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  • Sa., 01. August 2015, 03:17 Uhr
    Fulminanter Auftakt zu Nico Hofmanns Nibelungenfestspielen gestern Abend / Fotos von der Premiere in der NK-Galerie

    Ortliebs Selbstopferung statt »Frauenliebe und Heldentod«

    Jede Menge Prominenz gab sich in Worms am Premierenabend die Ehre. Neben Stars und Sternchen war auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer, hier mit Intendant Nico Hofmann und Mario Adorf, zu Gast in der Nibelungenstadt. Foto: Karolina Krüger


    VON REGINA URBACH | Die Premiere der Nibelungenfestspiele 2015, erstmals unter der Intendanz von Nico Hofmann, erfüllt alle Erwartungen an eine Offensive der Qualität und Innovation. Ostermaiers Stück „Gemetzel“ bietet viel Stoff für aktuelle Diskussionen, Regie (Thomas Schadt) und Darstellungsqualität haben einen qualitativen Sprung nach oben getan. Die Inszenierung 2015 stößt vieles am eigentlich bekannten Nibelungenstoff neu an, auch wenn sie nicht immer leicht zu verdauen ist.

    Mit dem psychologisch durchdachten Text voller Wortspiele, schlagfertiger Dialoge und mittelhochdeutscher Einsprengsel hat Ostermaier Literatur geschaffen. „Gemetzel“ beweist, dass die Nibelungen auch ohne billige Lacher spielbar sind. Über den ersten, etwa 90-minütigen Teil werden die Zuschauer durch teils akrobatische Tanzdarbietungen mit vielen Rückblenden in Atem gehalten.

    Thomas Schadt zeigt in seiner Regie: Hass und Eifersucht haben ihre eigene Erotik, die durch das Spiel überzeugend rübergebracht wird.  In „Gemetzel“ rechnet Ostermaier mit Kriemhild und einem naiven Heldenbild ab, wesentlich subtiler als bei der Inszenierung im letzten Jahr. Subtiler sind auch Witz und Anspielungen. Schenkelklopfer sucht man vergebens. Tumber Heldenkult wird durch lange Blondhaarperücken oder einen wasserstoffblondierten Akrobaten-Siegfried mediterranen Typs ironisiert. Bühnenvergewaltigungen hat diese Regie nicht nötig. Vom Festspielpublikum wird vielmehr erwartet, seine Sinne und seinen Verstand wieder zu schärfen. Dann wird es Perlen wie diese zu würdigen wissen: „Worms – kommt das von Wurm? Gibt es dort viele Drachen?“ fragt Ortlieb.

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