Nach Abschluss der Umgestaltungsarbeiten des Bereichs an der Ecke Bebel- und Friedrich-Ebert-Straße erfolgte die offizielle Wiedereröffnung
Partnerstadt Ningde bekommt eigenen Platz
Am Dienstag wurde der Ningde-Platz, auch wenn die Bezeichnung noch inoffiziell ist, nach seiner Umgestaltung wiedereröffnet. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Worms hat sieben Partnerstädte. Sechs davon haben diesen Status schon lange inne. Dies sind St. Albans (Großbritannien), Auxerre (Frankreich), Parma (Italien), Tiberias (Israel), Mobile (USA) und Bautzen (Sachsen). Im vergangenen Jahr ergänzte als jüngstes Mitglied die chinesische Stadt Ningde in der Provinz Fuzhou diesen Reigen. Wobei Worms hier gemeinsam mit Speyer die Funktion des deutschen Partners einnimmt. Salopp könnte man sogar von einem Dreier-Bündnis sprechen. Im Herbst diesen Jahres kommt es zur ersten Bürgerreise von Worms nach Ningde. An der Spitze der Delegation wird Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek stehen.
Wohin mit Ningde? Nun hatte die Stadt Worms aber ein Problem. Denn nach der im Jahr 2013 gegründeten „Tradition” soll jeweils ein Platz in Worms den Namen einer Partnerstadt tragen. So ist etwa der große, westliche Bahnhofsvorplatz nach der französischen Stadt Auxerre benannt und der Bereich vor dem WOMSER trägt den Namen Tiberiasplatz. Die Frage war nun, welche Freifläche könnte nach der chinesischen Partnerstadt betitelt werden? Genau in diese Überlegungen hinein erfolgte die Umgestaltung des Park- und Fußgängerbereichs an der Ecke Bebelstraße und Friedrich-Ebert-Straße.
Attraktivitätssteigerung Bereits im Juli 2012 hatten die städtische Wohnungsbau-Gesellschaft sowie die Familien Antz/Simoni und Lohr-Spanier als Immobilienbesitzer ihr Interesse bekundet, den Platz an der Ecke Bebel- und Friedrich-Ebert-Straße attraktiver zu gestalten. Sie wünschten sich eine zusätzliche Außenbestuhlung für die Gastronomie, Kurzzeitparkplätze sowie ansprechende Grünflächen. Nachdem sich das gesamte Umfeld des Platzes im Bereich Bebelstraße sowie auf dem Liebenauer Feld in den vergangenen Jahren städtebaulich positiv entwickelt hat, wurde dieses Vorhaben aus Sicht der Stadtplanung grundsätzlich begrüßt, konnte aufgrund der angespannten Haushaltslage jedoch mit städtischen Mitteln nicht finanziert werden. In einer privaten-öffentlichen Kooperation gelang es schließlich aber doch, die Neugestaltung des Platzes zügig zu realisieren. Als Sponsoren bzw. Geldgeber konnte die Wohnungsbau sowie die Familie Antz/Simoni gewonnen werden, die ein fünfstelligen Betrag aufbrachten. Nach einer Bauzeit von rund acht Wochen erfolgte am Dienstagabend unter Anwesenheit der privaten Geldgeber sowie des Oberbürgermeisters die offizielle Übergabe an die Bürger.
Wormser „Kiautschau” In seiner Ansprache erläuterte Oberbürgermeister Michael Kissel, dass die neugestaltete Freifläche an der Ecke Bebel- und Friedrich-Ebert durch den Torbogen der Eingangsbereich in die Siedlung „Kiautschau” sei. Beim „Kiautschau” handele es sich um das ehemalige Lederarbeiterviertel der Heyl'schen Lederwerke mit seinem kopfsteingepflasterten Sträßchen und schmucken Fachwerkhäusern. Entstanden ist das Wohnviertel auf Initiative des Wormser Unternehmers Cornelius Wilhelm Freiherr Heyl zu Herrnsheim. Er wollte angenehme und sozialverträgliche Wohnverhältnisse insbesondere für Arbeiterfamilien schaffen. Am 15. November 1897 gründete er zusammen mit 29 anderen Wormser Bürgern die entsprechende Wohnungsbaugesellschaft.
Der Name „Kiautschau” ist ein Begriff aus dem Wormser Volksmund und bezieht sich auf die Kiautschou-Bucht an der Westküste Chinas. Dieses Areal war von 1898 bis 1914 deutsches Pachtgebiet. Dort war auch ein Dutzend deutsche Soldaten aus Worms stationiert, die 1914 in japanische Kriegsgefangenschaft mussten.
Die Wormser Bezeichnung „Kiautschau” entstand, als die neue Lederarbeitersiedlung vor über 100 Jahren außerhalb von Worms entstand und die Bewohner der Kernstadt sagten: "Das neue Wohngebiet ist ja so weit weg wie Kiautschau."
Ningdeplatz geboren Oberbürgermeister Michael Kissel folgerte am Dienstag nun, dass die Nähe des neugestalteten Eingangsbereichs zum chinesischen bzw. Wormser ”Kiautschaus” daher den Namen Ningde-Platz tragen solle. Damit würde eine Brücke von Worms ins Reich der Mitte geschlagen und man habe auch für die jüngste Wormser Partnerstadt den geeigneten Namen gefunden.