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  • Di., 07. Januar 2020, 10:38 Uhr
    DR. SILVIUS WODARZ STIFTUNG: Robinie zum Baum des Jahres 2020 gekürt

    Problematisch und genial

    Die Robinie gehört zu den Schmetterlingsblütlern und ist daher mit Erbsen und Bohnen verwandt. Foto: Landesforsten.RLP/Volker Westermann


    Reichlich verdutzt waren viele Förster, als ausgerechnet die nicht einheimische Robinie (Robinia pseudoacacia) zum Baum des Jahres 2020 von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung gekürt wurde. Welche Gedankengänge waren da im Spiel? Die Baumart ist definitiv umstritten, für den Waldbau und den Naturschutz problematisch, aber in mancher Hinsicht auch genial.

    Einwanderer aus Amerika
    Von Natur aus kommt die Robinie im Osten Nordamerikas vor. Dort wächst sie als Mischbaumart in artenreichen Laubwäldern. Wohl vor allem aufgrund der schönen Blüten und des hohen Nektarreichtums fiel diese Baumart Botanikern auf und sie wurde schon früh nach Europa importiert. Ihren Namen verdankt sie dem Pariser Gärtner Jean Robin, der sie in Parks kultivierte. Von dort aus eroberte die Robinie schnell den europäischen Kontinent.

    Mit der Erbse verwandt

    Die Robinie wird auch Falsche Akazie oder Scheinakazie genannt, weil sie Akazien etwas ähnelt. Das spiegelt sich auch im lateinischen Namen „pseudoacacia“ wider. Aber mit den Akaziengewächsen besteht keine echte Verwandtschaft. Botanisch gehört die Robinie zu den Schmetterlingsblütlern. Sie ist daher mit Erbsen und Bohnen verwandt. Und ebenso wie diese verfügt die Robinie über Knöllchenbakterien, die in der Lage sind, Luftstickstoff zu binden. Das verschafft ihr einen genialen Ernährungsvorteil. Womit der Siegeszug gegenüber heimischen Baumarten beginnt. Sie wächst aufgrund des verfügbaren Stickstoffs selbst auf nährstoffärmsten Böden und verändert diese zu ihren Gunsten. Da sie in der Jugend schnell wächst, überrundet die Robinie andere Gehölze und entwickelt vor allem auf trockenen Böden, an Hangkanten, auf Kuppen oder Sandböden eine auffallende Dominanz gegenüber heimischen Arten. Für die Artenvielfalt sind diese Wälder jedoch wenig wertvoll. Heimische Arten können mit der Robinie kaum etwas anfangen – sie haben sich nicht auf diese Baumart spezialisieren können. An der Eiche leben über 1000 Insektenarten, die aussterben würden, gäbe es keine Eiche. Das wäre ein gewaltiger ökologischer Schaden. Würde die Robinie verschwinden, so würde das die heimische Insektenwelt wenig berühren.

    Imker stehen auf Robinien

    Spätestens an dieser Stelle schreit mancher Imker auf. Die Honigbiene profitiert von den nektarreichen Blüten sehr, die Robinie liefert den berühmten Akazienhonig in großen Mengen, wenn das Wetter zur Trachtzeit stimmt. Von dem Nektarreichtum profitieren sicher auch andere Insekten – in ihrer Existenz sind sie jedoch nicht von der Robinie abhängig. Für Imker ist eine gute Akazientracht wichtig. Berufsimker füllen eine landwirtschaftliche Nische aus. Ähnlich wie Schäfer ist mit den Erträgen in einer solchen Nische nur schwer zu überleben. Aber für Vielfalt in der Natur und für die Bestäubung der Nutzpflanzen sind Honigbienen immens wichtig.

    Hammerhartes Holz

    Auch das Holz dieser Baumart hat geniale Eigenschaften. Es ist äußerst hart und hat einen der höchsten Brennwerte der hier wachsenden Hölzer. Besonders im Außenbereich, z.B. auf Kinderspielplätzen, für den Lawinenschutzverbau, früher auch als Weinbergspfahl ist die Robinie ideal, da die natürlichen Gerbstoffe das Holz sehr witterungsbeständig machen.

    Robinie und Klimawandel

    Vielleicht hat man bei der Wahl zum Baum des Jahres ja auch an den Klimawandel gedacht. Robinien kommen mit Trockenheit und hohen Temperaturen eigentlich gut klar. Die Grünämter der Städte mögen sie, weil sie zudem noch sehr widerstandsfähig gegenüber Salz ist, weshalb sie als idealer Stadtbaum gilt. In den letzten beiden Sommern mit Extremhitze und wenig Wasser schwächelten aber auch manche Robinien, etliche wurden im oberen Stammteil trocken. Die Baumart kann unsere Wälder bereichern – in sehr trocken-warmen Regionen wie Rheinhessen kann sie aber auch unerwünscht dominant werden.

    Was tun die Förster?

    Die Robinie hat sich in vielen Wäldern Rheinhessens mittlerweile etabliert und wird aufgrund ihrer Dominanz nicht mehr verschwinden. In Gebieten mit hohem Naturschutzwert, wie z.B. dem trockenen Lennebergwald behalten die Förster die Art im Auge und drängen sie – wo nötig – zurück. Einen besonderen forstlichen Schutz braucht sie nicht. Man kann gut mit ihr leben.

    Ausführliche Informationen zu dieser Baumart gibt es im Internet unter
    https://www.baum-des-jahres.de/

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