
VON REGINA URBACH In vielen mühsam recherchierten Einzelschicksalen beleuchtete Hartmut Ritzheimer vor etwa 50 Besuchern das Thema Juden im Sport vor und nach 1933. Anlässlich des Jahrestags der Reichspogromnacht 1938 hatte der Verein Warmaisa am 9. November im Anschluss an die gut besuchte Mahnwache vor der Synagoge zu dem Vortrag ins Raschihaus geladen. Die Forschungsarbeit Ritzheimers wurde erschwert durch die unvollständige Archivierung vieler Vereinsunterlagen und zum Teil erst ermöglicht durch die Arbeit von Annelore und Dr. Karl Schlösser zum Schicksal der Wormser Juden (unter wormserjuden.de und als CD allgemein zugänglich). Anrührend wirkten motivierende Reden jüdischer Vereinsgründer, die antisemitische Klischees stillschweigend übernahmen und den Sport als Mittel sahen, dagegen anzukämpfen. Oder die Hoffnung, jüdische Bürger noch mehr durch Vereinssport zu Gehorsam, Arbeitsamkeit und Patriotismus zu motivieren. Ritzheimer ging auf Isidor und Ludwig Kiefer, Hans Mannheimer, Alfred Lewin, Otto Lang oder Alfred Kossmann, viele weniger Bekannte und auf jüdische Vereine ein. Besonders beleuchtete er die Rolle von Organisationen wie des antizionistischen Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten oder des Deutschen Turnerbunds. Letzterer, zu dem auch die TG Worms gehörte, nutzte den Freiraum, den die Vorschriften den Vereinen beim Arierparagraphen vor der Olympiade 1936 noch ließen, dazu, diese vorauseilend zu erfüllen und auch solche Juden unverzüglich zum Vereinsaustritt zu drängen, die als ehemalige Frontsoldaten davon ausgenommen waren.
Die perfide Strategie der Nazibehörden im Vorfeld der auf der Kippe stehenden Olympiade ging damit auf, argumentierte Ritzheimer. Die Übererfüllung wurde nur durch mitdenkende Mittäter möglich als es durch puren Gehorsam aus Angst. An der Stelle des Arierparagraphen in den vereinheitlichten Satzungsvordrucken (stets Paragraph 4) ließ man nämlich eine handschriftlich auszufüllende Lücke zwischen den Paragraphen 3 und 5. Diese wurden wundersamerweise jedoch immer im selben Wortlaut handschriftlich ausgefüllt. Wegen der zunehmenden Judenverfolgung hatten die USA mit dem Boykott der Spiele in Berlin gedroht. Dies war auch der Hintergrund für das Schicksal der jüdischen Hochsprungsiegerin Gretel Bergmann, den Warmaisa am Tag darauf als Film im KW-Kino zeigte: Erst zwang man sie zur Rückkehr aus dem englischen Exil mit der Androhung von Repressalien gegen ihre Familie in Deutschland, dann schloss man sie trotzdem von der Teilnahme aus.
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