Mo., 24.08.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Fr., 18. Oktober 2013, 13:38 Uhr
    Die Diskussionsrunde der SPD zum „3. Verkaufsoffenen Sonntag“ brachte keine neuen Standpunkte, aber wichtige Erkenntnisse

    „Probieren wir es doch einfach mal”



    Interessanter Talk im TE. Von links: Kamilla Zuba, Hans-Georg Orthlauf-Blooß, Andrea Wentsch, Jens Buschbacher, Timo Horst, Jens Guth, Harald Storch, Wolfgang Mayer und Helmut Emler. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Über die Notwendigkeit des 3. verkaufsoffenen Sonntags am 29. Dezember in Worms wird seit Wochen heftig diskutiert. Die meisten Argumente sind dabei ausgetauscht und grundsätzlich geränderte Meinungen traten auch am Donnerstagabend um 20 Uhr beim Diskussionsforum der Wormser SPD zu diesem Thema in der TE Bühne nicht zu Tage.

    So blieben Gewerkschaften und Kirchen in der Eröffnungsrunde bei ihrer ablehnenden Haltung und Einzelhandel und Stadtmarketing befürworteten ihn. Richtig interessant wurde es in der sich anschließenden, teilweise heftigen Diskussion. Nicht jeder war sicher der Meinung vom Center-Manager der Kaiser-Passage, Jens Buschbacher, doch alle hörten gespannt zu, als er vom geänderten Kaufverhalten sprach. So würde es in jeder Stadt inzwischen Einkaufspassagen und Geschäfte wie H &M oder C & A geben. Um Menschen in die Stadt zu locken, müsse man besondere Events bieten. Die Menschen wollten nicht nur Einkaufen, sondern ein Erlebnis haben - und dies möglichst mit der ganzen Familie. An einem verkaufsoffenen Sonntag, so der Manager, würden rund 35.000 Besucher in die Kaiser-Passage strömen, an einem „normalen” Geschäftstagen seien es hingegen nur rund 17.000. Dies alleine würde schon zeigen, welche Bedeutung solch ein Tag für den Einzelhandel hätte.

    Erst kurz vor und nach Weihnachten
    Mit großem Interesse verfolgten die etwa 40 Zuhörer die Aussagen von Kamilla Zuba, der Betriebsrätin der Firma Jost. Sie sprach einerseits von der hohen Vergütung in Form eines 100prozentigen Zuschlages, was den doppelten Lohn an diesem Tag bedeute, aber auch von der Bedeutung des Tages für die Belegschaft. Es wollten am 29. Dezember nahezu alle Beschäftigten arbeiten, da solch ein Tag auch für sie ein besonders Erlebnis sei. Ergänzend sagte sie, dass sich die Einkaufsgewohnheiten der Kunden komplett verändert hätte. So würde in den ersten Dezemberwochen immer weniger gekauft und die Frequenz sei überschaubar, diese erhöhe sich dann aber schlagartig kurz vor Weihnachten und ginge nach den Feiertagen weiter, da dann alle ihre Gutschein einlösen wollten.

    Internet mit zweistelligem Wachstum
    Andrea Wentsch von der IHK betonte, die Wichtigkeit des 29. Dezember, da die Menschen an diesem Tag Geld ausgeben wollten, nicht an einem x-beliebigen Sonntag etwa im Sommer. Und würden sie nicht in Worms einkaufen können, dann eben in einer anderen Stadt oder dem Internet, das bis nachts geöffnet hätte. Sie schloss ihre Ausführungen mit dem Hinweis auf die jährlich zweistelligen Wachstumsraten des Internethandels.

    Lasst es uns einfach probieren
    Der Stellvertretende Vorsitzende des Stadtmarketingvereins, Helmut Emler, sagte in seinem Beitrag, "Lasst es uns doch einfach mal probieren, die Geschäfte öffnen und schauen, ob die Leute einen 3. verkaufsoffenen Sonntag annehmen."

    Seit 3.000 Jahren Arbeitsschutz
    Es gab natürlich genauso die Gegenpostionen. So sprachen der evangelische Dekan Harald Storch vom Sonntag als einem Geschenk an die Menschheit zur Entschleunigung. Seit über 3.000 Jahren sei der Sonntag daher so etwas wie ein Arbeitsschutzeinrichtung. Der ökumenische Kirchenvertreter Hans-Georg Orthlauf-Blooß mahnte die schleichende Aushöhlung des Sonntags an und sagte die Menschen hätten genug Zeit zum Einkaufen. Wenn dies so weiterginge, würde in zwei, drei Jahren der 4. verkaufsoffene Sonntag gefordert.

    Der Wormser DGB-Vorsitzende Wolfgang Mayer räumte ein, dass sich der Einzelhandel entwickeln müsse, aber nicht 29. Dezember. Es hätte schon genug Ausweitungen der Einkaufszeiten gegen. Abschießend formulierte Wolfgang Mayer, er könne ja noch über den 29. Dezember reden, wenn er den Eindruck hätte, damit wäre endlich Ruhe, aber er befürchte, dass dies mit den Forderungen auf längere Öffnungszeiten immer so weitergehe.

    Keine Insel der Glückseligen
    Aus dem Zuschauerraum warf Juwelier Gernot Weber ein, dass Worms keine Insel der Glückseligen sei und das Nach-Weihnachtsgeschäft wichtig sei. Klaus Reitz merkte an, dass niemand gezwungen sei, am 29. Einkaufen zu gehen, jeder der wolle, könne in den Pfälzerwald zum Wandern fahren. Auch hätten sich die Sonntagsgewohnheiten der Menschen geändert. Dieser Tag diene für viele schon lange nicht mehr der Entschleunigung und Besinnung, sondern werde zu allen möglichen anderen Aktivitäten genutzt, wie etwa am PC sitzen und spielen. Helena Frey schlug abschließend vor, doch am 29. Dezember die Geschäfte zu öffnen und dafür einen der andern beiden verkaufsoffenen Sonntage, den Mantelsonntag oder "Worms blüht auf", zu schließen.

    Beitrag aus der Rubrik

    » Aus dem Nibelungenland
    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1
    Anzeige AmtsblattAnzeige Tip SüdhessenAnzeige Klinikum Worms - Tag der offenen Tür
    Anzeige das WormserAnzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige Ticketshop