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  • Fr., 28. November 2014, 18:12 Uhr
    Eine verstärkte Integration in den hiesigen Arbeitsmarkt das Ziel / Kopftuch-Problematik heftig diskutiert

    Pilotprojekt von DITIB und Jobcenter

    Präsentation des Projektes. Von links: Ahmet Cengelköy, Ismail Büyükkakac, Hayrullah Dindas und Markus Holzmann. Foto: Gernot Kirch


    VON GERNOT KIRCH In Worms leben rund 11.000 Ausländer, dies sind 13 Prozent der Bevölkerung, beim Jobcenter sind aber 27 Prozent der Kunden Ausländer. Alleine diese Zahlen verdeutlichen, wie dringend notwendig die Intensivierung der Arbeitsvermittlung bei diesem Klientel ist und wie wichtig Qualifizierungsmaßnahmen sind. Rechnet man nach Aussage des stellvertretenden Leiters des Wormser Jobcenters, Markus Holzmann, zu den Ausländern noch die Menschen mit Migrationshintergrund dazu, seien fast 50 Prozent der Kunden des Jobcenters Zuwanderer.

    Im vergangenen Jahr ist daher die Initiative entstanden, vom Jobcenter aus mehr Präsenz bei den unterschiedlichsten Migrantengruppen zu zeigen. Der Anfang wurde am Freitag bei der türkisch-islamischen Union DITIB in Worms in der Hafenstraße gemacht. Zunächst stellte mit Ismail Büyükkakac, ein türkischstämmiger Mitarbeiter des Jobcenters, das Projekt vor. So wurde in der DITIB-Gemeinde eine große Informationswand angebracht, auf der aktuelle Stellenangebote, Ausbildungsplätze und die Telefonnummern des Jobcenters zu findne sind. Darüber hinaus sollen jedes halbe Jahr Sprechstunden bei der DITIB-Gemeinde stattfinden, bei der individuelle Gesprächstermine vereinbart werden können und Hilfestellungen bei der Antragstellung. Mit diesem Engagement soll eine Basis für eine bessere Zusammenarbeit gelegt werden und auch die Berührungsängste genommen werden. Die Kooperation erfolgt mit ausdrücklicher Zustimmung der DITIB-Gemeinde.

    Nach der Präsentation durch  Ismail Büyükkakac gab es die Möglichkeit zur Diskussion. Die rund 40 Besucher der Veranstaltung machten davon rege Gebrauch.

    Hayrullah Dindas: Mit Kopftuch ohne Chance
    Sehr heftig wurde über die Kopftuch-Problematik diskutiert. Hayrullah Dindas, Mitglied im neuen Beirat für Migration und Integration, sprach hier von Diskriminierung und sagte: „Frauen, die ein Kopftuch tragen, haben keine Chance einen Job zu bekommen, egal wie gut sie qualifiziert sind. So möchte auch Oberbürgermeister Michael Kissel keine Beschäftigten bei der Stadtverwaltung. Auch würde das Klinikum keine Mädchen mit Kopftuch anstellen.“ Obwohl er Worms als seine Heimat ansehe, überlege er, zurück in die Türkei zu gehen. Weiter führte er aus, dass seine Frau immer eine  Kopftuch trage und seine Tochter nicht. Dies sei die jeweilige Entscheidung von seiner Frau und seiner Tochter, das Kriterium Kopftuch dürfe aber nicht darüber entscheiden, ob jemand eine Arbeit bekommt oder nicht, hier solle einzig die Qualifikation zählen.

    Markus Holzmann vom Jobcenter bedauerte es, dass für viele Wormser Arbeitgeber das Thema „Kopftuch“ ein so wichtiges Kriterium sei. Dies müsse sich ändern. In Ludwigshafen oder Frankfurt sei dies längst kein Thema mehr, hier würden viele Mädchen mit Migrationshintergrund, egal ob mit oder ohne Kopftuch, angestellt werden.

    Markus Holzmann führte zum Abschluss aus, dass bei der DITIB-Gemeinde nur der Anfang gemacht wurde. Das Jobcenter werde ähnliche Initiativen auch bei der islamischen Gemeinde Milli Görüs, den Aleviten und dem russisch-deutschen Kulturverein, jetzt KuBiS, initiieren.

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