Di., 18.08.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Mi., 14. Dezember 2022, 10:36 Uhr
    RÜBENANBAU: Neuer Sortenstamm für stabilere Erträge auch unter schwerem Schädlingsbefall entdeckt

    Projekt bringt Hoffnung auf den Acker

    Durch den Klimawandel und eine invasive Zikadenart ist der Zuckerrübenanbau für viele landwirtschaftliche Betriebe zuletzt zunehmend schwieriger geworden. Die Zikaden übertragen nämlich mehrere bakterielle Krankheitserreger, die bei Zuckerrüben zu teils dramatischen Zuckergehaltseinbrüchen führen. Eine Ertragsminderung um bis zu 50 Prozent ist dabei möglich.

    Das NIKIZ-Projekt hat sich dank Förderung aus Europa und dem Land Rheinland-Pfalz daher von Beginn an dieser Problemstellung besonders angenommen und in einem Team von Wissenschaftlern, Beratern und Landwirten gemeinsam nach Lösungen geforscht. Schon vor zwei Jahren wurde im NIKIZ-Projekt die erste gegen diese neue Bakterienkrankheit tolerante Sorte „FITIS“ entdeckt. Das europäische Innovationsprojekt hatte mit Sortenversuchen, die auf landwirtschaftlichen Partnerbetrieben stattfanden, mehrere vermeintlich leistungsfähige Sorten getestet und konnte diese auch direkt im Folgejahr im Flächenanbau auf den Praxisprüfstand stellen. Im Jahr 2021 kamen neue Sorten hinzu, die ähnlich positive Leistungen zeigten. In den Sortenversuchen der ARGE Zuckerrübe Südwest und des NIKIZ-Projektes 2022 haben sich diese Leistungen bestätigt.

    Jetzt kann das Innovationsteam einen neuen Erfolg vermelden: Im internationalen NIKIZ-Sortentest 2022 zeigte sich schon optisch ein neuer Hoffnungsträger in den Versuchen. Dieser fiel bereits den Besuchern der SONAR-Feldtage im Juli/August innerhalb der dort gezeigten Sortenversuche positiv auf. SONAR ist das Folgeprojekt, bei dem man sich auf Sorten konzentriert, die ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bessere Erträge bei dieser Krankheit zeigen. Ein Stamm, der schon im nächsten Jahr eine neue Sorte werden könnte, zeigte überragende Leistungen trotz schwerstem Befall. Und das auf allen Standorten im Befallsgebiet.

    „Das ist sehr ungewöhnlich und daher auch nicht zu übersehen. Mit solchen wissenschaftlich fundierten Versuchsergebnissen und dem intensiven begleitenden Monitoring der Krankheitssymptome können wir von großer Hoffnung für bessere Erträge durch tolerante Sorten sprechen“, ordnete Verbandsgeschäftsführer und Projektleiter Dr. Christian Lang die Ergebnisse ein. Die Teamleiterin des neuen SONAR-Projektes, Anna Dettweiler, ergänzte: „Besonders auffällig waren die deutlich gesünderen Blätter und sichtbar größere Rüben gerade unter dem enormen Krankheitsdruck, während andere Sorten fast vollständig zusammengebrochen sind.“ Für das NIKIZ-Projektteam, dem Dettweiler bis vor einem Jahr angehörte, sei dies der größte Erfolg zum Schluss des Projektes. Gleichzeitig werde deutlich, dass die Entscheidung, mit dem Projekt SONAR noch stärker auf die Sortenwahl zu setzen, goldrichtig war. Durch eine optimale Sortenwahl können die Landwirte zukünftig auf eine wirtschaftliche Zukunft ihrer Betriebe bauen und zudem Pflanzenschutzmittel einsparen.

    Optimierte Sortenauswahl
    Für ihr SONAR-Team, das sich in vier Wochen in voller Besetzung um diese Aufgaben der optimierten Sortenwahl kümmert, sei es eine Steilvorlage. „Die großen Fußstapfen des NIKIZ-Projektes sind Mutmacher, aber auch Maßstab für unser neues Projekt“, erklärte Dettweiler in Worms bei der Vorstellung der Projektergebnisse. Ende November präsentierte Dettweiler in Mainz das SONAR-Projekt im Kreis der Innovationsprojekte des rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministeriums. Die Erfolgserwartung sei – nach den hervorragenden Leistungen im NIKIZ-Projekt – allgemein bereits sehr groß. Als wichtigen „Schlüssel zum Erfolg“ nannte Dettweiler dabei die gute Zusammenarbeit mit den Züchtungsunternehmen. „Ohne die Züchter wäre das alles hier nicht möglich!“ Diesen biete man im Projekt auch auf den SONAR-Pilotbetrieben eine Plattform, um zwanglos und doch zielorientiert neue Sorten zu testen.

    Im Jahr 2022 hat die durch Zikaden übertragene bakterielle SBR-Krankheit die Grenzen des Verbandsgebietes sowohl im Odenwald als auch südlich von Frankfurt und hinter Wiesbaden erreicht. Auf über 50.000 ha schätzt Projektleiter Lang die inzwischen befallene Fläche in Deutschland. Tendenz steigend. Jedes Jahr würden weitere 10–25 km durch die Zikaden erobert. Nach Überzeugung des Forschungsteams sei es nur eine Frage der Zeit, bis große Teile Deutschlands und Europas von der Zikade erfasst würden. Dabei unterscheiden sich zunehmend die Regionen auch in der Stärke der Schadsymptome. Daher sind alle Züchtungsunternehmen alarmiert und werden sich der Selektion toleranter Sorten verstärkt widmen. Die Projektpartner rufen die Unternehmen auf, im Südwesten stärker in Sortenversuche zu investieren, da dort der massivste Schädlingsdruck in Europa herrscht. Gute Sorten müssen ihre Leistungsfähigkeit also sofort unter extremen Bedingungen beweisen und können leichter aus dem Züchtungssortiment herausgefiltert werden.

    Genau diese Vielfalt der vorhandenen Genetik der Zuckerrübe könnte einmal mehr die Rettung für den gebeutelten Rübenanbau werden. Nachhaltigkeit ist also nur möglich mit Vielfalt – auch das ist ein ermutigendes erstes Ergebnis des alten und des neuen EU-Innovationsprojektes. Schnelligkeit in der Umsetzung und Beratung sind dabei fast selbstverständlich im Verbund von Praxis und Forschung auf dem Acker.

    Durch eine optimale Sortenwahl können die Landwirte zukünftig auf eine wirtschaftliche Zukunft ihrer Betriebe bauen und zudem Pflanzenschutzmittel einsparen.

    Beitrag aus der Rubrik

    » Aus dem Nibelungenland
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1
    Anzeige TicketshopAnzeige Tip SüdhessenAnzeige Amtsblatt
    Anzeige das WormserAnzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige 3 Füller 1