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  • Mo., 07. Juli 2014, 14:31 Uhr
    Jeden Mittwoch ist die KiTa St. Lukas zu Gast bei der Reittherapie Bernstorf

    Reittherapie mit dem Kindergarten



    Isabelle Singer-Bernstorf führt Cameron auf Twister (li) und Jussuf auf Tamal (re)


    Strahlende Kinderaugen in jeder Richtung, wenn man sich an diesem Morgen auf dem kleinen Sandplatz auf dem Hof von Familie Singer-Bernstorf in Hangen-Wahlheim umsieht. Während Jussuf bereits auf einem Pferd sitzt und vor Aufregung ganz still wird, ist Cameron mit Hilfe einer kleinen Trittleiter gerade auf dem Weg auf den Pferderücken. David und Marlon hingegen kraulen hingebungsvoll Hofhund Ecki.

    Wie fast jeden Mittwochmorgen seit Jahresbeginn ist auch am 2. Juli eine kleine Gruppe der Kindertagesstätte St. Lukas aus Worms auf dem Hof bei Isabelle Singer-Bernstorf. Sie führt die Kinder langsam an die Tiere heran: „Dabei geht es nicht darum, perfekte Reiter aus ihnen zu machen, sondern ihre Wahrnehmung zu schulen. Zum einen gegenüber den Tieren, aber auch sich selbst gegenüber, “ erläutert die diplomierte Sozialpädagogin und Reittherapeutin.

    Seit diesem Jahr werden auch die Kinder der KiTa St. Lukas reittherapeutisch begleitet. Die Gruppe, die aus vier bis fünf Kindern besteht, ist mit Abstand die größte Gruppe, die Singer-Bernstorf betreut. Für die Kinder kein Problem: Es wird abgewechselt, und wer gerade nicht reitet, tollt mit den Hunden nebenher. Vieles geht, wenig muss, und so ist es auch kein Problem, wenn einer der kleinen Teilnehmer wie an diesem Mittwoch mal keine Lust hat, aufs Pferd zu steigen, und sich stattdessen als umsichtiger Hundeführer übt. Aber: gutes Mitmachen und Kooperieren ist Pflicht, für Querulanten steht die Reitstunde des jeweiligen Tages auf dem Spiel- aber Glück gehabt, an diesem Morgen dürfen alle aufs Pferd.

    „Die Kinder freuen sich immer riesig, herzukommen,“ berichten die Erzieherinnen, „und sind oft vorher schon ganz aufreget.“ Bei den Nachwuchsreitern direkt nachgefragt, fallen die Antworten eher einsilbig aus, so sehr konzentrieren sie sich auf das, was sie tun.

    Aber nach diesem Monat heißt es erstmal Abschied nehmen für Cameron, Jussuf, David und Marlon, denn dann ist die nächste Gruppe der KiTa an der Reihe. Alle sechs Monate wird gewechselt, auch wenn Singer-Bernstorf einigen Kindern unbedingt empfiehlt weiterzumachen. „Man sieht ja, was für eine Freude sie daran haben und auch wie sie sich über die letzten Monate entwickelt haben. Das jetzt weiterzumachen, würde ihnen sicherlich gut tun und gefallen.“ Das sieht Silke Gegenheimer ganz genauso: „Einige Kinder haben solche Sprünge in ihrer Entwicklung gemacht. Während sie am Anfang noch eine gehörige Portion Angst vor den Pferden hatten und gehemmter waren, sind sie jetzt überhaupt nicht mehr von den Pferden weg zu bekommen,“ freut sich die Leiterin der KiTa St. Lukas, die das Projekt Therapeutisches Reiten im kommenden Jahr unbedingt weiterführen möchte. Die Initiative ist zu 100 Prozent durch Spenden finanziert. Für dieses Jahr reichen die Gelder, für das nächste Jahr hofft sie auf weitere: „Wir hatten einige sehr großzügige Spender, die dieses Projekt ermöglicht haben. Vielleicht beteiligen sich im kommenden Jahr ja sogar ein paar Unternehmen,“ hofft Gegenheimer.

    Damit viele verschiedene Kinder teilnehmen können, wechseln die Gruppen. Wer mit darf, wird vom Fachpersonal der KiTa entschieden. „Wir möchten damit vor allem Kinder mit emotionalen, Problemen  fördern, die in ihrer Entwicklung verzögert sind,“ erläutert Gegenheimer den Ansatz. “Auch Kinder mit gestörter Motorik, Aufmerksamkeitsdefiziten und Agressions –und Kontrollproblematiken möchten wir durch dieses Angebot fördern.“

    Dabei hat keines der Kinder eine ärztliche Diagnose erhalten. „Dies ist leider sehr oft der Fall. Wenn, dann werden diese oftmals erst im Grundschulalter gestellt“, so die KiTa-Leiterin. „Wir versuchen mit dem heiltherapeutischen Reiten vorzubeugen und so Verhaltensbeeinträchtigungen gleich von Anfang an zu entgegen zu wirken oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Das Ziel ist es auch, den Kindern die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu fühlen, innere Ruhe und Gleichgewicht zu finden.“ Mit Erfolg: jeder einzelne Mittwoch, wenn es wieder nach Hangen-Wahlheim geht, ist ein Highlight für die Kinder

     

     

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