Beschuldigter Tatverdächtiger nach Tötungsdelikt in U-Haft / Am SamstagTrauermarsch und Ökumenischer Gottesdienst
Polarisierende Meldung
VON LEONIE AHLERT || „In der Nacht zum Mittwoch kam es in Worms zu einem tödlichen Beziehungsstreit, bei dem eine 21 Jahre junge Wormserin getötet wurde. Der 22-jährige Freund der Getöteten stellte sich nach der Tat der Polizei. Der Mann tunesischer Herkunft wird am Donnerstag dem Haftrichter in Mainz vorgeführt“, so lautete eine Meldung der Polizei vom Mittwoch. Oberbürgermeister Michael Kissel äußerte direkt sein Entsetzen über die Tat und bekundete sein Mitgefühl für die Hinterbliebenen des Opfers in einer Pressemitteilung.
Am Donnerstag äußerte sich das Stadtoberhaupt nochmals zur gewaltsamen Tat. „Die Wormser müssen in Mitgefühl und Trauer zusammenhalten“, appellierte Kissel. Zu diesem Zeitpunkt war das Internet bereits in heller Aufregung: Etliche Kommentare, Reaktionen, Mitleids- und Trauerbekundungen schienen die Facebook-Einträge nahezu zu sprengen. Unter den Kommentierenden befanden sich entsetzte, mitgenommene und stark betroffene Bürgerinnen und Bürger.
Als dann die Ansprache des Oberbürgermeisters veröffentlicht wurde, gab es plötzlich kein Halten mehr. Hasskommentare, hetzende Beiträge und Mordandrohungen an den Täter, sowie an Michael Kissel selbst und andere Politiker der Stadt Worms gerichtete, schwere Beleidigungen erschienen unter den Facebook-Posts und auch auf der NK-Homepage. Aus diesem Grund musste moderierend eingegriffen werden, ohne die sich im Gang befindliche Diskussion zu unterbrechen. Eine Aufgabe, die auf Kritik stieß.
Dass sich die öffentliche Debatte einmal mehr nicht um die Getötete, sondern um den Täter, bzw. dessen Herkunft, dreht, nimmt die Interventionistische Linke Rhein-Neckar zum Anlass der Kritik: Gewaltdelikte an Frauen würden, wie in diesem Fall, ganz überwiegend nicht von Fremden begangen, sondern durch das soziale Umfeld.
Laut einer gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Mainz und des Polizeipräsidiums Mainz hat der Haftrichter am Donnerstag nach Prüfung der Gesamtumstände die Untersuchungshaft wegen Mordes zur Sicherung des Strafverfahrens angeordnet. Der Beschuldigte wurde unmittelbar in eine Strafanstalt in Rheinland-Pfalz gebracht.
Trauermarsch und Gebet
Der heutige Trauermarsch in Erinnerung an die getötete Wormserin, zu dem Freunde der jungen Frau aufgerufen haben, wird mit einem ökumenischen Gebet in der Liebfrauenkirche enden. Der Gang durch das Wormser Nordend beginnt um 20 Uhr. Treffpunkt wird der Parkplatz am Netto-Markt sein. Das ökumenische Gebet beginnt um 20.30 Uhr. „Wir wollen der Trauer der Menschen Raum geben“, so Dompropst Tobias Schäfer und Pfarrer Harald Storch.
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Auch die schweren Beleidigungen an die Politiker der Stadt Worms waren trotz nachvollziehbarem Unmut in der Bevölkerung, weder geschmackvoll noch tragbar. Erschreckend vor allem: die oft gesetzeswidrigen Aussagen werden mit Angabe des vollen Namens gepostet. Es scheint, dass die Anonymität, die das Internet immer bot, nicht mehr ausreicht, um das eigene Geltungsbedürfnis zu befriedigen.