Mo., 18. Juni 2018, 13:02 Uhr
Rundum gelungener Erzählabend des Wormser Märchen und Sagenkreises / Verzahntes Textprogramm
Sagen rund um den Wormser Dom
Knapp zwei Jahre nach der Domweihe soll Bischof Burchard mit dem Teufel gestritten haben. In der folgenden Nacht krachte mit großem Getöse die Westfront des Domes zusammen. Diese Sage ist wohl die älteste der Wormser Domsagen. Die standen im Mittelpunkt des jüngsten Erzählabends des Wormser Märchen-und Sagenkreises im vollbesetzten Runden Saal des Museums Heylshof. Volkssagen sind keine Märchen und auch keine Götter- oder Heldenlieder. Sie sind kürzer und einfacher als Märchen. Im Gegensatz zu diesen wurden sie für wahr gehalten, auch wenn „Wahrheit“ in vorindustrieller Zeit anders definiert wurde, als heute. Dies ermöglicht interessante Einblicke in vergangene Epochen.
Bei der Auswahl der Texte konzentrierte sich Alfred Pointner auf Sagen, die sich um heute noch sichtbare Bauelemente ranken. Zur Vertiefung stellte er Vergleichsmaterial aus dem Fundus anderer Dome bereit und schuf so insgesamt ein dramaturgisch gekonnt verzahntes Textprogramm von Wucht und Geschlossenheit, das den Zuhörern die an sich wohlvertraute Kathedrale plötzlich auf ganz neue Weise erlebbar machte. Dabei setzte Hartmut Keil mit einigen Mundartfassungen von Sagen einen ganz wesentlichen Akzent, denn er zeigte, wie Sagen möglicherweise früher geklungen haben könnten. Ihren heutigen Klang brachte Alfred Pointner eindrucksvoll zur Geltung und erwies sich dabei wieder als vorzüglicher Erzähler. Die erläuternden Texte las Therese Beck.