Di., 03. September 2013, 21:39 Uhr
„Durch den demografischen Wandel der Gesellschaft werden künftig Kranken- und Altenpfleger noch stärker gebraucht als heute“, betont MdL Kathrin Anklam-Trapp (SPD).
Pflegefachkräfte dringend gebraucht!
Um zu erörtern, wie ausreichend viele Fachkräfte gewonnen und junge Menschen motiviert werden können, eine Ausbildung in diesem Bereich zu ergreifen, hatte die Politikerin zu der Podiumsdiskussion „Pflege braucht viele Hände“ in die Senioreneinrichtung „Haus Jacobus“ in Osthofen eingeladen.
Drastisch machte Alexander Schweitzer, Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz, den Bedarf an Pflegefachkräften deutlich. „Bereits in 2060 wird eine völlig andere Altersstruktur in der Gesellschaft herrschen. Eine große Zahl von Senioren wird weit über 80 Jahre alt sein und Pflege brauchen. Auch die Anzahl dementiell erkrankter Menschen wird hoch angestiegen sein. Bereits heute herrscht ein Fachkräftemangel in der Altenpflege und immer weniger junge Menschen entschließen sich, diesen Beruf zu ergreifen. Die Politik muss Maßnahmen treffen, um die Anforderungen der Zukunft zu stemmen. Dazu ist in der Pflegeversicherung endlich ein Fortschritt notwendig.“
Anhebung der Pflegeversicherung zur Finanzierung neuer Fachkräfte
Rund 125.000 Stellen könnten durch die Anhebung der Pflegeversicherung um 0,5 Prozent geschaffen werden, informierte Anklam-Trapp. Hans Hermann Seelig, Vorsitzender der SPD Osthofen, betonte: „Man muss deutlich machen: Leute, das Alter kommt auch auf euch zu und das Geld wird auch euch zugute kommen!!“ Wenig förderlich, Jugendliche für den Pflegeberuf zu gewinnen, seien Werbeplakate, wo ein Pflegender der Oma den Mund abwischt. „Das trifft nicht den Punkt.“
In der Berufsberatung erlebe sie häufig, dass Jugendliche samt Eltern ein falsches Bild vom Pflegeberuf haben, bestätigte Viola Jakob-Schier, Geschäftsstellenleiterin der Arbeitsagentur Bingen. Auch bei Arbeitssuchenden sei trotz Förderung die Bereitschaft, in der Pflege zu arbeiten, gering. „Oftmals fehlen aber auch die sozialen Kompetenzen, die zwingend notwendig sind.“ Großes Potential gebe es bei Migrantinnen, wie auch eine Ausbilderin in der Altenpflege bestätigte. „Sie leisten gute Arbeit und haben hohe soziale Kompetenzen, eine Barriere ist allerdings die mangelnde Sprachkenntnis. Männer entscheiden sich meist gegen den Pflegeberuf, weil sie von dem Gehalt ihre Familie nicht ernähren können.“
Ein Grund, nicht in der Altenpflege zu arbeiten, sei auch die hohe körperliche und psychische Belastung, so Schweitzer. „Es muss in der Gesunderhaltung des Personals etwas getan werden, wie in der Industrie bereits geschehen. Die Pflegeberufe wurden bislang stiefmütterlich behandelt“. Probleme mache auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch die Schichten und Arbeitszeiten an Wochenenden. Doris Dörfer, Pflegedienstleiterin im Wormser Hochstift, führte aus, dass aus diesem Grund die meisten der Frauen in Teilzeit arbeiten.
„Verwalten anstatt pflegen“
„Verwalten anstatt pflegen“ sei für viele ein weiterer Aspekt, sich gegen den Beruf zu entscheiden“, betonte SPD-Bundestagskandidat Marcus Held. „Der immense Dokumentationsaufwand wird zum Problem; das sind Stunden, die in der Pflege fehlen!“ Eine Verbesserung könnte erreicht werden durch eine Person, die nur für die Bürotätigkeit zuständig ist.
Ebenso wie viele der Besucher, die sich rege an der Diskussion beteiligten, sieht Held in dem negativen Image des Berufs Altenpfleger ein Grund für das mangelnde Interesse potentieller Mitarbeiter.
Es gelte, Jugendlichen Vorurteil zu nehmen, die sie einer Ausbildung in der Pflege entgegensetzen, so Anklam-Trapp. „Bereits Grundschülern sollte den Wert alter Menschen und soziale Kompetenz vermittelt werden.“
Positive Erfahrung hat Manuela Haller, Geschäftsleiterin des Hauses Jacobus, in der Kooperation mit der IGS Osthofen gemacht. „Die Schüler kamen ins Altenheim und ich war überrascht, was da an Potential vorhanden war.“ Beeindruckt habe sie beispielsweise der Martinsumzug, wo 50 Jugendliche die Rollstühle der Senioren schoben. „Danach haben etliche ein Praktikum bei uns gemacht, einige sogar eine Ausbildung begonnen. Sie hatten durch den engen Kontakt mit den Senioren eine Hürde überwunden.“