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  • Do., 07. Mai 2026, 11:30 Uhr
    ERNTE IN GEFAHR: Forschung ohne ausreichende Förderung / Praktiker fordern mehr Mittel gegen neue Zikaden-Bedrohung

    Pest mit Flügeln beginnt

    Eine geflügelte Schilf-Glasflügelzikade ist einer Falle auf den Leim gegangen; Leimtafeln wie hier im Bild offenbaren frühzeitig den auftretenden Schädlingsbefall.
    Foto; Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V.

    Mit dem Nachweis der ersten geflügelten Schilf-Glasflügelzikaden hat Anfang Mai die Zikaden-Flugsaison begonnen. Auf Versuchsflächen der Wormser Forschungsgruppen KUMBIT und KARTOZIK wurden am 3. Mai bei Eich am Rhein die ersten Tiere des Jahres 2026 auf Leimtafeln nachgewiesen. Damit beginnt die entscheidende Phase der Ausbreitung und der Übertragung bakterieller Krankheitserreger auf Kartoffeln, Zuckerrüben und weiteren Kulturen.

    Die Funde gelten als wichtiges Signal für Landwirtschaft und Forschung. Bereits wenige Tiere auf standardisierten Leimtafeln lassen auf tausende Zikaden in der Umgebung schließen. Gleichzeitig zeigt sich erneut, dass der Flugbeginn inzwischen deutlich früher einsetzt als noch vor wenigen Jahren angenommen.

    „Die Tiere nutzen immer mehr Wirtspflanzen und entwickeln sich offenbar zunehmend schneller. Unsere bisherigen Modelle reichen deshalb nicht mehr aus. Entscheidend ist inzwischen die direkte Beobachtung im Feld“, erklärt Forschungskoordinatorin Helen Pfitzner vom Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer in Worms.

    Zahlreiche Feldversuche

    Mit dem aktuellen Ausflug beginnt auch die Hochphase zahlreicher Feldversuche. Bereits seit Wochen wurden Schutz- und Monitoringzelte aufgebaut, um den Einfluss verschiedener Kulturen und Zwischenfrüchte auf die Ausbreitung der Zikaden zu untersuchen. Gleichzeitig werden Pflanzenbestände gezielt vor Befall geschützt, um Unterschiede bei Ertrag und Qualität des Ernteguts unter realen Bedingungen bewerten zu können.

    Massive Schäden

    Die Schilf-Glasflügelzikade überträgt zwei bakterielle Erreger, die bei Zuckerrüben das sogenannte „Syndrom niedriger Zuckergehalte“ (SBR) und bei Kartoffeln die „Bakterielle Kartoffelknollenwelke“ (BKW) verursachen. Die Folgen reichen von massiven Ertragsverlusten bis hin zur vollständigen Unverwertbarkeit der Ernte. Besonders kritisch sind Qualitätsverluste bei Kartoffeln: Durch steigende Zuckergehalte und Welkeprozesse werden Lagerfähigkeit sowie Verarbeitung zu Chips oder Pommes erheblich beeinträchtigt.

    Dringender Handlungsbedarf

    Die Situation trifft gleichzeitig auf eine schwierige Entwicklung in der Forschungsförderung. Große Verbundvorhaben mit direktem Praxisbezug, die von dem Wormser Forschungsverbund gemeinsam mit rund 50 Partnern aus Forschung, Industrie und Beratung koordiniert wurden, erhielten zuletzt keine Förderung auf Bundes- und EU-Ebene. „Wenn die praxisnahe Forschung jetzt nicht massiv gestärkt wird, verlieren wir wertvolle Zeit – und in einigen Regionen möglicherweise ganze Produktionssysteme“, erklärt Helen Pfitzner.

    Dr. Christian Lang, Geschäftsführer des Verbandes der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V., sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf: „Die entscheidenden Lösungen müssen jetzt unter realen Bedingungen entwickelt werden. Genau dafür braucht es langfristige Praxisforschung direkt in den betroffenen Regionen.“

    Dynamische Zikade

    Die Wormser Forschungsgruppen konnten in den vergangenen Jahren bereits wichtige Erkenntnisse gewinnen. Dazu zählen u.a. Vorteile früher Pflanz- und Erntetermine, Unterschiede zwischen Sorten und Pflanzenschutzmaßnahmen sowie erste Ansätze zur Stabilisierung von Qualität und Lagerfähigkeit. Allerdings sind viele Maßnahmen teuer, witterungsabhängig oder mit Ertragseinbußen verbunden und deshalb noch nicht ausreichend praxistauglich.

    Nach Einschätzung der Forschungsgruppen breitet sich die Zikade weiterhin dynamisch aus. Erste Nachweise liegen inzwischen auch aus weiteren europäischen Regionen vor. Da in neuen Befallsgebieten häufig noch keine gezielten Gegenmaßnahmen erfolgen, wird die weitere Vermehrung und Ausbreitung zusätzlich begünstigt.

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