Fr., 15. Juli 2022, 15:18 Uhr
Helferkreis Asyl e.V.: Forderung nach umgehender Ortsbegehung und unterbringung in Wohnungen
„Runter von der Hitzeinsel!"
„Das `Motorpool-Gelände` in der Bensheimer Straße wird als Hitze-Insel bezeichnet. Dort ist – ebenso wie auf dem Salamander-Gelände am Speyrer Schlag – eine besondere Hitze-Insel, nämlich eine, die man nicht einfach verlassen kann, wenn’s zu heiß wird. Hier gibt es keinerlei Schutz vor der Sonnenbestrahlung, keine Bäume oder Sträucher, die Schatten spenden könnten. Das Blech der Wohncontainer und der Asphalt vom Parkplatz, auf dem die Container stehen, heizen sich bei hohen Temperaturen auf und geben auch nachts die Hitze ab. Bei mehr als 30 Grad Celsius ist an erholsamen Schlaf nicht mehr zu denken. Sobald die Sonne direkt auf den Asphalt scheint, steigen die Emissionen um ein Vielfaches. Dabei werden austretende Chemikalien in der Luft vor allem zu Vorläufersubstanzen von Feinstaubpartikeln. Sie gelten als besonders gesundheitsschädlich, da sie bis in die Lungenbläschen vordringen können", so der Helferkreis Asyl Worms. Die Infektion mit einem Corona-Virus könne unter solchen Bedingungen zu einem besonders schweren Verlauf führen. Die Gesundheit der Bewohner und der Mitarbeiter des ASB sei bedroht.
„Dort wohnen auch chronisch Kranke, Kinder, Schwangeren, Personen mit psychischen Störungen und Personen, die Folter, Vergewaltigung oder sonstige schwere Formen psychischer, physischer oder sexueller Gewalt erlitten haben. Nach der EU-Aufnahmerichtlinie soll diesen Menschen eine besondere Versorgung und bei Bedarf auch eine dezentrale Unterbringung zugesichert werden. Die Richtlinie aus dem Jahr 2013 wurde im Juli 2015 ins innerdeutsche Recht umgesetzt, seitdem hat sie unmittelbare Rechtswirkung, d.h. sie kann vor Gericht durchgesetzt werden", so der Helfrekreis Asyl.
Die Realität in Worms entspreche diesen Anforderungen allerdings nicht. „Ein konkretes Beispiel: Ein eritreischer Flüchtling erkrankte vor einigen Jahren an Tuberkulose. Er muss jeden 3. Monat zur ärztlichen Kontrolle. Sollte sich sein Gesundheitszustand wieder verschlechtern und eine offene TB auftreten, dann ist er – nicht zuletzt im Hinblick auf eine mögliche Corona-Infektion – in höchstem Maße gefährdet. Auch seine Mitbewohner wären einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt."
Der Helferkreis Asyl Worms e.V. fordert:
·Das Gesundheitsamt Alzey-Worms sollte mit den Verantwortlichen der Stadt Worms, dem Betreiber der Sammelunterkunft und mit Vertretern der Beratungsstellen und Flüchtlingsinitiativen umgehend eine Ortsbegehung organisieren, die Bewohner*Innen und vulnerable Geflüchtete entsprechend der EU-Aufnahmerichtlinie identifizieren.
· Vulnerable Menschen sollten schnellstens in Wohnungen untergebracht werden.
· Um alternative Unterbringungsmöglichkeiten zu finden, sollte die Stadt – wie bei der beispielhaften Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen - eine Werbekampagne bei Vermietern und Wohnungsbau-Gesellschaften starten.