Do., 16. April 2020, 14:39 Uhr
GLEICHSTELLUNG: Corona und die Geschlechtergerechtigkeit
Prioritäten neu setzen
Inmitten der derzeitigen Krise liest man häufig, dass vor allem Frauen in systemrelevanten Berufen arbeiten. Der „Equal Pay Day“ Mitte März macht jährlich auf die immer noch bestehenden Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen aufmerksam – in diesem Jahr jedoch ging der Tag an vielen Menschen nahezu unbemerkt vorbei. Die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern beträgt 21 Prozent, wobei die Gründe hierfür vielfältig sind. So üben Frauen häufiger erzieherische Berufe aus und arbeiten mehr in Teilzeit. Außerdem erledigen sie überwiegend unbezahlte Sorgearbeiten wie Kindererziehung oder Pflege. Die aktuelle Pandemie macht diese Unterschiede nochmals sichtbar, denn die Wirtschaft kann ohne die von Frauen verrichtete Arbeit nicht funktionieren, da diese oft als systemrelevant eingestuft wird. In Deutschland sind in etwa 76 Prozent der Angestellten in Kliniken weiblich, im Einzelhandel sind es 72 Prozent. Kinderbetreuung und -erziehung sind nach wie vor eine Frauendomänen.
Bemerkenswert ist jedoch, wie schnell und flexibel Bund und Länder reagieren und sich täglich auf neue, kurzfristige Entwicklungen einstellen. Zum Wohle der Gesundheit der Bevölkerung konnten so Themen wie mobiles Arbeiten, Heim- und Telearbeit, Personalführung auf Distanz, gesplittete Teams und Vertrauensarbeit in vielen Arbeitsbereichen und Branchen zeitnah realisiert werden.
Welle der Solidarität
In der Gesellschaft entsteht aktuell eine Welle der Solidarität, die auch in Zukunft Auswirkungen auf den Arbeitsalltag in Deutschland haben könnte. Denn in Zeiten von Quarantäne, Kita- und Schulschließungen sowie den Sorgen vor einem überlasteten Gesundheitssystem wird dieses jetzt so wichtige Füreinander-Sorgen omnipräsent. Aus Sicht der städtischen Gleichstellungsstelle könnten als Folge der Anerkennung von systemrelevanten Berufen die klassischen Frauenberufe höher entlohnt und somit die Verdienstlücke zwischen Frauen und Männern reduziert werden. Es sei auch zu hoffen, dass Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen, die zum Thema sexualisierte Gewalt gegen Mädchen und Frauen arbeiten, als systemrelevant eingestuft würden. In der aktuellen Krise liegt die Chance, Prioritäten neu zu setzen, die Frage nach sozialer Gerechtigkeit neu zu stellen und Arbeitsbedingungen sowie Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege zu überdenken. „Gleichstellungsfragen sind Gesellschaftsfragen und betreffen Frauen und Männer gleichermaßen. Wie wollen wir in Zukunft Arbeit gerecht entlohnen und gerecht auf allen Schultern verteilen? Geschlechterfragen sollten nicht zu einem nachrangigen Thema heruntergeredet werden. Sie beinhalten Forderungen, die jetzt angepackt werden müssen. Gleichstellung kann nur dann gelingen, wenn sie konsequent bei allen Planungen und Maßnahmen mitgedacht wird“, so das Fazit der Gleichstellungsbeauftragten Melanie Schiedhelm zur aktuellen Situation.
Gleichstellungsbeauftragte
Für eine moderne Gleichstellungspolitik und für Fraueninteressen bei kommunalen Entscheidungen tritt die Gleichstellungsstelle der Stadt Worms ein. Auch die beiden Gleichstellungsbeauftragten Melanie Schiedhelm und Jasmine Olbort können zurzeit keine persönliche Beratung anbieten. Interessierte können sich jedoch auf der städtischen Internetpräsenz unter
www.worms.de in der Rubrik „Gleichstellung“ informieren oder sich per E-Mail an
gleichstellungsstelle@worms.de wenden.