Gökcebag mit mehreren Produkten zerlegter schwarzer Regenschirme: einem düsteren Mantelwald aus 116 Umkleidungen, einem dreidimensional wirkenden „Auge“ aus Speichen und einer Knaufskulptur. Weitere Knäufe konnte man zur Unterstützung des Vereins erwerben.

    Organisch wie symmetrisch faszinierte die an fernöstliche Tempelstädte erinnernde Steinanlage von Mary Bauermeister. Den Geist nüchterner Garagengitter brachte Alke Reeh zum Schwingen. Die Iranerin Parastou Forouhar verarbeitete in einem scheinbar feinziselierten Teppichmuster das Schicksal ihrer Eltern: Wer genau hinsah, konnte in den Einzelelementen Anspielungen auf Folter erkennen. Eine Videoinstallation von Stoll & Wachall machte symmetrische Körperfiguren erlebbar; eine andere Bildschirmpräsentation scheiterte leider an schnöder Technik. Zeichnungen und wändefüllende Stoff- und Folienschnitt-Skulpturen ergänzten die Exponate auf engstem Raum, ohne einander einzuengen. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler waren von weither angereist und gaben gerne Auskunft auf Fragen zu ihren Installationen.

    Bei ihrer ausführlichen Vorstellung der Arbeiten mahnte von Mengden, Ornamente nicht als „harmlos“ zu unterschätzen; als Machtinstrument seien sie in der Lage, alles in den Bann ihrer Ordnung zu ziehen. Sie seien die älteste künstlerische menschliche Äußerung überhaupt. Um diesen Bann etwas zu lockern, wartete auf die Besucher neben ausgesuchten Köstlichkeiten vom Büfett eine besondere Gabe: In einem horizontalen Wolkenkratzermuster waren Rittersport-Tafeln der Sorten Erdbeer (rosa) und Nougat (dunkelblau) arrangiert worden, deren Ordnung im Anschluss beim Verzehr aufgelöst werden durfte. Gefördert wurde die Ausstellung vom Kultursommer Rheinland-Pfalz, Ritter Sport, Kobil Systems, der Sparkasse Worms-Alzey-Ried und der EWR AG.

    Die Ausstellung ist bis Sonntag, dem 5. Oktober, zu den Öffnungszeiten des Kunstvereins (mittwochs: 18 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr) zu sehen, der Eintritt ist frei. Am 5. Oktober, um 16 Uhr findet eine Finissage mit Kuratorenführung und Präsentation des Kataloges statt.

     

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