Nach dem Aus für das geplante Bistro auf dem Marktplatz kommen im NK die Parteien sowie Pietro Vannini zu Wort
Pro und Contra neues Vannini-Café
Eine Animation, die zeigt, wie das neue Vannini-Café hätten aussehen sollen. Grafik: Vannini
Von Gernot Kirch Am Mittwoch zog Pietro Vannini seine Pläne für ein neues Café auf dem Wormser Marktplatz zurück. Der Grund waren unterschiedliche Auffassungen über die monatliche Miete und der zusätzlichen, monatlichen Ablösesumme für fehlenden Parkplätze. Lesen Sie dazu den ausführlichen Artikel vom Mittwochabend auf der Internetseite des Nibelungen Kuriers.
Der NK hat bei den politischen Parteien nachgefragt, warum sie den Vorstellungen von Pietro Vannini letztlich nicht folgten:
Timo Horst (SPD) hätte sich gewünscht, dass Vannini sein Projekt realisiert. Allerdings sei die Mehrheit des Ausschusses der Meinung gewesen, dass die von Herrn Vannini kurz vor Ostern präsentierte Forderung einem nahezu völligen Verzicht auf eine angemessene Miete gleichgekommen sei. Dies wäre einer fast kompletten Finanzierung der privaten Investition gleichgekommen. „Wir hätten uns gewünscht, dass man nochmals versucht einen Kompromiss auszuhandeln, allerdings nicht zu jedem Preis.“
Hans-Peter Weiler (CDU) bedauert, dass es nicht zu einer Realisierung kommt, aber die Forderungen von Pietro Vannini hätten bedeutet, dass die Stadt letztlich das Objekt bezahlt. Dies wäre eine Wettbewerbsverzerrung gewesen und hätte einen Präzidenzfall geschaffen. Die CDU stehe aber für eine Gleichbehandlung aller Betriebe. Enttäuscht äußerte sich Weiler über die Stadtverwaltung und fragt sich, über was diese eigentlich zwei Jahre mit Vannini verhandelte.
Marcus Centmayer (Grüne) sagte, dass seine Fraktion der Idee eines ganzjährig betriebenen Cafés grundsätzlich positiv gegenüberstand, doch hätten sich die Entwürfe des Gebäudes kontinuierlich verschlechtert. Den Vertragsbedinungen konnten sie im Ausschuss nicht zustimmen, denn damit hätte die Stadt das Objekt quasi finanziert, was eine krasse Wettbewerbsverzerrung gegenüber anderen Betrieben bedeutet hätte.
Mathias Englert (FWG) drückte sein Bedauern über die Entscheidung von Vannini aus: „Besser wäre es sicher gewesen, zuerst über Finanzielles zu sprechen als über die Bodenbeläge oder die Fassade. Englert wünscht sich, dass beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückkehren. Ein ganzjährig geöffnetes Café sei wichtig für eine Belebung der City. Zudem zweifelt er das Verhandlungsgeschick der Verwaltung an. Diese müsse lernen, dass es sich bei Unternehmern um diejenigen handelt, die ihre Gewerbesteuer und Miete zahlen und Arbeitsplätze schaffen.
Stellungnahme Pietro Vannini
Pietro Vannini erklärte die Gründe für seinen Rückzug gegenüber dem NK in einem Schreiben. Darin führte er aus, dass sich einige Wormser Politiker zum Verlauf des Projekts „Eiscafé“ und zu seinem persönlichen Verhalten in einer Art und Weise geäußert, die er so nicht stehenlassen kann und möchte.
Zunächst betonte er in dem Schreiben, dass er von Anfang auf eine große Transparenz zum Verlauf des Projekts Wert legte. Er, Pietro Vannini, habe alle Beteiligten stets über seine Planungen, Vorhaben und Wünsche informiert und mit ihnen abgesprochen. Nichts liege ihm ferner, als „ ein Zocker oder Pokerspieler“ an ein solches Projekt heranzugehen. Als ein seriöser und erfolgreicher Geschäftsmann müsse er zielführend planen und realistisch kalkulieren.
Seit über 10 Jahren habe er sich bereits mit dem Projekt „Eiscafé“ beschäftigt. In dieser Zeit habe er 15 verschiedene Pläne für den Neubau vorgelegt. Vor drei Jahren wurden die Pläne schließlich konkreter. Die Stadt äußerte den Wunsch nach einem zweigeschossigen Gebäude, denn die Stadt betrachtete das Projekt auch als Aushängeschild zum Rheinland-Pfalz-Tag 2018.
