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  • Mi., 06. Dezember 2017, 07:53 Uhr
    Worms wird sich mit anderen Kreisen in Rheinhessen an der Erstellung eines Verkehrskonzeptes beteiligen

    S-Bahn nach Frankfurt eine harte Nuss

    Eine Direktverbindung von Worms nach Frankfurt ist der Wunsch vieler Berufspendler, die täglich in die Bankenmetrople fahren. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Die CDU stellte am vergangenen Mittwoch im Wormser Stadtrat den Antrag, dass sich Worms an der Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes zusammen mit der Stadt Mainz sowie den Landkreisen Alzey-Worms und Mainz-Bingen beteiligt. Alle Fraktionen sahen dies positiv, auch wenn sich wohl keiner einen sofortigen Quantensprung davon erwartet. Aber die zuständige Planungsgemeinschaft der vier Gebietskörperschaften soll jetzt für eine bessere Vernetzung sorgen. Ein Schwerpunkt ist dabei der Schienenverkehr, aber auch die Elektromobilität mit Ladestationen, Fahrradschnellweg und der Ausbau von schnellem Internet mit Glasfaserkabeln gehören zu diesem Paket. Bezüglich Elektromobilität und schnellem Internet sagte Oberbürgermeister Michael Kissel, dass sich hier die EWR AG mit großem Engagement einbringe. Alleine für den Internet­ausbau in Rheinhessen habe das Unternehmen rund 20 Millionen Euro in die Hand genommen.

    Harmonisierung der Tarife

    Eine Kernforderung der CDU ist der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in der Region. Gerade für Worms, das an der Schnittschnelle zwischen den Regionen Rhein-Neckar, Rhein-Main und Rheinhessen/Nahe liege, sei eine Harmonisierung der Tarifsysteme und eine bessere Verknüpfung der S-Bahn-Netze elementar. Viele Bürger aus Worms und Umgebung würden mit der Bahn zur Arbeit pendeln, weshalb hier Verbesserungen so dringend notwendig seien, so der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Klaus Karlin (CDU). Eine Hauptforderung der Christdemokraten war die bessere Anbindung von Worms an die Bankenmetropole Frankfurt. Dieser lang gehegte Wunsch steht schon seit Jahren im Raum, ohne dass sich etwas bewegt.

    Mainz Römisches Theater mit der S8

    Bisher haben die Pendler von Worms aus zwei Alternativen, um nach Frankfurt zu gelangen. Dies ist einmal über Mainz Römisches Theater sowie über Bib­lis, beides ist mit einem Umstieg verbunden. Wer über Mainz fährt, muss in Worms oder einem der Unterwegsbahnhöfen, wie etwa Alsheim, in die Regionalbahn einsteigen und bis zur Station Römisches Theater fahren. Dort muss der Fahrgast in die S8 nach Frankfurt umsteigen. Die Fahrzeit beträgt insgesamt eine Stunde und 14 Minuten. Im Prinzip eine gute Sache, wäre da nicht der Umstieg am Römisches Theater, der mit vier Minuten sehr knapp bemessen ist. Besonders auf der Rückfahrt von Frankfurt wird am Römischen Theater der Anschluss häufig verpasst, da die S8 meist Verspätung hat. Somit wird aus einer Stunde 14 Minuten oft eine Stunde und 44 Minuten, weil man in Mainz eben auf die nächste Regionalbahn warten muss. Eine Besserung ist hier nicht in Sicht, da die S8 notorisch unpünktlich ist, was mit dem riesigen Verkehrsaufkommen und zu wenig Gleisen rund um Frankfurt zu tun hat. Auch eine Entzerrung des Fahrplans, also eine längere Umsteigezeit als vier Minuten, ist angeblich nicht möglich, weil dies den gesamten Verkehrsplan in der Region durcheinanderwürfeln würde. Wer also weiterhin auf die S8 angewiesen ist, wird wohl mit den Verspätungen der S8 leben müssen. Immerhin besteht auf dieser Verbindung von Worms aus die Möglichkeit, alle 30 Minuten in Worms in die Regionalbahn einzusteigen.

