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Mo., 20. Januar 2014, 16:40 Uhr
2. Gemeinschaftskonzert der Religionen in der Friedrichskirche Worms / Kenenlernen über die Sprache der Musik
Religiöse Gefühle auf 1001 musikalische Weisen
Gut gelaunt rezitierten die Kinder der islamischen Veysel-Karani-Ilahi-Gruppe traditionelle religiöse Gedichte, die sie perfekt auswendig konnten.. Foto: Regina Urbach
VON REGINA URBACH Ein sehr lebendiges Konzert religiöser Musik gaben am Sonntag sechs verschiedene, in Worms vertretene Religionsgemeinschaften in der brechend vollen Friedrichskirche. Pfarrerin Dr. Erika Mohri hatte nach dem großen Erfolg des letztjährigen Konzerts mit Unterstützung der Friedrichsgemeinde und der Stadt Worms dazu eingeladen.
„5 Minuten vor Konzertbeginn stand auch fest, dass alles klappt“, berichtete der städtische Kulturkoordinator und Moderator des Abends, Volker Gallé, schmunzelnd. Den Anfang machte der ganz in Weiß gekleidete Kinderchor der Veysel Karani Ilahi-Gruppe (DITIB) unter Leitung von Sebahat Havle Bayar mit auswendig präsentierten Ilahis, aus dem 17. Jahrhundert überlieferten Sprechgesängen der Sufi-Tradition.
Cagri Demir improvisierte über ein sehr inniges musikalisches Thema auf der Saz, der türkischen Langhalslaute mit drei Doppelsaiten. Gallé, der bereits als Organisator des Musikfestivals „wunderhoeren“ eine breite Kenntnis der Weltmusik offenbart hatte, referierte Wissenswertes über Instrumente und Musikstile.
Melancholisch und europäisch-vertraut klangen die melodiösen Linien des Vorsängers der jüdischen Gemeinde Mainz/Worms, Menachem Brummer. Weisen für den Hausgebrauch wie Baruch El Elion standen dabei neben bekannteren Stücken aus dem Gottesdienstritus. Dem Publikum fiel es schwer, solch musikalische Einzelleistungen nicht mit Spontanapplaus zu honorieren, wie wegen des religiösen Charakters eigentlich gewünscht worden war.
Mitglieder der Sikh-Gemeinde mit lila Turbanen und geschwungenen Schnurrbärten brachten Gesangsstücke zur religiösen Versöhnung in meditativer Länge und mit so einfachem Text dar, dass man zum Schluss eigentlich hätte mitsingen können. Dabei begleiteten sie sich selbst auf der Tabla und dem indischen Harmonium, einer Art liegendem Akkordeon, dem stets ein wenig Luft zugefächelt wird.
Religiöse Gefühle auf 1001 musikalische Weisen. Foto: Regina Urbach
Pause mit Erfrischungen
Nach einer Pause mit Erfrischungen erklang von der Empore, stellvertretend für die christliche Musiktradition, das Abendlied von Joseph Rheinberger aus dem 19. Jahrhundert, gespielt von Christian (Orgel) und Katharina Schmitt (Cello). Heilige Lieder aus der Cem-Zeremonie der Aleviten brachte Ertan Kurt, Zakir (etwa: Gesangsleiter) der Gemeinde, dar.
Zum Abschluss schickte der interkulturelle Chor (Leitung: Flois Knolle-Hicks) vielsprachige Friedenswünsche gen Himmel, mit Liedern wie „Schalom. Salaam“, dem irakischen Volkslied „Lil Salaam“ und „Du bist mein Zufluchtsort“ aus der aktuellen Liturgie des Weltgebetstags 2014. Der Applaus war groß, auch wenn es nicht immer mucksmäuschenstill blieb und vor allem die vielen Kinder für ein entspanntes Multikulti-Feeling sorgten.
Pfarrerin Erika Mohri hatte hervorgehoben, dass allein schon die Auswahl der Musikstücke viel Bewegung in die Gemeinden brächte und man einander über die direkte Sprache der Musik kennenlerne.[nggallery id=373]