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  • Do., 19. Mai 2016, 09:24 Uhr
    Arbeitsgemeinschaft Wormser Frauenverbände beleuchtete Thema / Interesse und Betroffenheit

    Risiken, Bedürfnisse und Herausforderungen von „Frauen auf der Flucht“

    Von links: Mathilde Neidlinger und Irmtraud Seckler vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Wormser Frauenverbände e.V., Referentin Rahel Kurt, Gabriele Schmittel und Veronik Heimkreitner (Gleichstellungsstelle Stadt Worms) sowie Referentin Prof. Elisabeth Rohr.


    Obwohl die Flucht nach Europa aktuell eher ein männlich geprägtes Gesicht hat, besteht weltweilt die große Mehrheit der Flüchtlinge aus Frauen und Kindern. Überdies sind Frauen neben Krieg und politischer Verfolgung oftmals mit geschlechtsspezifischen Gefahren konfrontiert. Ein Grund für die Gleichstellungsstelle und die Arbeitsgemeinschaft Wormser Frauenverbände e.V., das Thema „Frauen auf der Flucht“ in einer gemeinsamen Veranstaltung am vergangenen Dienstag im Wormser Kultur- und Tagungszentrum mit zwei Referentinnen näher zu beleuchten.

    Prof. Elisabeth Rohr, Professorin für interkulturelle Erziehung an der Universität Marburg, und Rahel Kurt, selbst ehemalige Flüchtlingsfrau, gaben in ihren Vorträgen einen überaus informativen Überblick über die allgemeinen Besonderheiten des Lebens von Frauen auf der Flucht und die besonderen Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen. Elisabeth Rohr führte aus, dass Frauen in ihren Herkunftsländern oft von Vergewaltigung, Versklavung, Zwangsverheiratung und weiteren Repressalien betroffen sind. „Geschlechtsspezifische Asylgründe sind zwar seit 2005 als Passus im Gesetz verankert, lassen sich aber oft nur schwer durchsetzen“, verdeutlichte Rohr. Generell sei eine zunehmende Feminisierung von Flucht und internationaler Migration feststellbar.

    Frauen verfügen oftmals nicht über die finanziellen Mittel, um eine Flucht bis nach Europa antreten zu können. Während der Flucht werde ihnen daher oft nur gegen sexuelle Dienstleistungen Hilfe und Unterstützung zuteil. Der Großteil der Frauen zähle zu den sogenannten Binnenflüchtlingen. „Die Erleichterung, an einem vermeintlich sicheren Zufluchtsort gelandet zu sein, verwandelt sich leider viel zu oft in ein Gefühl neuer Verfolgung und Diskriminierung“, berichtete die Referentin. So würde häufig die Flucht selbst wie auch die Ankunft im Aufnahmeland zu gravierenden Traumatisierungen führen. Neben Krieg und politischer Verfolgung hätten Frauen oft spezifische Fluchtgründe und daraus resultierende Bedürfnisse, denen man auch in den Aufnahmeländern nur schwer gerecht werden könne, so Rohr.

    Rahel Kurt schilderte den Spagat zwischen dem Wunsch, sich in einem fremden Land ein neues Leben aufzubauen, und den täglichen Herausforderungen und Überforderungen, mit denen sie sich ganz persönlich konfrontiert sah. Kurt stammt aus Mardin, einer Region im Südosten der Türkei, an der Grenze zu Syrien. 1976 kam sie mit ihrer Familie asylsuchend nach Deutschland und lebt seitdem hier. Als Angehörige der syrisch-orthodoxen Kirche gehörten sie in der Türkei zu einer religiös-ethnischen Minderheit. Ihr neues Leben in Deutschland wurde von ihr und ihrer Familie als ein Neustart in Freiheit empfunden. In ihrem Vortrag warb sie immer wieder für gegenseitiges Verständnis und betonte, dass man sich als Migrantin von seinen Ängsten und Unsicherheiten nicht lähmen lassen sollte. „Nicht alle Menschen empfangen einen mit offenen Armen, allerdings darf man sich davon weder entmutigen lassen noch die vielen helfenden Hände übersehen, die einem durchaus helfen wollen“, sagte Kurt.

    Auch wenn sich an den allgemeinen Umständen nicht viel ändern lässt, die Vorträge rüttelten in jedem Fall auf. Die rund 40 Teilnehmerinnen signalisierten durch ihre Nachfragen großes Interesse und Betroffenheit für die Situation flüchtender Frauen. Da die Bekämpfung der Fluchtursachen in den Herkunftsländern nicht ohne weiteres möglich ist, wurde den Teilnehmenden deutlich, dass es umso wichtiger ist, als Aufnahmeland sein Möglichstes zu tun, um Erleichterung zu verschaffen.

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