    Mit dem Regionalexpress über Biblis

    Viele Wormser fahren über Biblis nach Frankfurt. Dazu muss der Pendler vom Wormser Hauptbahnhof mit der Regionalbahn nach Biblis fahren und von dort mit dem Regionalexpress weiter bis nach Frankfurt. Die Fahrtzeit beträgt inklusive des Umsteigens eine Stunde und drei Minuten. Diese Verbindung wird allerdings nur einmal pro Stunde angeboten. Ein Problem auf dieser Strecke ist, dass der Verkehr auf der ICE-Trasse von Frankfurt nach Mannheim verläuft – was bedeutet, alle Fernzüge (ICE, EC, IC) genießen Vorrang. Hat einer dieser Schnellzüge Verspätung, heißt dies, der Regionalexpress nach Frankfurt bzw. auf der Rückfahrt nach Biblis muss warten. Und dies kann dauern und es nervt, wenn der RE etwa in Groß Gerau-Dornberg steht und drei ICE an einem vorbeibrettern. Dazu kommen noch Güterzüge. Insgesamt passieren täglich mehrere hundert Züge die Riedstrecke, dass es dabei zu Friktionen kommt, ist vorprogrammiert. Für die nächsten 20 Jahre ist auf der Riedstrecke keine Besserung in Sicht, da die zwei Gleise hoffnungslos „überfüllt“ sind. Eine Entspannung wird es erst geben, wenn die seit über 25 Jahre in Planung befindliche, zusätzliche ICE-Trasse von Mannheim nach Frankfurt Realität sein wird. Vorsichtige Prognosen gehen hier nicht vor dem Jahr 2035 aus. Dies bestätigte in der Stadtratssitzung auch Oberbürgermeister Michael Kissel. Und solange diese Neubaustrecke nicht existiert, wird es vermutlich auch keine zusätzlichen Züge von Biblis nach Frankfurt geben, ganz zu schweigen von einer Direktanbindung von Worms nach Frankfurt, egal ob S-Bahn oder Regionalexpress.

    S-Bahn über Frankfurt-Höchst

    Die Anbindung mit dem ÖPNV von Worms nach Frankfurt bleibt ein schwieriges Unterfangen. Und die Qualität sinkt eher, als dass sie steigt. Erinnert sei hier nur an den IC, der nach wenigen Jahren des Probelaufs im Jahr 2014 wieder eingestellt wurde. Dieser IC brachte die Pendler morgens von der Nibelungenstadt direkt nach Frankfurt und auch abends wieder zurück. Oberbürgermeister Michael Kissel sagte in der Ratssitzung denn auch, dass er vor Jahren, als es um die zweite Rheinbrücke ging, feststellen musste, dass das Interesse der hessischen Landesregierung für die Verkehrsanbindung von Worms nicht sehr groß sei, dies gelte für den Autoverkehr, aber wohl auch für die Schiene. Und letztlich müsste eine Erweiterung des S-Bahn-Netzes bis nach Worms von Hessen bezahlt werden. Einen Hoffnungsschimmer brachte der Landtagsabgeordnete Adolf Kessel (CDU) in die Diskussion ein, als er eine S-Bahn-Verbindung von Worms zum Mainzer Hauptbahnhof und von dort weiter über den Rhein in Richtung Frankfurt-Höchst und dann zum Frankfurter Hauptbahnhof ins Spiel brachte. Inwieweit sich dies realisieren lässt und ob es eine Zeitersparnis zu den bisherigen Strecken bringt, bleibt abzuwarten.

    Der Intercity, der morgens von Worms aus direkt nach Frankfurt fuhr, wurde nach einer Probephase im Jahr 2014 von der Bahn wieder eingestellt. Foto: Gernot Kirch

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