Pietro Vannini führte weiter aus, dass er damals eine nicht unerhebliche monatliche Miete an den Vermieter bezahlte, der davon aufgrund eines bestehenden Erbbaurecht-Vertrags einen Anteil an die Stadt Worms bezahlte. Der Erbbaurechts-Vertrag endete zum 31. Dezember 2016. Deshalb wollte Pietro Vannini mit seinem bisherigen Eisgeschäft vorübergehend in die gegenüberliegende Immobilie umziehen, die sich in seinem Besitz befindet. Aber die Beteiligten der Stadt Worms hätten ihm, Vannini, vorgeschlagen, den Mietvertrag zu den gleichen Konditionen nun mit der Stadt weiterlaufen zu lassen, bis der Neubau fertig sei.
Für den Neubau sollte dann ein neuer Mietvertrag für 25 Jahre geschlossen werden, nach Ablauf des Vertrags sollte die Immobilie in den Besitz der Stadt über. Es wurde besprochen, so Pietro Vannini, dass die Miete des neuen Vertrags niedriger sei als die bisherige, denn dafür würde er ja zwei Millionen Euro in den Bau investieren und die Immobilie auch über die Jahre hinweg mit enormen Kosten instandhalten – um sie schließlich nach Ablauf des Vertrags an die Stadt zu übergeben.
Der Auffassung von Pietro Vannini nach war dies eine gute Rechnung für die Stadt Worms: 540.000,- Mieteinnahmen plus ein Gebäude im Wert von zwei Millionen Euro plus 1,5 Millionen Euro Gewerbesteuer – ohne etwas zu investieren.
Aufgrund dieser Absprachen erklärte sich Pietro Vannini einverstanden und verzichtete sogar auf eine nicht unerhebliche Ablöse für das bestehende Eisgeschäft auf dem Marktplatz. Seiner Meinung nach sei dies ebenfalls ein gutes Geschäft für die Stadt Worms gewesen, denn der Kiosk sei auch nach 35 Jahren noch sehr gut erhalten.
Nach der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses war Pietro Vannini sehr enttäuscht. In seinem Schreiben sagte er: "Ich musste nach der Sitzung des Stadtausschusses leider feststellen, dass sich nicht mehr alle an die Absprachen erinnern konnten oder wollten. Nun wurden plötzlich von einigen Politikern Argumente vorgebracht, man könne einem Unternehmer nicht etwas schenken, der Wettbewerb sei auch zu schützen u.s.w., deshalb könnte die Miete nicht reduziert werden und zusätzlich wurde die Forderung nach einer beachtlichen Stellplatz-Ablöse gestellt."
Abschließend schrieb Pietro Vannini, dass er sehr überrascht war, weil er davon ausging, alles Finanzielle sei bereits besprochen.Er betont, dass natürlich Regeln und Gesetze für jeden gleichermaßen gelten und es ist für ihn selbstverständlich sei, dass diese absolut eingehalten werden müssen. Er frage sich aber, ob dies in Worms tatsächlich für jeden gleich gilt. Seines Wissens musste bisher nicht jeder eine Stellplatz-Ablöse zahlen.
Er hätte durchaus sogar die Parkplatz-Kosten akzeptiert, wenngleich diese Forderung auch erst sehr spät vorgetragen wurde. Was er aber nicht akzeptieren könne, ist, dass die Stadt nach 25 Jahren eine durch Vannini finanzierte Top-Immobilie praktisch geschenkt bekommen wollte. Dies ist für ihn als seriösen Geschäftsmann absolut nicht finanzierbar!
Zum Schluss seines Schreiben sagt Vannini, er habe den Eindruck, dass manche Politiker einfach nicht die Gedanken und Sorgen von Wormser Unternehmern verstehen. Er stehe voll hinter Worms und seinen Bürgern, aber er fühle sich von einigen Politikern betrogen. Im Grunde sei er mit „Süßigkeiten“ geködert worden und sollte nun eine ganz „bittere Pille“ schlucken.
Nochmals bedankte sich Pietro Vannini bei Oberbürgermeister Michael Kissel, Baudezernent Uwe Franz und Volker Roth von der Wirtschaftsförderung, die sich stets um ein konstruktives und faires Gespräch bemüht hätten.
Besonders leid tue es ihm auch für all die Gäste von nah und fern, die sich über unser Ganzjahres-Café sehr gefreut hätten.