Von Worms aus nehmen 70 Flaschen Wein den 14.000 Kilometer langen Weg zur Forschungsstation „Neumayer III“ auf der Antarktis
Riesling und Silvaner fürs Land der Pinguine
Weinkiste auf die Reise geschickt. Von links: Deutsche Weinkönigin Nadine Pose, OB Michael Kissel,Prof. Dr. Hans-Jürgen Seimetz (SGD), die Pfälzische Weinkönigin Janina Huhn und die Rheinhessische Weinkönigin Judith Dorst. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Mit kräftigen Hammerschlägen wurde am Donnerstagmittag die große Holzkiste vernagelt, in der sich 70 Flaschen Wein aus Rheinhessen und der Pfalz befanden. Darunter etwa Silvaner, Riesling, Burgunder und eine Flasche Liebfrauenmilch. Unter Anleitung des Wormser Oberbürgermeisters Michael Kissel wurde die Kiste von der Deutschen Weinkönigin Nadine Poss, der Pfälzischen Weinkönigin Janina Huhn und der Rheinhessischen Weinkönigin Judith Dorst mit dem köstlichem Rebensaft zunächst beladen und schließlich vernagelt. Der Bestimmungsort der Kiste ist die „Neumayer-Station III“ in der Antarktis, also dem Südpol. Die genaue Postion der Forschungsstation ist der 70. Breitengrad Süd und der 8. Längengrad West. In der Station arbeiten zurzeit vier Frauen und fünf Männer. Die „Lieferung“ des Weins an die Station ist schon ein gutes Stück Tradition und wird dieses Jahr zum 31. Mal durchgeführt. Organisiert wird die Aktion der Struktur- und Genehmigungsbehörde (SGD) Süd, einer Landesbehörde im südlichen Rheinland-Pfalz. Die SGD Süd ist eine Nachfolgebehörde des ehemaligen Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz in Neustadt.
Von Worms aus geht die Kiste auf ihre viermonatige Reise. Dabei wird sie 14.000 Kilometer zurücklegen. Überbracht wird sie mit der „Polarstern“, einem Eisbrecher, der für Forschungs- und Versorgungszwecke ausgelegt ist. Das Schiff bringt die Kiste bis zur Schelfeiskante, wo sie auf einen Motorschlitten umgeladen wird, um die letzten 20 Kilometer bis zur Neumayer-Station III zu bewältigen. Der Einsatzplan sieht den 22. bis 24. Dezember vor, um die Forschungsstation zu versorgen. Wenn alles nach Plan verläuft, wird die Weinkiste also pünktlich zum Weihnachtsfest bei den „Patenkindern“ abgeliefert. Mit 20.000 PS ist das Forschungsschiff in der Lage, selbst bei minus 50 Grad durch 1,5 Meter dickes Eis zu fahren; die Chancen, dass der Fahrplan eingehalten werden kann, stehen daher gut.
Die Patenschaft wurde im Jahr 1984 von dem damaligen Regierungspräsidenten begründet, da der Namensgeber, der Polarforscher Georg von Neumayer, Pfälzer war. Er wurde in Kirchheimbolanden geboren, lebte in Neustadt an der Weinstraße und hatte seine Sommerresidenz in Weisenheim am Berg.