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Di., 24. September 2013, 16:57 Uhr
Abwägungsprozess zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit, Attraktivität der City und Schutz des Sonntags als Familientag
Politik bei 3. verkaufsoffenem Sonntag gespalten
Verkaufsoffene Sonntage sind in der ganzen Region Publikumsmagneten, die für einen großen Umsatz und eine Belebung der Innenstadt sorgen.
Von Gernot Kirch Rund 190 Wormser Geschäftsleute unter Federführung der Kaiserpassage, dem Modehaus Jost und der Galeria Kaufhof haben bei der Stadt Worms einen 3. verkaufsoffenen Sonntag am 29. Dezember beantragt. Das Ordnungsamt hat diesen Antrag abgelehnt und die Geschäftsleute haben gegen diese Ablehnung jetzt Widerspruch eingelegt. (Der NK berichtete in seiner Ausgabe vom letzten Samstag.) Seitdem wird das Thema in Öffentlichkeit und Parteien heftig und kontrovers diskutiert. Ein einheitliches Bild gibt es nicht. Auch haben sich noch nicht alle Parteien eindeutig festgelegt. Hier ein Stimmungsbild auf Nachfrage des Nibelungen Kurier.
Liberale wollen Geschäftsleute stärken
Die FDP bekennt sich eindeutig zum verkaufsoffenen Sonntag am 29. Dezember, um die Geschäftsleute zu stärken. Der Wormser FDP-Vorsitzende Dr. Jürgen Neureuther sagte gegenüber dem NK, die Geschäfte sollten an diesem Tag öffnen dürfen. Dann müsse es eine Abstimmung mit den Füßen geben, ob die Bürger das Angebot annehmen würden oder nicht. Weiter verwies Dr. Jürgen Neureuther auf andere Städte wie etwa Alzey, die am 29. Dezember einen verkaufsoffene Sonntag durchführen würden. Hier dürfe Worms aus wirtschaftlichen Gründen nicht zurückstehen, denn dort sei der 29. Dezember einer verkaufsstärksten Umsatztage überhaupt. Und davon würden Angestellte wie Käufer gleichermaßen profitieren.
Linke sehen Belastung der Beschäftigten
Sebastian Knopf von den Linken lehnte den 29. Dezember als verkaufsoffenen Sonntag ab. Die Belastung für die Beschäftigten, die in der Weihnachtszeit ohnehin viel arbeiten müssten, sei zu groß. Sebastian Knopf ist aber nicht generell gegen einen 3. verkaufsoffenen Sonntag. Doch solle dieser an einem anderen Sonntag im Jahr stattfinden.
SPD noch unentschieden
Die SPD-Fraktion hat sich bezüglich des 3. verkaufsoffenen Sonntag noch nicht festgelegt. Nach einer Stellungnahme des Fraktionsvorsitzendem Timo Horst befinden sich die Sozialdemokraten im Abwägungsprozess zwischen den berechtigten Interessen des Einzelhandels und denen von Kirchen und Gewerkschaften, die den Schutz des Sonntags anmahnten. Worms müsse aber als Einkaufsstadt weiterhin attraktiv bleiben, daher müssten auch die Situation des Handels beachtet werden. Mit der „Verrückten Einkaufsnacht“ oder „Worms blüht auf“ leiste Worms hier schon einen Beitrag.
Grüne suchen nach Alternativen
Richard Grünewald von den Grünen betonte, dass die Frage nach einem 3. verkaufsoffenen Sonntag für seine Partei keine Glaubensfrage sei. Es müssten auch die Interessen der Geschäftsleute berücksichtigt werden. Und besondere Events wie ein verkaufsoffener Sonntag würde nun mal viel Umsatz bringen. Aber es gelte auch der Schutz der Beschäftigten zu beachten. Und bei einer anonymen Befragung in Worms hätten viele Angestellte zwar Verständnis für die Unternehmer geäußert, aber kaum einer wollte am 29. Dezember arbeiten, zumal sie in der Adventszeit schon stark gefordert wären. Richard Grünewald schlägt als Kompromiss vor, einen Sonntag während der Adventszeit zu öffnen. Denkbar wäre auch, den Wormser Weihnachtsmarkt bis zum 31. Dezember zu öffnen und so eine größere Attraktivität für die Innenstadt zu schaffen.
CDU noch in der Abwägung
Adolf Kessel sagte für die Christdemokraten, dass der Meinungsbildungsprozess innerhalb von Partei und Fraktion noch nicht abgeschlossen sei. Es werde heftig diskutiert, um den verschiedenen Aspekten und Interessen Rechnung zu tragen. Er persönlich sei jedoch gegen einen verkaufsoffenen Sonntag am 29. Dezember.