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  • Mi., 19. Juli 2017, 14:03 Uhr
    Umweltministerin Priska Hinz und Kraftwerksleiter Horst Kemmeter gaben Startschuss / Weiterer Castorbehälter wird befüllt

    Rückbau des Atomkraftwerk Biblis offiziell gestartet

    Es ist soweit: Umweltministerin Priska Hinz und Kraftwerksleiter Horst Kemmeter gaben den offiziellen Startschuss für den Rückbau des Kraftwerk Biblis – dies sei ein „Meilenstein”. Foto: Benjamin Kloos


    „Heute ist ein guter Tag für Hessen und ein historischer Moment: Die Ära der Atomenergienutzung in Hessen ist endgültig beendet. Alle Zeichen stehen unumkehrbar auf Rückbau. In Hessen beginnt damit endgültig ein neuer Abschnitt der umweltverträglichen Energieversorgung“, betonte Umweltministerin Priska Hinz am Mittwoch und strahlte mit der Sonne um die Wette. Mit der symbolischen Demontage einer Pumpe im sogenannten Sekundäreinspeisesystem RZ gaben die hessische Umweltministerin und Kraftwerksleiter Horst Kemmeter offiziell den Startschuss für den sicheren und zügigen Rückbau des Atomkraftwerks in Biblis. „Vor 42 Jahren wurde dieses Atomkraftwerk als erster Druckwasserreaktor weltweit in Betrieb genommen. Dieses Kapitel ist nun endlich vorbei. Atomenergie in Hessen gehört der Vergangenheit an“, stellte die Ministerin klar und verdeutlichte: „Mit dem Rückbau von Biblis wird der Atomausstieg konsequent umgesetzt.“

    Sicherheit geht vor

    Kraftwerksleiter Horst Kemmeter gab eine Ausblick auf die kommenden Arbeiten. „Wir haben am 30. März diesen Jahres die Genehmigungen für die Stilllegung und den Abbau der Blöcke A und B des Kraftwerks Biblis erhalten. Nach der erfolgreichen Abarbeitung einzelner Nebenbestimmungen konnten wir die Ausnutzung der Genehmigung für die Stilllegung und den Abbau gegenüber der Behörde anzeigen und zum 1. Juni in Anspruch nehmen. Insgesamt haben wir alles durchplant und sind gut vorbereitet, um mit dem sicheren Abbau beginnen zu können, mit dem Ziel, in rund 15 Jahren die vorhandenen Gebäude aus dem Atomgesetz zu entlassen.” Derzeit laufen laut Horst Kemmeter die technischen und logistischen Vorbereitungen und auch in den nächsten Monaten wird man von außen nicht viel sehen, denn der Abbau läuft von innen nach außen ab. Ausnahme ist der Bau eines Lagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, der weithin sichtbar sein wird.

    Beim Rückbau werden Tausende Tonnen Material, insbesondere Metall und Bauschutt, zu bewegen und zu entsorgen sein. Ministerin Priska Hinz versicherte: „Der gesamte Rückbauprozess wird von der Atomaufsichtsbehörde und externen Sachverständigen begleitet und überprüft werden. In Sicherheitsfragen wird es mit mir keine Kompromisse geben.“ Die Bedeutung der Sicherheit bestätigte auch Horst Kemmeter. „Bei allen Rückbauarbeiten gelten weiterhin die höchsten Sicherheitsstandards. Ich persönlich, als Leiter dieses Kraftwerks, kann Ihnen versichern, dass in der Anlagensicherheit, Arbeitssicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz sowie dem Brandschutz der Sicherheit oberste Priorität  eingeräumt werden. Wir werden den Rückbau genau so professionell gestalten wie wir über Jahrzehnte das Kraftwerk sicher betrieben haben.”

    Mahnende Worte gab es zum offiziellen Rückbaustart durch den Betriebsratschef des Kraftwerk, Reinhold Gispert: „Wir haben Glück, dass wir Sozialverträge abgeschlossen haben, als die Zeit wirtschaftlich noch besser war. Aber alleine aus Biblis sind 80 Menschen, darunter ganze Familien, betriebsintern gewechselt, wozu sie ihre Heimat verlassen und an anderer Stelle ein neues Leben aufbauen mussten. Aber auch an diesen Standorten ist durch die aktuelle Diskussion um die Kohle für diese Menschen keine Sicherheit mehr gegeben. Für unseren Standort ist alles erledigt, aber die Politik ist in der Verantwortung, generell langfristige Perspektiven für die Menschen aufzuzeigen und nicht nur von Legislaturperiode zu Legislaturperiode zu denken.”

    Suche nach Endlager läuft

    „Auch wenn der Rückbau nun zügig voran gehen soll, werden die Folgen der Atomenergienutzung am Standort Biblis noch lange zu sehen sein. Insbesondere die Entsorgung der radioaktiven Abfälle wird noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen“, mahnte die Umweltministerin. Die abgebrannten Brennelemente müssen noch im Standort-Zwischenlager verbleiben, bis ein Endlager für den hochradioaktiven Abfall gefunden ist. „Dies ist neben der Gestaltung der Energiewende unsere wichtigste Aufgabe in diesem Bereich.”

    Wie wichtig dies ist, davon konnten sich die zahlreichen Pressevertreter selbst ein Bild machen. Denn gleichzeitig mit dem offiziellen Startschuss für den Rückbau wurde in Block B ein weiterer Castorbehälter eingeschleust. „Dies ist der neunte von insgesamt 28 Castoren, die jeweils mit 19 Brennelementen gefüllt werden”, erläuterte Alexander Scholl. Block A ist bereits seit November 2016 brennstofffrei. Die von RWE Power Anfang 2015 ins Leben gerufene Informations-Initiative „KW Bibis transparent” wird auch während des Abbaus fortgesetzt, um mit gezielten Dialogangeboten die verschiedenen Interessengruppen zu informieren. „Wir setzen auf Transparenz und werden die Bürger weiter regelmäßig über die Arbeiten und die einzelnen Abbauschritte informieren”, unterstrich Horst Kemmeter. Benjamin Kloos
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