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  • Mi., 15. Februar 2017, 00:52 Uhr
    Aufgrund der vielen Unfalltoten erhöht Rheinland-Pfalz auch in Rheinhessen die Anzahl der Radaranlagen

    Rasern geht es an den Kragen

    In der Stadt Worms kommt ab April ein zweiter mobiler Radarwagen zum Einsatz. Foto: Fotolia/Sven Grundmann


    Von Gernot Kirch Pro Jahr sterben in Deutschland rund 3.500 Menschen im Straßenverkehr. Im Vergleich dazu, im Jahr 2015 wurden in Deutschland „nur“ 296 Menschen ermordet. Terroropfer waren es in 2016 nicht mal 20. Doch während der Terrorismus für Panik und Hysterie sorgt, scheinen die Deutschen die Toten im Straßenverkehr relativ gleichgültig mit einem Achselzucken hinzunehmen.

    Zu den bundesweit 3.500 Toten kommen noch rund 400.000 verletzte Menschen hinzu. In Rheinland-Pfalz sind es jedes Jahr rund 200 Todesopfer im Straßenverkehr, bei der Hälfte davon ist die alleinige Ursache überhöhte Geschwindigkeit, also Raserei. Darüber hinaus werden über 5.000 Menschen, auch Kinder, in Rheinland-Pfalz durch überhöhte Geschwindigkeit verletzt, teilweise schwer, sodass viele im Rollstuhl sitzen oder unter anderen tragischen Folgen zu leiden haben. Die Tendenz ist dabei nicht sinkend, sondern leicht steigend. Alle Appelle an die Vernunft der Autofahrer fruchten nicht, zumindest wenn man die Statistik als Basis nimmt. Es scheint, wenn der Deutsche ein Gaspedal unter dem rechten Fuß hat, kennt er nur eines: „Gas geben, koste es, was es wolle!“

    Mehr Radaranlagen In Rheinland-Pfalz

    Die Landesregierung in Mainz möchte die hohen Unfallzahl nun senken. Ein Mittel hierfür sollen vermehrte Geschwindigkeitskontrollen durch Radaranlagen auf überregionalen Straßen (Bundes- und Landesstraßen, Autobahnen) sein. Hierfür werden fünf stationäre Blitzanlagen und zehn neue mobile Radarmessgeräte auf Anhängern mit modernster Technik eingeführt.

    Schaut man auf die bundesweit rund 4.200 fest installierten Radaranlagen, griff Rheinland-Pfalz eher zurückhaltend auf dieses Kontrollinstrument zurück. Im Land der Reben und Rüben standen bisher nur etwa 160 Stück, wobei dies sowohl kommunale wie auch vom Land eingerichtete Anlagen waren. Im Vergleich dazu waren es laut dem Deutschen Verkerssicherheitsrat in Baden-Württemberg 1.100, in Hessen 770 und in Nordrhein-Westfalen 960.

    Mehr Kontrollen in Rheinhessen

    Von den fünf neuen stationären Radaranlagen auf den überregionalen Straßen in Rheinland-Pfalz werden zwei Stück in Rheinhessen, im Großraum Mainz, aufgestellt. Die anderen drei kommen ins übrige Land. Von den zehn neuen, mobilen Anlagen erhält jedes Polizeipräsidium zwei der Radaranhänger. Dies bedeutet, in Rheinhessen werden zwei davon zum Einsatz kommen und ebenso zwei in der Pfalz. Mit verstärkten Kontrollen ist in der Region unter anderem auf den Bundesstraßen 9, 47 und 420, aber auch auf den Autobahnen 61 und 63 mit Radarkontrollen zu rechnen.

    Worms bekommt zweiten Radarwagen

    Im innerstädtischen Bereich von Worms gibt es momentan sechs stationäre Anlagen, sogenannte „Starekästen“ sowie einen mobilen Radarwagen. In diesem Jahr wird ein zweites mobiles Tempomessgerät in Dienst gestellt. Die Kosten für die Anschaffung belaufen sich auf rund 150.000 Euro. Der Wagen mit Technik wird der Stadt im März zulaufen, dann beginnen die Schulungen der Mitarbeiter und ab April 2017 wird er in Worms im Einsatz sein, um Raser zu überführen. Insgesamt werden in Worms pro Jahr rund 8.000 Temposünder überführt. Viele davon in Wohngebieten, rund um Schulen und Kitas. Neben der angestrebten Senkung der Unfallzahlen geht es bei der Einhaltung der vorgeschrieben Geschwindigkeit auch um die Vermeidung von Lärm. Ein anderes Instrument zur Vermeidung von lauten Motorgeräuschen, besonders nachts, ist ein Herabsetzung der innerstädtischen Geschwindigkeit auf ausgewählten Straßen von Tempo 50 auf 30.

    Modernes Raubrittertum ?

    Für viele Autofahrer sind die Geschwindigkeitskontrollen eine Art modernes Raubrittertum, bei dem die Kommunen nur ihr Stadtsäckel aufbessern wollen. Vergessen wird dabei, dass mit der Installation auch hohe Personal- und Sachkosten verbunden sind. So schreibt etwa Detlev Lipphard vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), dass die Kostendeckung bei Radaranlagen in Städten und Kreisen häufig nicht erreicht werde.
    „Warum also welche aufstellen“, lautet daher die vielgestellte Frage. Letztlich geht es wohl aber um Verkehrserziehung und Sicherheit, weil viele Autofahrer leider nur über den Geldbeutel oder Punkte in Flensburg zu einer Änderung ihres Fahrverhaltens zu bewegen sind.

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