Mit einer gut besuchten Vernissage eröffneten Christine Friedrich und Bettina Dengl im gleis 7 ihre Ausstellung „konkretabstrakt“
„Rein ins Leben“
Bis zum 21. Oktober ist im gleis 7 die aktuelle Ausstellung „konkretabstrakt“ zu sehen.
Aus dem Fahrstuhl kommend, warten Gegensätze: leuchtend blaue Farbtöne, schwungvoll aufgetragen und zu einer kantig flächigen Ordnung arrangiert; daneben die filigranen Spiegelungen und Lichtspiele der Kristalle eines Kronleuchters. Kontrastreich präsentieren diese beiden Bilder die verschiedenen Herangehensweisen von Bettina Dengl und Christine Friedrich.
Während für Bettina Dengl Formen, Farben und Materialien den Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit bilden, sind es für Christine Friedrich Gegenstände oder Menschen, sehr oft verbunden mit persönlichen Reiseerinnerungen, gekonnt fotografiert von ihrem Mann. So sind ihre ausdrucksstarken Portraits im letzten Ausstellungsraum inspiriert von Fotos ihrer gemeinsamen Reisen nach Südafrika und Paris, die Kristalle des Leuchters fand das Ehepaar auf einem Flohmarkt in Basel. Und eine halb geleerte Tasse fängt einen typischen Wormser Moment ein: Einen Kaffee bei Vannini.
Bilder, in die man tief hineinschauen kann.
Aber die Bilder sind weit entfernt davon, Fotos nur wiederzugeben. Sie lassen eine ganz eigene Stimmung entstehen. Bei aller Konkretheit geht etwas Träumerisches, fast Flüchtiges von ihnen aus. Eine Transparenz und Leichtigkeit, als ob man tief in sie hinein oder weit durch sie hindurch schauen könnte. Eine ungewöhnliche Technik macht das möglich. Christine Friedrich: „Ich verwende Tusche, manchmal gemischt mit weißer Acrylfarbe. Das ermöglicht mir sehr nuancierte Hell-Dunkel Kontraste.“
„Probier doch aus, was dich glücklich macht.“
Durchlässig und vielschichtig sind auch die Arbeiten von Bettina Dengl. Aber hier entsteht dieser Eindruck durch die experimentierfreudige Verwendung von Wachs, Marmormehl, Papier, Stoffen, Zeitungsausschnitten oder Spachtelmasse. Und natürlich Farben, oft leuchtend und kraftvoll. Aus ihnen bezieht Bettina Dengl ihre Inspiration ebenso wie aus Formen, Materialien oder Worten: 'Zeit', ist da zu lesen, 'rein ins Leben', 'Freude'. Und diese Freude an der Kunst überträgt sich durch ihre manchmal flächigen, manchmal filigranen Arbeiten ebenso, wie wenn sie davon erzählt. Gut vorstellbar, wie sie auch andere für den kreativen Prozess begeistert, den sie selber so liebt. Hier beim Caritasverband arbeitet sie immer wieder künstlerisch mit Frauen, die mit einer Sucht zu kämpfen haben und beteiligt sich an Präventionsmaßnahmen gegen Burn Out am Arbeitsplatz in Wormser Firmen. „Probier doch aus, was dich glücklich macht, sage ich immer wieder. Ich selber habe das als etwas sehr Heilsames erfahren.“
Diese beiden Frauen gehen einen unterschiedlichen künstlerischen Weg. Dabei teilen sie sich ein Atelier im Kunsthaus und haben sogar denselben Beruf: Innenarchitektin. Vielleicht ist aber auch hinter ihrer kontrastreichen Arbeit mehr Verbindendes, als man auf den ersten Blick vermutet. Abstrakt? Bettina Dengls Materialien und Zeitungsausschnitte haben etwas bodenständig Gegenständliches. Konkret? Christine Friedrichs Gesichter und Gegenstände verweisen mit ihrer Transparenz auf etwas, das jenseits des Konkreten liegt – oder auch dahinter. Oder mittendrin.
Öffnungszeiten der Ausstellung:
Vom Freitag, dem 2. September bis Freitag, dem 21. Oktober, ist die Ausstellung montags bis freitags von 9 bis 17.30 Uhr im gleis 7 in der Renzstraße 3 im 1. OG (Zugang durchs café gleis 7) geöffnet.