„Seit‘ an Seit‘“: Theater im Museumshof spielt vor ausverkauftem Hof am Kesselhaus / Noch drei Aufführungen
Premiere trotzte dem Wetter
Frauenwahlrecht! Eine schier unerhörte Forderung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die im neuen Stück thematisiert wird. Foto: Karolina Krüger
VON KAROLINA KRÜGER Nur in einem ganz schmalen Korridor streifte das Regenband am Samstagabend Worms. Unglücklicherweise genau den Hof des Kesselhauses in dem die Freilichtbühne des Theaters im Museumshof ihrer Premiere entgegen fieberte. Erst zwei Regenschauer und 30 Minuten später konnte das sozialkritische Stück „Seit‘ an Seit‘“, das sich mit den Menschen und der lederverarbeitenden Industrie um die Jahrhundertwende in Worms auseinander setzt, beginnen. Der dichte mit vielen zwischenmenschlichen und zeitgenössischen Begebenheiten gespickte Text, stammt aus der Feder von Kirsten Zeiser, die auch wieder Regie führt.
Lebendiges Bild der damaligen Zeit
Sechzig Schauspieler aller Altersgruppen erschaffen ein lebendiges Bild der ersten zwei Jahrzehnte des beginnenden 20. Jahrhunderts, deren Probleme und Errungenschaften. Lange hundert Jahre zurück und doch noch aus den Erzählungen von Großeltern und Urgroßeltern bekannt, erweckt Zeiser die alte Zeit der Lederindustrie zum Leben. Da wird das für die Arbeiter gebaute Viertel „Kiautschau“ bestaunt und bezogen, die anstrengenden Arbeitstage, die mit stundenlangen Anmärschen beginnen, aufgezeigt, das Wahlrecht für Frauen gefordert, geliebt und im drastisch dargestellten 1. Weltkrieg gelitten. Eine Zeitreise der besondere Art, die man für den 22./23. und 24. Juni noch im Shop am Dom durch den Erwerb von Eintrittskarten buchen und jeweils um 19 Uhr am Kesselhaus einchecken kann.