Mo., 05. Januar 2015, 09:41 Uhr
Der Schlagabtausch der Offenen Briefe geht mit der Erwiderung auf das jüngste Schreiben des Barockbläserensembles weiter
Propst Schäfer: Domplatz bleibt uneingeschränkt nutzbar
Sehr geehrter Herr Weiß,
auch auf Ihr neuerliches (offenes) Schreiben möchte ich umgehend antworten. Keine Frage: das Thema "Haus am Dom" interessiert die Öffentlichkeit, undwir haben als Domgemeinde darum auch zu keinem Zeitpunkt das Thema "hinter verschlossenen Türen" diskutiert oder diskutieren wollen. Auch wenn leider der Eindruck in der Öffentlichkeit immer wieder fälschlich erweckt wird oder uns solches unterstellt wird: Fakt ist, dass wir bereits vor Beginn der konkreten Planungen die Öffentlichkeit im August 2012 im Rahmen eines Pressegesprächs über die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie und unsere konkreten Baupläne informiert hatten; dann wurde der Architektenwettbewerb ausgeschrieben und auch hier das Ergebnis im Januar 2013 zunächst der Presse, dann Anfang Februar der Gemeinde vorgestellt; daraufhin hat die Kirchengemeinde Ende Februar 2013 zu einer öffentlichen Präsentation und Diskussion, an der über 600 Personen teilnahmen, in den "Wormser" eingeladen. Als Ergebnis der Diskussion und Kritik wurde der erste Entwurf grundlegend überarbeitet und ein neuer Entwurf im November 2013 wiederum öffentlich vorgestellt. Und auch der sich daran anschließenden öffentlichen
Diskussion haben wir uns nie entzogen, deshalb schreibe ich ja auch Ihnen.
Wenn ich in meinem letzten Schreiben angemerkt habe, dass ich einen offenen Brief vor jedem Versuch, zunächst einmal ein persönliches Gespräch zu führen, für keinen guten Stil halte, dann bestreite ich Ihnen damit freilich nicht Ihr Recht, an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich bleibe aber dabei: ich persönlich setze sehr auf das persönliche Gespräch und ich hätte mich gefreut, wenn vor einer solchen öffentlichen Auseinandersetzung in Form von offenen Briefen zunächst die Möglichkeit bestanden hätte, sich überhaupt einmal persönlich kennen zu lernen und im Gespräch vielleicht das eine oder andere zu klären. Ich wäre zu einem solchen persönlichen Gespräch jederzeit bereit gewesen und bin es nach wie vor, so wie ich bislang auch keiner Diskussion in dieser Frage aus dem Weg gegangen bin.
Auch bestreite ich nicht: Es ist auch Ihr gutes Recht, bei Ihrer Auffassung zu bleiben, so wie es meines ist, auch bei meiner Überzeugung zu bleiben, dass das Haus, wenn es dann steht, der Veranstaltung "Turmblasen" keinen Abbruch tun wird, so wie auch anderen Veranstaltungen, die traditionell auf dem Domplatz stattfinden. Ich kann hier nur wiederholen, was ich auch vorher schon geschrieben habe: der Domplatz wird nach Fertigstellung des Hauses u
neingeschränkt wieder zur Verfügung stehen und das Haus wird den zur Verfügung stehenden Platz auch nicht um einen Quadratmeter kleiner machen.
Das in der Bauzeit Einschränkungen nicht zu vermeiden sind, kann ich nur bedauern, aber nicht ändern. Dass der Bauzaun daher der besinnlichen Atmosphäre sicher nicht zuträglich war, bestreite ich auch nicht. Noch einmal: wir werden unsererseits bemüht sein, die Bauzeit so kurz wie nur möglich zu halten, aber es gibt letztlich über das Jahr keine Zeit, in der nicht Veranstaltungen betroffen wären. Hier kann ich mich nur wiederholen: mit etwas gutem Willen werden sich hier jeweils gute Lösungen finden lassen.
Zu Ihrem Vorwurf, wir hätten den Bauzaun, wenn die Grabungen im Januar beginnen sollen, auch noch nach Weihnachten stellen können: hier gehen Sie, glaube ich, einfach von falschen Voraussetzungen aus. Es haben ja, wie Sie sicher festgestellt haben, bereits umfangreiche Maßnahmen stattgefunden: der Plattenbelag aus Sandsteinplatten des Domplatzes musste auf einer Breite von ca. 8 Metern abgetragen werden, damit die Platten nicht durch das Befahren mit Baumaschinen Schaden nehmen - allein diese Maßnahme hat weit über eine Woche in Anspruch genommen; die an diesem Platz einzurichtende Baustraße musste anschließend ausgekoffert und mit entsprechendem Material so aufgefüllt werden, dass sie nach Ende der Baumaßnahmen problemlos zurück gebaut werden kann; es mussten historische Spolien, die in den Kiosk und die Kreuzgangmauer verbaut waren (u.a. ein großes Maßwerkstück und der Löwe an der Treppe zur Nikolauskapelle) sorgfältig ausgebaut und gesichert werden; die Treppe zur Nikolauskapelle musste ebenso sorgfältig abgebaut, das Material sicher gelagert werden usw.
Alle die vorbereitenden Maßnahmen hätten eben nicht innerhalb weniger Tage nach Weihnachten stattfinden können. Das bauleitende Architekturbüro hatte im Vorfeld für diese Maßnahmen einen Zeitplan von gut 4 Wochen errechnet, so dass wir, wie wiederholt gesagt, Anfang Dezember mit diesen Arbeiten beginnen mussten - übrigens auch deshalb, weil wir bemüht waren, dass diese Maßnahmen bis zum Turmblasen möglichst abgeschlossen sein sollten, damit gerade nicht Baumaschinen, Bagger oder ein aufgerissener Domplatz das Ambiente noch mehr stören. Das ist uns auch gelungen. Die archäologischen Grabungen, so ist es mit der zuständigen Behörde seit langem fest vereinbart, beginnen am 19. Januar (die Formulierung in Ihrem Brief von den "angeblichen Grabungen", die uns offenbar unterstellen will, dass die archäologischen Grabungen gar nicht ernsthaft geplant seien, halte ich daher für reichlich deplatziert und unfair). Dass die Baustraße - und damit die Absperrung knapp 8 Meter breit sein muss, ist uns leider durch Auflagen vorgegeben, die uns diese Breite vorgeschrieben haben, damit die Baumaschinen sicher und ohne Gefährdungen wenden können.
Nochmals: es ist Ihr gutes Recht, bei Ihrer Überzeugung zu bleiben. Ich darf daher aber gewiss auch meine Überzeugung noch einmal wiederholen, dass das Haus auch und gerade an diesem Platz möglicherweise für künftige Veranstaltungen auch neue Chancen und Möglichkeiten bieten wird. Und ich möchte noch einmal wiederholen, dass wir als Domgemeinde gerade auch das Turmblasen auch künftig uneingeschränkt und nach Kräften gerne unterstützen wollen. Ich habe es in diesem Jahr zum ersten Mal erleben dürfen und bin - ausdrücklich vor allem auch dem Barockbläser-Ensemble - sehr dankbar für diese schöne und eindrucksvolle Tradition der Einstimmung auf Weihnachten. Auch deshalb hätte ich mich gefreut, wenn vor diesen öffentlichen Schreiben einmal Gelegenheit für ein persönliches Kennenlernen und Gespräch gewesen wäre.
Mit freundlichen Grüßen
Tobias Schäfer, Propst