Sa., 25. Mai 2013, 12:11 Uhr
TelefonSeelsorge Rhein-Neckar engagiert sich seit über 50 Jahren in der Metropolregion
Rund um die Uhr ein offenes Ohr
40.000 Mal im Jahr klingelt bei der TelefonSeelsorge Rhein-Neckar das Telefon – Tendenz steigend. Seit über 52 Jahren engagiert sich die Initiative als eine der ältesten und größten TelefonSeelsorgestellen Deutschlands. Dabei agiert die ökumenische Beratungs- und Seelsorgeeinrichtung über politische und landeskirchliche Grenzen hinweg.
„Die TelefonSeelsorge hat die Metropolregion schon abgebildet, da war diese noch gar nicht als solche definiert“, gibt Pfarrer Dr. Michael Lipps, Leiter der Seelsorge- und Beratungsstelle, Auskunft. Die Einrichtung ist in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg aktiv und wird von drei katholischen Diözesen (Freiburg, Speyer, Mainz) sowie drei evangelischen Landeskirchen (Evangelische Landeskirche in Baden, Evangelische Kirche der Pfalz, Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) getragen. „Wir orientieren uns am Lebensraum der Menschen, nicht an den Grenzen von Kirchen oder Bundesländern“, informiert der Wormser Dekan Harald Storch, Kuratoriumsmitglied der TelefonSeelsorge. Das ist durchaus ungewöhnlich.
Rund um die Uhr sind die Telefone und seit einiger Zeit auch ein Chatroom besetzt, dafür sind 140 Ehrenamtliche im Einsatz. Bevor diese jedoch zum Hörer greifen, durchlaufen die Frauen und Männer jedweden Alters eine fundierte Ausbildung: Zwischen 120 und 150 Unterrichtstunden werden innerhalb von 18 Monaten besucht. Zusätzlich zu den wöchentlichen Treffen werden die Teilnehmer an zwei bis drei Wochenenden auf Ihren Dienst am Telefon vorbereitet. Die Ausbildung erfolgt durch die beiden hauptamtlichen Fachkräfte der Einrichtung, Pfarrer Dr. Lipps und Diplom-Psychologin und Religionspädagogin Diana Beetz, stellvertretende Leiterin der TelefonSeelsorge. „Ganz wichtig ist die Phase der Selbstreflexion, damit beginnen wir jeden Ausbildungskurs“, erklärt Lipps. Darauf folgen Unterrichtseinheiten in der Gesprächsführung und schließlich die begleitete Praxisphase.
94 Prozent der Ehrenamtlichen sind „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ mit ihrem Engagement. Zu diesem Ergebnis kommt eine breit angelegte Umfrage der TelefonSeelsorge in Deutschland, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde. Nur 0,2 Prozent sind unzufrieden, die Kategorie „sehr zufrieden“ wurde gar nicht angekreuzt. Die Motivation für die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit liegt im Wesentlichen in der Tätigkeit selbst. Ehrenamtliche der TelefonSeelsorge nehmen ihr Engagement als unmittelbar sinnvoll wahr. Sie werden für ihre anspruchsvolle Aufgabe gut ausgebildet, sie werden durch regelmäßige Supervision und Fortbildung unterstützt und geschätzt in ihrem Tun.
Wer monatlich 15 Stunden Dienst am Telefon macht, oder auch im Bereich Email-Beratung oder im Chat tätig ist, macht wertvolle zwischenmenschliche Erfahrungen. Die fachlichen Kenntnisse in Gesprächsführung und im Umgang mit Problemen erlauben die Erfüllung einer sozial wirksamen Aufgabe: „In meiner ehrenamtlichen Mitarbeit werde ich gebraucht und tue etwas Sinnvolles“, dieses Resümee ziehen fast alle Ehrenamtlichen.
Für 2014 hat die TelefonSeelsorge Rhein-Neckar eine Vereinsgründung vorgesehen: „Wir brauchen klarere Strukturen und eine rechtliche Grundlage, auch für die Finanzierung der Einrichtung“, erklärt Lipps. Der Verein bezieht sich zunächst auf die nordbadische „Kernzone“. Die Nachbarkirchen und Diözesen stehen aber weiterhin zu ihrem finanziellen Engagement. Dekan Storch möchte die bewährte Nachbarschaft auch in Zukunft pflegen. Erst einmal steht jedoch ein großes Fest vor der Tür: Im Juni werden die neuen Geschäftsräume am Mannheimer Wasserturm mit einem Festakt eröffnet.